Internationale Pressestimmen zur Angelobung von Donald Trump 1
Washington (APA/dpa) - Der Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump war am Samstag Inhalt zahlreicher internationaler Pressekomment...
Washington (APA/dpa) - Der Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump war am Samstag Inhalt zahlreicher internationaler Pressekommentare:
„de Volkskrant“ (Amsterdam):
„In letzter Zeit hat man oft gehört, dass wir abwarten sollen, was Präsident Trump tatsächlich tun wird und dass vielleicht alles nicht so schlimm kommen wird. Er mag ja ein unintelligenter, intoleranter, egozentrischer, angeberischer, autoritärer und angsteinflößender Schreihals sein, der alles nur in Geld bemisst. Doch vielleicht schmelzen all diese Eigenschaften dahin wie Schnee in der Sonne, wo er doch nun ins Weiße Haus einzieht, und er entpuppt sich als ein großartiger Präsident mit einem offenem Geist und einem warmem Herzen. Das wäre eine Möglichkeit. Aber es ist unwahrscheinlich. Wer Trump schwadronieren hörte, bekam den Eindruck, dass die Welt aus Amerika besteht sowie aus Ländern, die Amerika ausnehmen und kaputtmachen wollen. Ein überschaubares Weltbild, das Trump nun eigenhändig korrigieren wird. Von heute an heißt es, wie Trump sagt, nur noch ‚America first‘. (...) Trump gab am Freitag Amerika zurück an das Volk. Zumindest behauptete er das. Früher war ihm freilich nie viel am Volk gelegen. Aber das ist nun anders. Er weckte beim Volk hohe Erwartungen und steckte damit seinen Kopf bereits in der ersten halben Stunde seiner Präsidentschaft in die Schlinge.“
„Guardian“ (London):
„Die Botschaft des neuen Präsidenten hätte klarer nicht sein können. Er wollte die Fassade der Einheit und Kontinuität einreißen, die mit der friedlichen Machtübergabe aufrecht erhalten wurde. Das dürfte ihm gelungen sein. 1933 hat Präsident Roosevelt die Welt aufgerufen, die Angst zu überwinden. 2017 hat Trump der Welt klar gemacht, dass sie sehr besorgt sein sollte. Trumps Rede war abwechselnd bitter, angeberisch und banal. Sie kochte über vor Groll und Verachtung für die Politik sowie die Gewaltenteilung im US-System. Sie war an jene gerichtet, die für ihn gestimmt haben und nicht an jene - die Mehrheit -, die das nicht taten.“
„Times“ (London):
„Donald Trump wurde gewählt, damit er Washington neu organisiert, und er hat genau das vor. Die Amerikaner wollten einen Präsidenten, der bereit ist, Regeln zu brechen, und so einen haben sie nun bekommen. Seine vielen großen Versprechungen bedeuten aber auch, dass es eine große Abrechnung geben wird. Diese Präsidentschaft kann Erfolg haben, aber nur wenn Trump seine öffentliche Rhetorik mit Flexibilität und einem gewissen Maß an Bescheidenheit verbindet. Das bedeutet, dass er auch auf Regierungsmitglieder hört, die nicht mit ihm übereinstimmen, und dann gelegentlich seine Meinung ändert. Er wird ihren Rat brauchen, und Amerika sowie die ganze Welt werden ihnen dafür dankbar sein.“
„Financial Times“ (London):
„Mit seinen Ankündigungen von finanziellen Stimuli und Investitionen in den Infrastrukturausbau hatte Trump auf den Finanzmärkten einen Aufschwung ausgelöst. Diesen Punkt hat er nun in seiner Rede zum Amtsantritt wiederholt. In seinen Worten ist jetzt die ‚Stunde der Aktion‘ gekommen. Jenseits der amerikanischen Grenzen ist das auf Regeln beruhende System des globalen Handels und der Sicherheit durch Trumps Aufstieg zur Macht unter akuten Druck geraten. Seine Rede zeigte, dass er für die alte Weltordnung wenig übrig hat: Multilaterale Abkommen sind für ihn nichts anderes als Versuche, das Wohlergehen aller anderen über das Wohl Amerikas zu stellen. Doch wenn Trump die existierende Ordnung abschaffen will, dann ist es seine Pflicht als Führer einer Supermacht in einer unwiderruflich von gegenseitiger Abhängigkeit geprägten Welt ein ebenso starkes anderes System an ihrer Stelle zu errichten. Die Führung einer Nation ist etwas anderes als die Leitung eines Immobilienkonzerns. Präsident Trump muss weit mehr tun, als nur gute Deals für Amerika abschließen.“
„Tages-Anzeiger“ (Zürich):
„Was Uber für die Taxi-Branche und Airbnb für den Tourismus sind, könnte Trump für die Weltpolitik werden: ein disruptiver Präsident, der bewährte Strukturen rücksichtslos zerstört. Auch gesellschaftlich: Intellektuelle gelten plötzlich als elitär, Kritiker als Verräter, Anständige als schwach. Es scheint, als habe am 20. Januar 2017 eine neue Epoche begonnen. (...)
Wie aber soll Europa reagieren, das Amerika ja so viel zu verdanken hat? In gemeinsamen Bereichen wie Freihandel, Klimawandel, Russland oder dem Iran dürften die europäischen Interessen mit jenen Washingtons kollidieren. Europa steht also vor ‚trumpulenten‘ Zeiten - das Wortspiel sei aus aktuellem Anlass erlaubt.
