Graz-Wahl: Rote, schwarze und ein blauer Bürgermeister seit 1945

Graz (APA) - Bei den Gemeinderatswahlen am 5. Februar in Graz bewerben sich zehn Listen um die 48 Sitze im Rathaus. Derzeit sind neben ÖVP, ...

Graz (APA) - Bei den Gemeinderatswahlen am 5. Februar in Graz bewerben sich zehn Listen um die 48 Sitze im Rathaus. Derzeit sind neben ÖVP, SPÖ, FPÖ, KPÖ und Grünen auch noch die Piraten mit einem Mandat im Stadtparlament vertreten. Seit 1945 haben sechs Bürgermeister die zweitgrößte Stadt Österreichs regiert - und zwar drei von der SPÖ, zwei von der ÖVP und einer von der FPÖ.

Bei den ehemals großen Parteien liegen die Glanzzeiten mit absoluten Mehrheiten in der weiß-grünen Landeshauptstadt schon lange zurück: Die SPÖ begann die ersten Wahlen nach dem Krieg 1945 mit einem Ergebnis von 51,5 Prozent und schaffte 1968 mit Gustav Scherbaum sogar 52,2 Prozent, sackte aber vor allem nach Bürgermeister Alfred Stingl (1985 bis 2003) dramatisch ab. Zuletzt holte 2012 die damalige Spitzenkandidatin Martina Schröck nur noch magere 15,31 Prozent.

Die ÖVP hatte ihr bestes Ergebnis 1945 mit 41,8 Prozent, pendelte sich danach im Bereich der mittleren 30-Prozent-Marke ein, erfuhr aber mit dem damaligen „Shooting-Star“ Siegfried Nagl 2003 einen Aufschwung. 2008 schaffte er sogar 38,4 Prozent und kam damit beinahe an die frühere Bestmarke heran. Mit Nagl ist die ÖVP seit 2003 fest im Bürgermeister-Sattel, vor allem auch, weil sich hinter den Schwarzen neben der SPÖ vor allem die KPÖ und die Grünen links der Mitte etabliert haben. Die Kommunisten haben bei der Wahl 2012 mit 19,9 Prozent sogar den zweiten Platz geschafft. Sie gelten mit Persönlichkeiten wie Ernst Kaltenegger und seiner Nachfolgerin Elke Kahr als starke Kraft in der Stadt an der Mur.

Die FPÖ blickt in Graz auf abwechslungsreiche Jahre zurück: Mit Alexander Götz hatten sie bereits einen Bürgermeister und 1998 - in der Ära Jörg Haider - schafften sie in Graz ihr bisher bestes Ergebnis mit 26,8 Prozent. Mit den bundespolitischen Problemen der FPÖ verloren auch die Blauen in Graz und rutschten 2003 hinunter bis auf acht Prozent, erholten sich seither aber wieder und dürfen bei der Wahl am 5. Februar sogar den zweiten Platz als Ziel ins Auge fassen.

Die Grazer Grünen traten 1983 zum ersten Mal in Graz an und schafften 2008 unter Lisa Rücker ihr bisher bestes Ergebnis mit 14,6 Prozent und den dritten Platz. Rücker wurde sogar zur ersten Grünen Grazer Vizebürgermeisterin. Danach haben die Grünen jedoch wieder an Stimmen verloren.

Ein kurzes Gastspiel für ein bis zwei Legislaturperioden haben schon einige Parteien im Grazer Gemeinderat gegeben, darunter etwa das Liberale Forum oder auch das BZÖ. Zuletzt haben es die Piraten 2012 in das Stadtparlament geschafft. Seit 2012 werden statt 56 nur noch 48 Mandate vergeben.

Die steirische Landeshauptstadt wurde seit 1945 von sechs Bürgermeistern regiert. Drei davon stellte die SPÖ, nämlich Eduard Speck (1945 bis 1960), Gustav Scherbaum (1960 bis 1973) und Alfred Stingl (1985 bis 2003), einmal kam er mit Alexander Götz aus den Reihen der FPÖ (1973 bis 1983) und zwei Mal von der ÖVP: Franz Hasiba (1983 bis 1985) sowie Siegfried Nagl (seit 2003).

~ Die Grazer Bürgermeister seit 1945: Engelbert Rückl (SPÖ): 1945 (nur wenige Tage) Eduard Speck (SPÖ): 1945-1960 Gustav Scherbaum (SPÖ): 1960-1973 Alexander Götz (FPÖ): 1973-1983 Franz Hasiba (ÖVP): 1983-1985 Alfred Stingl (SPÖ): 1985-2003 Siegfried Nagl (ÖVP): seit 2003 ~