Untersuchungsbericht: Missbrauch in Nordirland teilweise vertuscht

Belfast (APA/dpa) - Der Kindesmissbrauch in nordirischen Heimen war wohl noch verbreiteter als bisher angenommen und ist teilweise vertuscht...

Belfast (APA/dpa) - Der Kindesmissbrauch in nordirischen Heimen war wohl noch verbreiteter als bisher angenommen und ist teilweise vertuscht worden. Das geht aus einem Report hervor, der am Freitag in Belfast vorgestellt wurde. „Es gibt Beweise für sexuelle, körperliche und emotionale Misshandlung“, sagte der Präsident einer Untersuchungskommission, Anthony Hart.

Die Experten hatten Fälle aus den Jahren 1922 bis 1995 in Einrichtungen der Kirche, des Staates und von Wohlfahrtsverbänden untersucht. Der Report umfasst 2.300 Seiten.

Dem Bericht zufolge haben die betroffenen Einrichtungen teilweise versucht, ihren Ruf und die Täter zu schützen. „Dies hat einigen ermöglicht, weiter die Kinder zu missbrauchen.“ Zu den Tätern zählten demnach auch Priester. In vier Heimen eines katholischen Ordens misshandelten Nonnen Kinder körperlich und emotional, wie es weiter heißt. In Bädern von Waisenheimen seien Desinfektionsmittel benutzt worden.

Die Opfer sollten Entschädigungszahlungen zwischen 7.500 (etwa 8.600 Euro) und 100.000 britischen Pfund (etwa 115.000 Euro) bekommen, schlug die Kommission vor. Außerdem müssten sich die Regierung und die Heimbetreiber bei den Betroffenen entschuldigen.

Keine Belege fand die Kommission für die Existenz eines Pädophilenrings mit Geschäftsleuten und hochrangigen Beamten in dem früheren Kincora-Heim in Belfast. In der berüchtigten Einrichtung hatten mehrere Mitarbeiter Kinder missbraucht und kamen dafür vor Gericht. Es gab jedoch immer wieder Gerüchte, dass viel mehr Täter und das Establishment in den Missbrauchsskandal verwickelt gewesen seien.