Szenischer Versuch: Winklers „Roppongi“ am Landestheater NÖ

St. Pölten (APA) - Der österreichische Autor Josef Winkler hat mit seiner vor zehn Jahren erschienenen Erzählung „Roppongi. Requiem für eine...

St. Pölten (APA) - Der österreichische Autor Josef Winkler hat mit seiner vor zehn Jahren erschienenen Erzählung „Roppongi. Requiem für einen Vater“ ein markantes Stück österreichischer Gegenwartsprosa geschaffen. Am Landestheater NÖ in St. Pölten wurde der Versuch einer Dramatisierung unternommen, die sich bei der Premiere am Freitagabend eher als szenische Lesung erwiesen hat.

„An ein Theaterstück habe ich bei ‚Roppongi‘ nicht gedacht, weder damals beim Schreiben noch heute“, hat Winkler im Vorfeld der Uraufführung in einem „Presse“-Interview bekannt. Eine überzeugende Begründung, warum man den Text, in dem Winkler das Sterben seines Vaters mit Todes-Impressionen aus Indien zu einem großen Memento mori verquickt, dennoch auf die Bühne hieven sollte, ist Regisseurin Julia Jost schuldig geblieben. Winklers feine Lakonik findet keine adäquate Entsprechung in der Darstellung, die sich auf grotesk überagierende, bisweilen slapstickhafte Illustration der Vorlage beschränkt.

Sebastian Faßnacht hat die nüchterne Theaterwerkstatt mit den Trümmern eines geborstenen Glashauses bestückt und die vier auf der Bühne präsenten Schauspieler mit poppigen Bollywood-Blousons ausgestattet. Katharina Knap verleiht dem Sohn mit strengem Blick androgynen Touch, Tobias Artner und Vidina Popov bilden den grotesken Kontrapunkt und grinsen wie Kasperl und Pezi aus dem Guckkasten, Helmut Wiesinger als statische Vaterfigur harrt bis zum Abgang wortlos aus.

Bei allem Bestreben, dem Text eine theatralische Dimension abzuringen - und die Mitwirkenden mühen sich redlich, von mimischem Repertoire über Kärntner Lieder, cholerische Ausbrüche bis zu allerdings ödem chorischem Aufsagen -, bleibt Winklers Sprache das Ereignis des Abends. Eine Sprache, die sich ohne Umschweife Themen wie Tod und Vergänglichkeit stellt, die auch gegen erlittene Lieblosigkeit ankämpft. „Roppongi“, sagt Winkler, sei so etwas wie eine nachgetragene Liebe gegenüber dem Vater.

Der demonstrative Applaus galt somit dem beträchtlichen schauspielerischen Einsatz und der literarischen Qualität. Winkler selbst war grippehalber nicht bei der Premiere zugegen.

(S E R V I C E - Landestheater Niederösterreich, St. Pölten: Josef Winkler, „Roppongi. Requiem für einen Vater.“, Aufführungen bis 9. März. Tickets und Information: Tel. 02742/908080-600, www.landestheater.net)