Angela Merkel hat das Gegenmittel benannt: Für Europa bedeutet Trump, dass es sein Schicksal nun selber in die Hand nehmen muss. Trotz Brexit, Euro- und Flüchtlingskrise. Ein Anfang wäre, sich an die Inaugurationsrede eines anderen US-Präsidenten zu erinnern. Bei seinem Amtsantritt 1933, als ebenfalls ein neues Zeitalter heraufdämmerte, sagte Franklin D. Roosevelt: ‚Das Einzige, was wir fürchten müssen, ist die Furcht an sich.‘“
„Neue Zürcher Zeitung“:
„Trump schürte mit Erfolg das Gefühl, die USA würden als ‚Hauptinvestor‘ dieser Weltordnung von anderen übervorteilt. Doch unterschätzt er wohl die Folgen, die es hätte, wenn Amerika als Garant dieses Systems wegfiele, kleinkrämerisch nur noch auf seinen kurzfristigen Vorteil bedacht wäre, seine Handelspartner mit willkürlichen Strafzöllen traktierte und seine Verbündeten im Stich ließe. (...)
Macht Trump seine Ankündigungen wahr und nimmt Kurs auf eine Selbstisolation, wird er Amerika nicht ‚wieder groß‘ machen, sondern schwächen. Die Folgen wird die ganze Welt spüren, mit höherer Krisenanfälligkeit und zunehmenden regionalen Machtproben. So weit muss es nicht kommen. Wie lange Trumps Fans ihre Freude daran haben werden, dass einmal ein Nichtpolitiker gehörig Staub aufwirbelt und lustvoll gegen alle Konventionen verstößt, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur, dass Amerikas Geschicke nun von einem Mann gelenkt werden, wie er in dieser Art an der Spitze der USA völlig neu ist. Mit seiner Wahl haben sich die Amerikaner auf ein riskantes Experiment eingelassen - ein Experiment, dessen Scheitern sie teuer bezahlen könnten.“
„Ouest-France“ (Rennes) :
„Für Donald Trump zählt die Europäische Union nicht. (...) Er hofft sogar, dass andere Länder dem britischen Beispiel folgen werden. Donald Trump greift auch Deutschland an. Er sieht das Land als hegemonial und entschlossen, sich der Europäischen Union zum Zweck seiner eigenen Größe zu bedienen. Dabei wissen wir, dass Deutschland nicht der einzige europäische Anführer sein will und oft über die Schwäche Frankreichs klagt, das man dort häufig „die Grande Nation“ nennt. (...) Aber Donald Trump sät den Zweifel und schürt einen Anti-Germanismus, der hier und da schlummert. Zum ersten Mal seit 1945 stellt ein Präsident der Vereinigten Staaten die Zusammenarbeit zwischen Amerika und der Europäische Union infrage (...).“
„Le Telegramme“ (Brest):
„Schlecht ist sicherlich sein Infragestellen des Klimaabkommens und von Obamacare, das nunmehr 20 Millionen Amerikanern eine Krankenversicherung gewährt. Dagegen wird er beim Umgang mit den Handelsbeziehungen Pragmatismus zeigen. Es ist an uns, das gleiche zu tun - im Wissen, dass die Amerikaner uns an der Front des Wirtschaftskriegs selten Geschenke machen. In Wirklichkeit kann dieser Präsident, der das Erwachen des weißen Mannes verkörpert, das Beste wie das Schlechteste hervorbringen. Den Realismus eines (Ronald) Reagan, denn alle unterschätzt haben. Oder den Zynismus eines (Richard) Nixon, der zu seiner Amtsenthebung (impeachment) führt.“
„Lidove noviny“ (Prag):
„Die Probleme, die Donald Trump hervorhebt, sind real. Doch er bleibt bei seiner negativen Abgrenzung gegenüber dem Establishment, gegenüber Washington selbst und gegenüber dem Ausland, das US-Amerikaner angeblich nur bestiehlt. Als vor 156 Jahren Abraham Lincoln als erster republikanischer US-Präsident seine Antrittsrede vortrug, da versprach er ‚Groll gegen niemanden‘ und ‚Nächstenliebe für alle‘. Auch Trump sagte: ‚Wir teilen ein Herz, eine Heimat.‘ Doch sein Appell an die Einheit klang nicht liebevoll, sondern paternalistisch und beschützend - ganz als ob dieser Vater und Beschützer des amerikanischen Volkes nur Trump selbst wäre. Willkommen in einer neuen Ära!“
„Magyar Idök“ (Budapest):
„Dutzende Millionen Menschen, die gegen die bestehenden Verhältnisse revoltiert und ihr Vertrauen in Trump gesetzt haben, wollen jetzt Ergebnisse sehen. Der neue US-Präsident hat den Schutz der amerikanischen Märkte und die Liquidierung des islamistischen Terrorismus versprochen. Anstelle von Industriefriedhöfen versprach er Straßen, Eisenbahnen, Brücken. Auch ihn drängt die Zeit: Nächstes Jahr stehen (im November) Kongresswahlen an - gewissermaßen das Halbzeit-Zeugnis für Trump. 2019 setzt wiederum der Wahlkampf um die nächste Präsidentschaft ein. Die Uhr hat zu ticken begonnen.“