Ski alpin: Streif mit bittersüßem Beigeschmack für ÖSV-Abfahrer
Kitzbühel (APA) - Die Chance wäre da gewesen. Diesen Satz hörte man nach der Streif-Abfahrt am Samstag von mehreren ÖSV-Athleten. Gemeint wa...
Kitzbühel (APA) - Die Chance wäre da gewesen. Diesen Satz hörte man nach der Streif-Abfahrt am Samstag von mehreren ÖSV-Athleten. Gemeint war die Chance, dem Super-G-Sieg von Matthias Mayer am Vortag einen zweiten Heimtriumph folgen zu lassen. Doch keiner der Österreicher erwischte eine fehlerfreie Fahrt, die es bei schwierigen Bedingungen aber gebraucht hätte. Als ÖSV-Bester landete Matthias Mayer auf Platz acht.
Eigentlich war alles angerichtet auf der berühmtesten Abfahrtstrecke der Welt. Die Piste war bis zum Limit präpariert, eisig und mit vielen Schlägen. Keine einzige Wolke stand am Himmel, keine Schneeflocke, kein Windchen trübte um die Mittagszeit die Vorfreude auf das Spektakel, das sich fast 50.000 Zuschauer nicht entgehen lassen wollten.
Als erster der Österreicher schwang sich Hannes Reichelt hinab, der Salzburger wurde jedoch schon bei U-Turn nach der Mausefalle zu weit abgetragen und verspielte alle Chancen auf einen Spitzenplatz. Dass er einen schnellen Ski auf den Füßen hatte, beweist die Analyse: Von der fünften Zwischenzeit bis zum Ziel war Reichelt der Beste, schneller sogar als Sieger Dominik Paris. Wegen seines Fehlers hatte er oben knapp eine Sekunde auf den Südtiroler eingebüßt. Unter dem Strich schaute Platz neun heraus.
„Sicher ärgert es mich. Ich war total überrascht, dass ich im Ziel nur vier Zehntel hinter dem Fill war. Bis auf den Hakler war es eine gute Fahrt, das haben mir viele auch schon bestätigt“, meinte Reichelt. „Ich hab‘ gewusst, dass du Glück brauchst da oben. Es ist so glatt und so schlagig, dass du nur mit dem Gleichgewicht kämpfst.“
Er habe auch nicht die ideale Position gefunden. „Ich bin ein bisschen wackelig drauf gewesen. Ich hätte auch früher andriften sollen und nicht so auf Zug fahren. Aber man probiert halt zu riskieren.“ Nach seinem Malheur habe Reichelt die Fahrt nur noch beenden wollen. „Und das war brutal schnell. Ich war total überrascht.“ Im Ziel sei die Einsicht dementsprechend gewesen, dass eine normale Fahrt schon gereicht hätte.
Der von vielen als Siegertipp gehandelte Max Franz konnte seinen Angriff erst gar nicht richtig starten. In der Ausfahrt Mausefalle löste sich ein Ski, der Kärntner warf sich in den Schnee und verhinderte möglicherweise Schlimmeres. Bei der ersten Zeitnehmung war Franz 0,11 Sekunden schneller als Paris.
„Ist halt so. Die Schuhe sind nicht auf die Ski geschraubt, das Material kann auch einmal nachgeben“, bemühte er sich nachher um eine rationale Erklärung. „Es ist brutal schade, ich bin topmotiviert gewesen eigentlich. Aber ruhig bleiben. Ich ärgere mich voll, aber du kannst eigentlich nichts machen. Schlimmer wär es eigentlich gewesen, wenn ich herunten gewesen wäre und einen kompletten Topfen gefahren wäre.“ Seinem Ausrüster wollte Franz keinen Vorwurf machen. „Mein Gott, das passiert“, meinte er nur.
Noch schneller als Franz war oben Mayer gestartet. Zeit ließ er hingegen in den Kurven im Mittelteil, „wo man so dahinschleichen muss“. Es war der Streckenteil, wo Paris und Beat Feuz am schnellsten unterwegs waren. Der Schweizer kam in der Traverse mit sieben Zehntel Vorsprung zu Sturz, blieb jedoch ohne gröbere Verletzung.
Mayer gab an, oben kein Gefühl für seine Fahrt gehabt zu haben. „Von Gefühl reden wir da herunter bitte nicht. Es ist richtig zach. Es schlagt, es ist eisig.“ Mit seinem achten Rang war der 26-Jährige letztlich zufrieden. „Es hat generell gut funktioniert die Woche. An dem bleibe ich jetzt dran, dann schauen wir einmal, wie es weitergeht in den nächsten Wochen.“
Auch Vincent Kriechmayr, der schlussendlich auf Platz elf landete, kam extrem gut aus dem Starthaus. „Ich bin schon angefressen. Es war eine Riesenchance heute, aber ich habe es nicht zusammengebracht“, ging er hart mit sich ins Gericht. „Unten hab ich den Oberhausberg vergeigt, die Schrägfahrt vergeigt. Ich weiß, wo der Rückstand herkommt. Wenn man mitkämpfen will, muss man fehlerfrei sein, und das ist mir nicht geglückt.“
Die Österreicher hätten alles zerreißen wollen, urteilte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum. „Normal hätten wir wie gestern gewinnen können, aber da hat irgendwer was dagegen gehabt. Ich kann es gar nicht anders sagen“, kommentierte er das Abschneiden der Mannschaft. Was die Zuschauer geboten bekommen haben, sei aber einmalig gewesen. „Für das, was da passiert und wie spektakulär es ist, brauchst du normal drei Rennen.“