“Tirol Heute“-Beitrag

Beschwerde-SMS: Redakteursrat spricht von „Entgleisung“

Nach einem „Tirol heute“-Bericht über die GmbH „Lebensraum 4.0“ beschwerte sich Ex-ORF-Stiftungsrat Andreas Braun (rechts) beim ORF. Und bat um die „Ahndung einer journalistischen Fehlleistung“.
© Thomas Boehm / TT

Nach dem Beschwerde-SMS von Ex-ORF-Stiftungsrat Andreas Braun gehen die Wogen hoch. Die SPÖ fordert seine Absetzung als Aufsichtsrat.

Innsbruck –Mit Empörung hat der ORF-Redakteursrat am Freitag auf den TT-Bericht über das an ORF-Landesdirektor Helmut Krieghofer adressierte Beschwerde-SMS von Ex-Stiftungsrat Andreas Braun reagiert. Zur Erinnerung: Nach einem kritischen „Tirol heute“-Bericht über die Landes-GmbH „Lebensraum 4.0“, bei der Braun im Aufsichtsrat sitzen wird, hatte dieser um „die Ahndung einer journalistischen Fehlleistung“ gebeten, die „ungeheuerlich“ sei. „So ein Mitarbeiter ist untragbar“, hieß es in der SMS, die der TT zugespielt wurde und die auch an Landeshauptmann Günther Platter gehen sollte.

„Herr Braun hat Recht: Das ist wirklich ungeheuerlich. Aber nicht der Beitrag des Kollegen, sondern die Reaktion darauf“, ließ ORF-Redakteurssprecher Dieter Bornemann die TT wissen. Und setzte nach: „Gerade als ehemaliger ORF-Stiftungsrat sollte er wissen, wie wichtig kritischer Journalismus und journalistische Unabhängigkeit sind. Aber wenn die eigenen Interessen berührt sind, wird das offensichtlich sehr schnell vergessen“, so Bornemann, der Braun nahelegt, er möge sich beim zuständigen Redakteur „für seine Entgleisung entschuldigen und die Sache wieder in Ordnung bringen“. Gegenüber der TT hatte Braun den Vorwurf eines Interventionsversuchs bereits am Donnerstag zurückgewiesen und erklärt, dass er als Privatperson gehandelt habe. Dabei habe er wohl zuviel „Emotionalität“ an den Tag gelegt. Die Bitte um eine „Ahndung“ nahm er in der Folge zurück.

SPÖ-Landesparteivorsitzende Elisabeth Blanik forderte dennoch in einer Aussendung, „Andreas Braun aus dem Aufsichtsrat von ,Lebensraum 4.0’ unverzüglich abzuberufen“. Mit seiner „Intervention beim Landesstudio Tirol“ habe er dokumentiert, was er von kritischem Journalismus hält. Blanik: „Offenbar hat Braun damit gerechnet, bei seinen ÖVP-Seilschaften ein offenes Ohr zu finden.“ Zu Wort meldete sich am Freitag auch die Liste Fritz, die in einer Aussendung von einer „unverschämten Intervention“ spricht, die „ein Sittenbild des Systems ÖVP Tirol“ sei. „Man kennt sich, man (be)nützt sich, man spricht sich ab“, prangert Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider an. (fach)