Trump-Inauguration - Trump macht den letzten Schritt
Washington (APA/dpa) - Die wohl wichtigste Demokratie der Welt feiert ihr Hochamt: Wenn Donald Trump bei seiner feierlichen Vereidigung vor ...
Washington (APA/dpa) - Die wohl wichtigste Demokratie der Welt feiert ihr Hochamt: Wenn Donald Trump bei seiner feierlichen Vereidigung vor dem Kapitol in Washington den Amtseid abgeleistet hat, übernimmt er den Staffelstab von Barack Obama. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten kommt ins Amt - und alles wird anders.
Es ist die ungewöhnlichste, Aufsehen erregendste und für viele auch beängstigendste Amtsübernahme in der jüngeren Geschichte des stolzen Landes, das aus seiner Verfassung den Honig für seine Existenz und Eigenart saugt. Trump, so glauben viele Kommentatoren, könnte nach dem liberalen Obama zur Schocktherapie für die Amerikaner werden.
Zwischen 700.000 und 900.000 Menschen sollten nach Washington kommen, um den neuen Präsidenten zu sehen. Wie er vor dem Kapitol steht, wie er dem höchsten Richter John Roberts in die Augen sieht, wenn er auf die Verfassung schwört.
Mit Trump bekommen die Amerikaner einen politischen Flegel als Präsidenten, einen Mann, der sein Dasein auf die Tatsache gründet, anders zu sein. Fast aus dem Nichts hat er ein Kabinett zusammengezimmert, eine Mischung aus erfahrenen Haudegen und Seiteneinsteigern. Trump betont, es sei das intelligenteste Kabinett der US-Geschichte, gemessen am IQ. Über die moralische, ethische, fachliche Rechtfertigung sagt das nichts. Am Freitag war noch keiner der neuen Minister vom Senat bestätigt.
Von Trump, dem Anti-Politiker im bedeutendsten politischen Amt der Welt, war zur Amtseinführung kein rhetorisches Meisterwerk zu erwarten. Er hatte die Rede selbst verfasst, dann aber doch noch von seinem Redenschreiber Stephen Miller und Beraterin Kellyanne Conway redigieren lassen.
Schon weit vor Tagesanbruch hatten sich Tausende aufgemacht, um den Großereignis vor dem Kapitol beiwohnen zu können. „Heute ist der Tag, an dem wir alle zusammenkommen“, sagt Chuck Schumer, der Fraktionschef der Demokraten im Senat. Nicht alle folgen diesem Rat. Die Mall vor dem Kapitol füllte sich am Vormittag nur langsam.
Trump wollte nach einem Mittagessen im Kapitol eine Parade zum Weißen Haus anführen. Auf den rund drei Kilometern Paradeweg bis zum Weißen Haus wollten sich bei leichtem Regen Zehntausende die Zeremonie auf Videoleinwänden ansehen. Aus dem gesamten Land reisten Menschen an, um den neuen Präsidenten zu sehen. Allein die „Biker für Trump“ hatten 5.000 Motorradfahrer mobil gemacht.
Viele nahmen richtige Strapazen auf sich, um dabei sein zu können. Anne Sullivan (65) aus North Carolina saß sieben Stunden im Auto, um von ihrem Heimatort nach Washington zu fahren. „Ich liebe Donald Trump“, sagte sie der dpa. „Er hat göttliche Eingebungen.“ Sie habe davon geträumt, dass er gewinnt. Und er werde Amerika auf die richtige Weise führen. „Nicht so wie Ihre Präsidentin“, sagt sie auf die Frage des deutschen Reporters. „Merkel lässt die ganzen Terroristen ins Land.“
Andere, die es reisetechnisch leichter gehabt hätten, kamen nicht. John Lewis etwa, Kongressabgeordneter, früherer Bürgerrechtler und Ikone der Schwarzen-Community, blieb gemeinsam mit 70 weiteren demokratischen Abgeordneten demonstrativ fern. Trump sei nicht der legitime Präsident, hatte der 76-Jährige aus Georgia erklären lassen.
Tatsächlich kam der Immobilienmogul aus New York nur dank eines altmodisch erscheinenden Wahlsystems an die Macht in Washington. Seine demokratische Kontrahentin Hillary Clinton war von fast drei Millionen Amerikanern mehr gewählt worden. Die Verteilung der Stimmen auf die Bundesstaaten machte sie dennoch zur klaren Verliererin. Republikaner-Veteran John McCain, ein erklärter Trump-Gegner, erklärte: „Die Wahl war legitim.“
Derek Allen zeigt unterdessen, was er unter Donald Trumps Plänen versteht, die Wirtschaft anzukurbeln. Der Händler verkauft Pudelmützen und natürlich die berühmt gewordenen Baseballkappe mit der Aufschrift „Make America Great Again“ - Trumps Wahlspruch. Die Dollarscheine füllen schon im Morgengrauen seine Hosentasche. Auch das Wetter ist auf seiner Seite. Regenschirme, die die Sicherheitschecks überstehen, bringt Allen heute für zehn Dollar das Stück an den Mann. „Wir reisen schon seit April Trump hinterher - ein Supergeschäft“, sagt er. „Die Leute haben Geld.“
Trotz aller Kritik an Trump - der Tag der Vereidigung wurde schon vor seiner Vereidigung als Tag der Demokratie in den USA beschworen. Trotz häufig heftiger Bauchschmerzen über das, was der kommende Präsident in den vergangenen 18 Monaten alles von sich gegeben hatte. Eine friedliche Übergabe der Macht gilt den USA als ehernes Gesetz.
Polizei, Militär und Geheimdienste hatten Washington schon Tage zuvor zur Hochsicherheitszone gemacht. Der Bereich zwischen Kapitol und Weißem Haus wurde abgeriegelt: sichtbar mit unzähligen Betonsperren und kilometerlangen Metallzäunen, unsichtbar mit Schranken für den Internetzugang und den Gebrauch von Mobiltelefonen.