Graz-Wahl: Plakate seit einem Jahr, von BP-Wahl bis zum GR-Urnengang
Graz (APA) - Der Grazer Gemeinderatswahlkampf war bisher unspektakulär: Gäbe es nicht die Plakate und City Lights an u.a. Haltestellen sowie...
Graz (APA) - Der Grazer Gemeinderatswahlkampf war bisher unspektakulär: Gäbe es nicht die Plakate und City Lights an u.a. Haltestellen sowie Dreiecksständer, man würde nicht viel vom Urnengang am 5. Februar bemerken, abgesehen von wenigen Diskussionen der Spitzenkandidaten. Etliche Bürger sind genervt: Durch die BP-Wahl hat Graz seit einem Jahr Politiker-Slogans im öffentlichen Raum zu erdulden.
Der lange Arm der Plakatierer reicht auch bis in die Umlandgemeinden - sogar in Seiersberg-Pirka südlich der Landeshauptstadt sind u.a. FPÖ-Affichierungen zu sehen. Und eigentlich sollten ja laut einem Gemeinderatsbeschluss die großen 16- und 24-Bogen-Plakate auf eigenen, mobilen Ständern gar nicht erst verwendet werden. Damit sollten wohl einerseits Kosten ge- und den Grazern die optische Dauerbespielung seit Jahresbeginn 2016 erspart bleiben. Allein, die FPÖ schloss sich dem Beschluss nicht an. Und verfiel wie auch die NEOS auf das Bubenstück, Plakate gestalterisch zu halbieren, aber in zwei getrennten Halterungen nebeneinander zu platzieren. So wirken 8-Bogen-Plakate erst wieder wie eine 16-Bogen-Affichierung.
Auf Streichkonzerte setzt die Bürgermeisterpartei ÖVP mit Siegfried Nagl in der Außenwerbung, vor allem in den sogenannten City Lights und auf Dreieckständern: Einem durchgestrichenen, negativ besetzten Begriff wie Angst, arbeitslos, Pessimismus, Ignorieren oder Beliebigkeit ist - größer geschrieben - der positive Gegenentwurf wie Sicherheit, Arbeitsplatz, Optimismus, Integration/Zuhören oder Profil entgegengesetzt. Dass die Plakate zudem bei den Schriften farblich ähnlich dem Grünen-Grün gehalten sind, fuchste Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig offenbar so, dass sie es bei einer Pressekonferenz auch anhand des Beispiels Wien-Graz ansprach. Die jüngste Plakatserie der ÖVP ist eindeutig: „Nagl wählen“.
Die zweitstärkste Partei KPÖ setzt ihren Hang zu Bibel- bzw. religiös motivierten Sprüchen fort. Früher hieß es schon einmal „Fürchtet euch nicht“ - dem Lukas-Evangelium 12, 32-40 entlehnt. Nun plakatiert die KPÖ unter anderem mit einer verschmitzt lächelnden Vizebürgermeisterin Elke Kahr zur Forderung „Runter mit den Politikerbezügen!“ den Zusatz „Das letzte Hemd hat keine Taschen“. Auch „Helfen statt reden“ ist ebenso an den karitativen Bereich angelehnt wie an das in Graz bekannte Politikverhalten der Kommunisten.
Die SPÖ plakatiert ihren Spitzenkandidaten Michael Ehmann - der fast ebenso kurz Spitzenexponent seiner Partei ist wie die Grünen-Spitzenfrau Tina Wirnsberger - seit dem späten Frühjahr 2016. Ehmann spielt eher retro gestaltet sein Leibthema Arbeit mit „Weniger reden, härter arbeiten. Dafür stehe ich“. Diesmal findet sich auch eine Kampfansage an das seit Jahrzehnten plakatierte Motto der KPÖ auf den SPÖ-Plakaten: „Den Grazerinnen und Grazern helfen. Das ist mein Politikverständnis“. Und auch auf Bezirksebene begibt sich die SPÖ mit Sujets wie Eggenberg sicherer und lebenswerter machen“.
Die deutlichsten Ansagen im Pulk der Plakate trifft FPÖ-Chef Mario Eustacchio: „Wir wollen unser Graz zurück“ war die erste Welle und mutierte zu „Holen wir uns unser Graz zurück“, womit laut Eustacchio u.a. der „Sicherheitsaspekt“ gemeint sei. Bürgermeister Nagl kommentierte dies in einer Veranstaltung mit der Ansage „Mario fürchtet sich in Graz“. Die weiteren FPÖ-Affichierungen wie u.a. „Fremd im ... eigenen Park/der eigenen Stadt/der eigenen Schule?“ sprechen eine eindeutige Sprache. Viele der FPÖ-Plakate und Dreieckständer fallen regelmäßig der Zerstörung und Verunzierung anheim. So wurde etwa „Fremd im eigenen Haus“ mittels Aufklebern zu „Freund im eigenen Haus“ oder auch „Hetzer im eigenen Haus“.
Die Grünen blieben in der Wahlwerbungsgestaltung ihrer langjährigen Linie treu und wirken recht bodenständig: „Mein Graz“ gefolgt von „bleibt besser“ oder „bleibt bewegt“ oder „bleibt offen“. Bei letzteren wissen manche nicht gleich, was genau gemeint sein könnte: Offen für den abgebildeten, offenbar transsexuellen Menschen im feinen Kleid oder für die Hochkultur? Denn das Plakat-Testimonial steht wohl an der Feststiege der Oper Graz. Spitzenkandidatin Wirnsberger wird mit Porträtfotos auf Dreieickständern besser bekannt gemacht.
Den - mittlerweile inkriminierten Spruch - eines erfolglosen Präsidentschaftskandidaten haben die Piraten gekapert: „Ihr werdet euch noch wundern, was alles geht“, wohl ohne jeden drohenden Unterton. „Mein Graz braucht ein up-date“ ist fast schon ein Crossover von Grünen und NEOS-Slogans. Und trotz wochenlanger Minustemperaturen glauben die Piraten an die Kraft des Frühlings: „Der Osterhase kommt heuer früher“.
Die NEOS sind plakativ gesehen ziemlich präsent im Stadtbild, obwohl sie erst um den Einzug in den Gemeinderat kämpfen: „Graz darf alles - Luxuspensionsstopp und Bimausbau“ lautet ein Slogan. Ungewöhnlich, aber vielleicht eine Grazer Note: Recht viel Gelb mogelte sich ins schon etablierte Pink.
( S E R V I C E - Fotos zu den Grazer Wahlplakaten sind im AOM abrufbar.)