Präsident Trump

„Unanständigkeitserklärung“: Pressestimmen zur Antrittsrede

Donald Trump wurde am Freitag zum 45. US-Präsidenten vereidigt. Seine Antrittsrede wurde von Medien großteils als aggressiv aufgefasst.
© Reuters

Kampfansage, Drohung, Unanständigkeitserklärung: Die Kommentatoren vielen Online-Medien bewerten Donald Trumps Antrittsrede mit klaren Worten. In den Analysen im Mittelpunkt steht die Ansage des neuen US-Präsidenten, alles unter das Motto „Amerika zuerst“ zu stellen.

Washington – Viele Online-Medien haben den Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump am Freitag mit sorgenvollen Kommentaren gewürdigt.

Für Spiegel Online war die Antrittsrede eine „Unanständigkeitserklärung“ – und das Portal aus Hamburg kommentierte: „Dieser Präsident wird keine Kompromisse machen.“

Der britische Guardian überschrieb seinen Kommentar zu Trumps Amtseinführung mit dem Titel „Eine politische Kriegserklärung“: „Die präsidiale Stabübergabe ging mit allen gewohnten Höflichkeiten vonstatten, doch der Ton der Trump-Rede markierte einen beängstigenden Wandel in Amerika“.

Scharfe Kritik auch von der Times: „Mr. Trump hat eine Rede für ein Land am Abgrund gehalten. Es war absurd übertrieben, beinahe dumm. Nahezulegen, Amerika sei inmitten eines ‚Blutbads‘ war eine Beleidigung für die Intelligenz des Publikums“.

The Independent: „Donald Trump hat die Demokratie untergraben, sobald er als Präsident vereidigt war. Die Menschen haben Politiker immer als selbstsüchtig angesehen, aber das ist etwas anderes. Trump hat nicht nur einzelne Politiker demontiert, sondern die komplette politische Klasse und das politische System, das ihn dorthin gebracht hat, wo er ist.“

Die Antrittsrede sei „in gewisser Weise ein Trump auf Steroiden“ gewesen, schrieb Die Welt aus Berlin auf der Seite welt.de. Die Ansprache habe gezeigt, „dass Trump die populistischen Parolen seines Wahlkampfes nicht hinter sich lassen würde“.

Und faz.net, das Portal aus dem Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sah in der Rede „eine einzige Kampfansage, wie man das bei diesem Anlass noch nicht gehört hatte: an das „Establishment“, an Washington, die Globalisierung und an alle, die das amerikanische Volk „aussaugen“.“ Unter dem Präsidenten Trump würde die USA „ein anderes Amerika sein“.

Trumps Ansage, Politik nach der Devise „America first“ gestalten zu wollen, stieß auch in Medien in anderen Ländern auf Besorgnis – zum Beispiel in Spanien. „Trump debütiert mit einer Warnung an die Welt: Ich werde nur an Amerika denken“, schrieb das Internetportal El Confidencial. Und La Vanguardia aus Barcelona sprach von einer der „radikalsten Antrittsreden, an die man sich erinnern kann.“

Die Neue Zürcher Zeitung aus der Schweiz befand: „Auch in den Fussstapfen von Grössen wie George Washington, Abraham Lincoln und Franklin Roosevelt führt sich der Gewählte wie ein Halbstarker auf.“ Mit Trumps Wahl hätten sie die Amerikaner „auf ein riskantes Experiment eingelassen - ein Experiment, dessen Scheitern sie teuer bezahlen könnten.“

Auch die Online-Medien in den USA griffen in ihren Schlagzeilen nicht zuletzt die „America zuerst“-Ankündigung auf. „Trump zeichnet ein dunkles Amerika, das nur er retten kann“, schrieb das Portal Politico nach der Antrittsrede.

„Trump ist vereidigt und schwört „amerikanisches Gemetzel“ zu beenden“, lautete die Überschrift auf der Webseite der Washington Post am Freitagnachmittag (Ortszeit).

Und beim Sender Fox News hieß es: „Präsident Trump übernimmt Amt und schwört Wohlstand wiederherzustellen und für das Land zu kämpfen“.