Trump-Inauguration - Anhänger strömen zu Trumps Amtseinführung

Washington (APA/AFP/Reuters) - In Washington haben sich Freitag früh (Ortszeit) bereits Tausende von Menschen versammelt, um an den Feierlic...

Washington (APA/AFP/Reuters) - In Washington haben sich Freitag früh (Ortszeit) bereits Tausende von Menschen versammelt, um an den Feierlichkeiten zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Donald Trump teilzunehmen. Die Behörden rechneten mit bis zu 900.000 Zuschauern bei Trumps Vereidigung auf den Stufen vor dem Kapitol, dem Sitz des Kongresses, und der anschließenden Parade. In New York, Washington und anderen Städten demonstrierten tausende Menschen gegen den rechtspopulistischen Republikaner.

In der US-Hauptstadt herrschten massive Sicherheitsvorkehrungen. Große Teile der Innenstadt waren durch Beton- und Metallbarrikaden für den Autoverkehr gesperrt. Den Behörden zufolge sollten etwa 28.000 Polizisten im Einsatz sein.

Zu Beginn des Tages versandte Trump eine euphorische Botschaft über den Internet-Kurzmitteilungsdienst Twitter: „Heute fängt alles an!“, schrieb er. In Großbuchstaben fügte der 70-jährige Immobilienmilliardär hinzu: „Die Bewegung geht weiter - die Arbeit beginnt!“. Anschließend begab er sich mit seiner Frau Melania zu einem Gottesdienst in der St. John‘s Church nahe dem Weißen Haus.

Trump tritt sein Amt als 45. US-Präsident mit historisch niedrigen Zustimmungswerten in der Bevölkerung an. Mehrere Dutzend Abgeordnete der Demokraten haben angekündigt, die Vereidigungszeremonie vor dem Kapitol zu boykottieren. Zu einem für Samstag geplanten Frauen-Protestmarsch gegen Trump in Washington werden Hunderttausende erwartet.

Mit Spannung wurde Trumps voraussichtlich 20-minütige Rede nach der Vereidigung erwartet. Sein Sprecher Sean Spicer kündigte eine „sehr persönliche und ernsthafte Erklärung über seine Vision für das Land“ an. Trump werde über „Infrastruktur und Bildung, unsere Industriebasis“ sprechen. „Ich denke, dass es weniger eine Agenda sein wird als eher ein philosophisches Dokument, eine Vision, wo er das Land sieht, die geeignete Rolle der Regierung, die Rolle der Bürger“, sagte Spicer.

Bei einer Anti-Trump-Kundgebung am Donnerstagabend in New York sagte der demokratische Bürgermeister Bill de Blasio „Morgen ist nicht das Ende - es ist der Anfang“. Die Demonstranten betonten, dass Trump bei der Präsidentschaftswahl Anfang November nicht die Mehrheit der Stimmen erhielt, sondern nur die Mehrheit im Gremium der Wahlleute. „Wir sind die Mehrheit“, sagte der Filmregisseur Michael Moore. „Er wird nicht vier Jahre bleiben.“

Auf Transparenten war zu lesen „Trump jeden Tag bekämpfen“, „Gerechtigkeit und Bürgerrechte für alle“ oder „Liebe triumphiert über Hass“. „Was auch geschehen mag, wir Amerikaner, wir New Yorker, wir Patrioten werden zusammenstehen für unsere Rechte und für die Rechte unserer Mitbürger“, sagte Hollywoodstar Robert de Niro.

Trump hatte im Wahlkampf unter anderem mit rassistischen und antimuslimischen Äußerungen für Empörung gesorgt. In New York hatten bei der Präsidentschaftswahl am 8. November rund vier Fünftel aller Teilnehmer für Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton von der Demokratischen Partei gestimmt.

In Washington ging die Polizei mit Pfefferspray gegen Demonstranten vor, die sich vor dem nationalen Pressegebäude versammelt hatten. Dort fand der umstrittene „Deploraball“ für Trump statt, mitveranstaltet von der rechtsextremen „Alt-Right“-Bewegung. Dutzende bewaffnete Polizisten in Kampfmontur waren vor Ort.

Der zunächst friedliche Prozess geriet später außer Kontrolle. Die Demonstranten beschimpften und bedrängten die Gäste und riefen Parolen gegen Trump. Einige zündeten Protestschilder an, wodurch die Luft vor dem Gebäude mit dem Presseklub voller Rauch war. Die Bezeichnung Deploraball ist ein Wortspiel: Clinton hatte einen Teil von Trumps Unterstützern als Ansammlung von „deplorables“ (Beklagenswerten) bezeichnet.

Auch außerhalb der USA machten Gegner des künftigen Präsidenten mobil: In London hängten sie an der Tower Bridge ein Banner mit der Aufschrift „Baue Brücken nicht Mauern“ auf. In Berlin wollten sie zum Brandenburger Tor marschieren, wo auch die US-Botschaft liegt. Kleinere Proteste gab es zudem in Tokio und auf den Philippinen.