Eine Schlittenfahrt ist lustig, eine Schlittenfahrt ist schön
Beim Schlittenhundecamp in St. Ulrich am Pillersee können Einsteiger in die Welt der „Musher“, also der Schlittenhundeführer, eintauchen.
Von Miriam Hotter
St. Ulrich a. P. –Langsam löst der rechte Fuß die Bremse. Die vier Huskys sind kaum noch zu halten. „Go!“ Die Hunde rennen los und schleudern mit ihren Pfoten kleine Schneeklumpen in die Luft. Der rote Schlitten schießt nach vorne wie ein entfesseltes Gummiband. Schnell sind die Zuschauer am Rand der Trainingsstrecke nur noch als schwarze Punkte sichtbar.
Der Schlitten gehört Elisabeth (58) und Andreas Probst (59) aus Baden bei Wien. Das Ehepaar bietet beim Hundeschlittencamp in St. Ulrich am Pillersee (14. bis 29. Jänner) „Musher“-Schnuppertage an, also Kurse für Hundeschlittenführer. Davon haben sich rund 50 für das Hundeschlittencamp angemeldet, für die Rennen vom 27. bis 29. Jänner werden etwa doppelt so viele Musher sowie rund 1200 Hunde erwartet.
Elisabeth und Andreas sind mit insgesamt acht sibirischen Huskys angereist: Buck, Odin, Nikita, Denali, Maja, Djaimi, Eagle und Ewok. „Odin ist unser ältester Hund, er ist im 15. Lebensjahr. Dabei werden sibirische Huskys durchschnittlich nur zwölf bis 13 Jahre alt“, erzählt Elisabeth Probst.
Deshalb bleibt Odin im beheizten Wohnwagen des Ehepaars am Sportplatz, während die Kursteilnehmer ihre Runden drehen. Einer davon ist Gerd Erdmann aus Duisburg. Er und seine Ehefrau Helga sind mit 75 Jahren die ältesten angehenden Musher. „Es macht total viel Spaß“, sagt Gerd Erdmann, bevor er auf die Kufen am Schlitten steigt und seine Hände um den Handgriff legt. Seine Frau wiederholt noch einmal die Kommandos: „Go!“ für los, „Haaalt!“ für halt, „Gee!“ für rechts und „Haw!“ für links. Und dann kann es auch schon losgehen.
Ausgewachsene Rüden können Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 35 km/h erreichen. „Das hängt von der Umgebung ab, ob es zum Beispiel eine steile oder flache Strecke gibt“, erklärt Andreas Probst. Und er weiß: „Sibirische Huskys können das 15-Fache ihres eigenen Körpergewichtes ziehen.“ Apropos Gewicht: Will ein Musher eine Kurve fahren, muss er, außer die entsprechenden Kommandos zu geben, auch sein Körpergewicht verlagern, ähnlich wie beim Skifahren.
Nach etlichen Runden auf der Trainingsstrecke sind die Vierbeiner buchstäblich hundemüde. Zurück am Wohnwagen legen sich ein paar von ihnen auf ihre hochgestellten „Betten“, die sie vor der Bodenkälte schützen, und ruhen sich aus. Andere tapsen aufgeregt hin und her. Denn sie wissen: Nach getaner Arbeit wartet eine Belohnung auf sie. „Das habt ihr euch verdient“, sagt Elisabeth Probst und holt etwas aus dem Wohnwagen, das aussieht wie ein Stück Schokolade. „Das ist Kraftfutter“, erklärt sie.
Auch die Kursteilnehmer bekommen eine Belohnung: Sie erhalten ein Musher-Diplom. Dem nächsten Ausflug mit dem Hundeschlitten steht nichts im Wege. Die Teilnehmer sind sich einig: Bald heißt es wieder „Go!“.