USA und China - Wirtschaftliche Schwergewichte auf Kollisionskurs
Washington (APA/AFP) - Die Welt blickt auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump - das gilt auch und besonders für China. Denn Trumps Äußeru...
Washington (APA/AFP) - Die Welt blickt auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump - das gilt auch und besonders für China. Denn Trumps Äußerungen zu den Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern haben Befürchtungen aufkommen lassen, dass sich ein regelrechter Handelskrieg anbahnen könnte. Beide Seiten hätten dabei viel zu verlieren.
Was hat Trump bisher zu den Handelsbeziehungen gesagt?
Der Milliardär sieht das Verhältnis im Ungleichgewicht. Unter anderem warf Trump China mehrfach vor, seine Währung künstlich niedrig zu halten. Ziel sei es, den einheimischen Firmen unfaire Vorteile gegenüber US-Unternehmen zu verschaffen. Der Vorwurf trifft allerdings nicht zu - die chinesische Zentralbank gibt riesige Summen aus, um den Yuan zu stützen und die Kapitalflucht aus dem Land einzudämmen.
Anders sieht es bei der Arbeitsplatzverlagerung aus. Studien zufolge sind in den USA rund zwei Millionen Jobs verloren gegangen, seit China der Welthandelsorganisation (WTO) beigetreten ist. Trump behauptet, er könne einen Teil dieser Arbeitsplätze wieder zurück in die USA holen. Dies soll durch eine härtere Gangart gegenüber Peking erreicht werden.
Wie könnte ein Handelskrieg aussehen?
China hat den USA gegenüber einen riesigen Exportüberschuss - er belief sich im vergangenen Jahr auf rund 30 Mrd. Dollar (28 Mrd. Euro) im Monat. Trump hat damit gedroht, Importzölle von bis zu 45 Prozent auf chinesische Güter einzuführen, was deren Absatz in den USA kräftig dämpfen dürfte.
Aus China war im Gegenzug die Drohung zu hören, Importe von US-Produkten ebenfalls zu erschweren. Betroffen sein könnten etwa Firmen wie der Flugzeugbauer Boeing, der Autohersteller General Motors und der Technologiekonzern Apple, deren Produkte sich in China gut verkaufen. Ein weiteres mögliches Ziel könnten Sojabohnen aus den USA sein. Dies würden insbesondere die ländlichen Gegenden zu spüren bekommen, in denen viele Trump-Wähler leben.
Inwiefern gibt es Ansätze für Kompromisse?
Chinas Staatspräsident Xi Jinping sagte beim Weltwirtschaftsforum in Davos, ein Handelskrieg kenne keine Gewinner. Und das chinesische Handelsministerium betonte kürzlich, es sei bereit, mit der neuen US-Regierung daran zu arbeiten, „Vorteile für Unternehmen und Verbraucher auf beiden Seiten“ zu schaffen.
In den USA wiederum erwähnte der designierte Handelsminister Wilbur Ross in seiner Anhörung im Kongress mögliche Strafzölle gegen China nicht. Er deutete lediglich an, dass Washington bereits bestehende Regeln anwenden könnte, um gegen einzelne Firmen vorzugehen. Somit könnten die US-Maßnahmen gegen China womöglich milder ausfallen als befürchtet.
Wie hat sich China zuletzt verhalten?
Das Land will sich grundsätzlich stärker für ausländische Unternehmen und Investoren öffnen. In dieser Woche kündigte die Regierung an, dass Firmen aus anderen Ländern künftig in China an die Börse gehen können. Angekündigt wurde auch eine Erlaubnis für ausländische Unternehmen in bestimmten Branchen, eigene Tochterfirmen im Land zu betreiben. Dann wären sie nicht mehr zur Gründung von Gemeinschaftsfirmen mit chinesischen Partnern gezwungen. Bisher klagen ausländische Firmen immer wieder über vielfältige Schwierigkeiten in China.
Was passiert als nächstes?
Jetzt ist Trump am Zug - die chinesische Führung wird seine ersten Schritte im Präsidentenamt genau beobachten. Vorhersagen lässt sich allerdings wenig. In einem vor der Wahl veröffentlichten 100-Tage-Plan hatte Trump angekündigt, China an seinem ersten Tag im Amt als Währungsmanipulator einzustufen. Davon war aber in einem nach seinem Wahlsieg veröffentlichten Video nicht mehr die Rede.
Hier kündigte Trump vielmehr an, sich aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen (TPP) zurückzuziehen. China kritisiert diesen Vertrag als einen Versuch, seinen Einfluss einzudämmen. Insofern dürfte ein TPP-Austritt der USA Peking durchaus gefallen.