Seiltanz ohne Sicherheitsnetz
Theresa Präauer präsentiert ihren Roman „Oh Schimmi“ nächste Woche in Innsbruck.
Von Joachim Leitner
Innsbruck –Der Mann, der sich zum und anderen den Affen macht, scheint das Bild zur Zeit zu sein: Trump äfft Reporter nach, Alec Baldwin Trump, Peter Simonischek zaubert im Zottelkostüm neoliberalen Selbstoptimierern menschliche Regung ins Gesicht („Toni Erdmann“) – und Teresa Präauers tollkühner Affentext „Oh Schimmi“ stand bereits im Sommer 2015 beim Klagenfurter Wettlesen um den Bachmannpreis als de facto ausgezeichnet fest. Bevor ein rätselhafter Abstimmungsmodus, der selbst Juroren die Stirn runzeln ließ, sie zur preislosen Siegerin der Herzen kürte. In Klagenfurt gelobte man daraufhin Besserung. Und schickte 2016 nach ähnlich affigem Auswahlverfahren den Quasiselbstläufer Marko Dinic preislos nach Hause. Was allerdings eine andere Geschichte ist, denn inzwischen hat sich „Oh Schimmi“, die Geschichte eines Heranwachsenden, der sich – sprichwörtlich – zum Affen macht, um seine Angebetete Ninni zu erobern, zum Roman ausgewachsen. Präauers dritten, nach „Für den Herrscher aus Übersee“ (2012) und dem kunstaffinen Kabinettstück „Jonny und Jean“ (2014). Bereits davor hat Präauer Wolf Haas’ Kinderbuch „Die Gans im Gegenteil“ illustriert.
Wie Haas’ Texte sind auch Präauers Romane zunächst einmal Sprache. Reine Sprache. Also per se unrein, sprich: mehrdeutig, form- und verformbar, verquatscht, zerredet. Und, und, und. Diese Lust am Spiel mit der Sprache, am Einziehen doppelter Böden, Abklopfen verschiedenster Bedeutungen, am Zerlegen und Neuzusammensetzen zeichnet „Oh Schimmi“ aus. Und es macht den Roman zur mitunter etwas ermüdenden Erfahrung, denn alles Eindeutige wird ausgesperrt. Verlass ist nur darauf, dass man sich auf nichts verlassen sollte: ein Seiltanz ohne Sicherheitsnetz.
Dadurch öffnet Präauer beinahe unendlichen Interpretationsspielraum: „Oh Schimmi“ ist wahlweise tieftraurige Traumabewältigungsstrategie, Zeitgeistsprechsatire, Modemärchen, Coming-of-Age-Tragödie und kapitalismuskritische Fabel. Kurz: ein Subtextslalom als aberwitziges Affentheater.
Roman Teresa Präauer: Oh Schimmi. Wallstein, 203 Seiten, 20,50 Euro. Lesung. Teresa Präauer präsentiert ihr Buch gemeinsam mit Barbi Markovic’ („Superheldinnen“) am Donnertag, 26. Jänner, im Literaturhaus am Inn. Beginn: 19 Uhr.