Deutsche Pressestimmen zur Inauguration Trumps
Washington (APA/dpa) - Deutsche Medien berichten über die Inauguration von Donald Trump:...
Washington (APA/dpa) - Deutsche Medien berichten über die Inauguration von Donald Trump:
„Zeit Online“ (Berlin):
„Donald Trump hat seinen Amtseid abgelegt. Damit bricht nicht gleich alles zusammen. Nicht in seinem Land und nicht in der Welt. Nur weil einer Präsident wird, der schwer zu verstehen ist, obwohl er laut genug spricht. (...)
Trump hat oft genug versichert, sein bester Berater sitze in seinem eigenen Kopf. Das Ergebnis sind keine konsistenten Überzeugungen, es ist eher eine gefährliche Zockerei, die von zwei Polen beeinflusst wird: Was springt für uns (meint: seine Anhänger und Einflüsterer, die er eine Bewegung nennt) dabei heraus? Und: Was lässt mich gut dastehen? Die Tendenz ist, dass Trump die zweite Frage wichtiger ist.
Das kann der Nährboden sein für ein autoritäres System in den USA, gerade jetzt, wo sich mit einer Mehrheit im Kongress und einem konservativer werdenden Supreme Court vieles schnell und kompromisslos verändern lässt. Und wo die Welt beginnt, wieder so zu funktionieren, dass das Recht des Stärkeren gilt.
Dieser Tag kann der Ausgangspunkt für schlechte Deals sein. Er ist genauso eine Chance für gute Deals. In jedem Fall, um es in Trumps Duktus zu sagen: Jetzt wird neu verhandelt.“
„Süddeutsche Zeitung“ (München):
„Donald Trumps Vision bestand aus einer Beleidigung und einem einzigen, in chauvinistischem Nationalismus getränkten Satz: „America first.“ (...) Er erklärte seine Gegner zu Feinden des Landes und den Rest der Welt zu Feinden Amerikas. Kein gutes Wort über seinen Vorgänger, kein Wort über seine Gegnerin im Wahlkampf. Trump sucht die Gegnerschaft, ja die Feindschaft. Das muss allen klar sein, die künftig mit ihm Politik machen müssen, ob in Washington oder Berlin.“
„faz.net“ (Berlin/Frankfurt/Main):
„Viele Amerikaner halten den Nachfolger Barack Obamas für gefährlich, während die halbe Welt das ungute Gefühl hat, dass fortan im Weißen Haus der Geist einer ruppigen Unberechenbarkeit und eines unsentimentalen Nationalismus herrschen wird. Dieses Gefühl haben Trumps Ausführungen zur Amtseinführung noch verstärkt. (...)
Trumps Rede zur Amtseinführung war eine einzige Kampfansage, wie man das bei diesem Anlass noch nicht gehört hatte: an das „Establishment“, an Washington, die Globalisierung und an alle, die das amerikanische Volk „aussaugen“. Sie war radikal populistisch in Ton und Inhalt. Die Europäer bekommen es mit einem Präsidenten zu tun, der nicht daran denkt, Freundlichkeiten auszuteilen, sondern der „regime change“ in Washington will. (...)
Europa und somit auch Deutschland sollten den Amtsantritt des Donald Trump als Weckruf verstehen: Es wird jetzt mehr denn je auch auf sie ankommen, auf ihre Leistungsfähigkeit und ihre Verantwortungsbereitschaft, damit der Westen den Stürmen der Gegenwart standhält. Aber Amerika unter Donald Trump - das wird ein anderes Amerika sein.“