Tuberkulose - „Ärzte ohne Grenzen“ testen neue Behandlungsstrategie

Taschkent (APA) - Die internationale Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) hat eine klinische Studie mit einer neuen Strategie zur Be...

Taschkent (APA) - Die internationale Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) hat eine klinische Studie mit einer neuen Strategie zur Behandlung von multiresistenter und extrem resistenter Tuberkulose gestartet. Die wissenschaftliche Untersuchung ist am Dienstag in Usbekistan angelaufen. Die zentralasiatischen Länder sind stark von resistenter TB betroffen.

Die Studie der Phase II/III (Identifizierung der am besten geeigneten Kombination und weiters Untersuchung der Wirksamkeit; „TB PRACTECAL“) zielt darauf ab, ein Behandlungsregime für resistente Tuberkulose zu finden, das mit sechs Monaten deutlich kürzer und effektiver ist und weniger gravierende Nebenwirkungen hat als aktuelle Behandlungen, teilte die Organisation am Freitag mit. Die Untersuchung wird von der Organisation durchgeführt und finanziert. Unterstützt wird sie von der London School of Hygiene & Tropical Medicine sowie anderen führenden medizinischen Forschungseinrichtungen.

In der Untersuchung gibt es vier Gruppen: Eine Gruppe von Patienten mit multiresistenter oder extrem resistenter Tuberkulose wird nach den bisher anerkannten Leitlinien (WHO) behandelt. Drei weitere Gruppen erhalten die Substanzen Bedaquilin, Pretomanid und Linezolid allein oder in Kombination mit den Antibiotika Moxifloxacin oder Clofazimin. Diese Medikamente gibt es in Tablettenform.

Patienten mit multiresistenter Tuberkulose müssen derzeit über einen Zeitraum von fast zwei Jahren mehr als 10.000 Tabletten schlucken und über mindestens acht Monate täglich Arzneimittel injiziert bekommen. Die Nebenwirkungen der Medikamente können extreme Ausmaße annehmen und umfassen Übelkeit, Gelenkschmerzen, Psychosen und permanenten Gehörverlust, teilte MSF mit. Alles, was die Therapie leichter und kürzer macht, bringt höhere Erfolgsquoten. Bedaquilin ist einer der zwei einzigen neuen Wirkstoffe gegen Tuberkulose, die seit fast 50 Jahren entwickelt wurden.

Der ersten Proband der TB-PRACTECAL-Studie ist ein Patient aus einem von „Ärzte ohne Grenzen“ unterstützten Krankenhaus in Karakalpakstan im Nordwesten Usbekistans. 630 weitere Patienten in Usbekistan, Weißrussland und Südafrika sollen an der Studie teilnehmen.

Die Studie verläuft in zwei Schritten. Der erste Schritt ist eine Phase-II-Studie und wird im Jahr 2018 abgeschlossen. Getestet werden drei Regime mit den neuen Medikamenten Bedaquilin und Pretomanid. In der darauffolgenden Phase-III-Studie werden die beiden erfolgreichsten Regime weiterhin getestet. Dieser Schritt soll im Jahr 2020 beendet werden. Bern-Thomas Nyang‘wa, MSF-Tuberkulose-Spezialist, wurde dazu unter anderem so zitiert: „Trotz aggressiver medikamentöser Behandlung wird nur die Hälfte der Menschen mit resistenter Tuberkulose geheilt. Die aktuellen Behandlungsregime gegen Tuberkulose sind einfach unzureichend. Dies ist ein bedeutender Meilenstein in einem wichtigen Forschungsprojekt, das Hunderttausende Leben retten könnte. Die Ergebnisse können nicht früh genug kommen.“

In Österreich wurden 2015 etwas unter 600 Tuberkulose-Erkrankungen diagnostiziert. Die Zahlen sind über viele Jahre hinweg ständig zurückgegangen. Obwohl es jährlich nur wenige Fälle sind, hat sich auch bei multiresistenten und gegen die medikamentöse Behandlung extrem resistenten TB-Fällen ein Rückgang abgezeichnet. 2011 wurden 27 registriert, 2015 waren es zwölf. Da fiel nur eine Erkrankung unter die Kategorie der extrem resistenten TB (2011: sieben).