Ski: Mama Paris reiste erst nach dem Streif-Sieg des Sohnes an
Kitzbühel (APA) - Es sei auch Glück dabei gewesen, betonte Dominik Paris nach seinem Abfahrtssieg am Samstag auf der Streif in Kitzbühel meh...
Kitzbühel (APA) - Es sei auch Glück dabei gewesen, betonte Dominik Paris nach seinem Abfahrtssieg am Samstag auf der Streif in Kitzbühel mehrere Male. Vielleicht war es ja auch das Glück des Tüchtigen, denn der Südtiroler hat sich in seinem Leben bereits öfters von tief unten nach oben kämpfen müssen. Der Blick ist in die Zukunft gerichtet, auf die Rennen in Garmisch, die WM und die mögliche Abfahrtskugel.
Als Jugendlicher musste der Skilehrer-Sohn im Sommer als Maurer Geld dazuverdienen. Das Ski-Training des großen Talents kam zu kurz, das Feiern mit den Freunden war zu intensiv. Um aus dieser „Sackgasse“, wie er es selbst nennt, rauszufinden, ging er als 18-Jähriger für 100 Tage als Hirte auf eine Schweizer Alm. Nicht nur seine Einstellung wandelte sich, auch der Körper. Um viele Kilo leichter und fit kehrte er in die Heimat zurück und arbeitete wieder an seiner Skikarriere.
Sieben Weltcupsiege hat der WM-Abfahrts-Silbermedaillengewinner von Schladming 2013 nun zu Buche stehen, mit den Abfahrten 2013 und 2017 sowie dem Super-G 2015 davon drei in Kitzbühel. „Mir liegt das ganz gut, und wenn man im Schwung ist, gefällt es mir richtig gut. 2014 war ich nicht so in Form, habe mich nicht gut gefühlt, ich wäre lieber nicht gefahren.“ Sieben Monate zuvor war sein Bruder bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt.
Der 27-jährige Paris erlebte seinen zweiten Abfahrtssieg auf der Streif „emotionaler“ als den ersten. „Das ist härteste Arbeit. Es war mehr Eis auf der Piste als im zweiten Training. Es waren wirklich schwierige Bedingungen heute, die Linie und alles gut zu erwischen. Ich hatte auch ein bisschen Glück.“ Mehrere Konkurrenten kamen mit schnellen Zeiten zur Hausbergkante, verloren dann aber noch entscheidende Zehntel.
„Als ich im Ziel war, hatte ich Zweifel, dass das reichen würde. Oben bin ich nicht so richtig ins Fahren gekommen. Steilhang-Ausfahrt habe ich gemerkt, ich bin schnell. Beim Oberhausberg hatte ich einen kurzen Verschneider. Ich habe gedacht, die Zeit ist dahin, denn es ist wichtig, dass du da den Schwung mitnimmst. Da habe ich nochmals alles riskiert. Über den Hausberg runter und die Traverse sind mir supergut gelungen.“
Es sei wichtig, einen Plan zu haben und den eiskalt durchzuziehen. „Wenn man in Kitzbühel einen Schlag ein bisschen falsch erwischt, wirft das einen sofort von der Linie ab und dann wird es schwierig, eine gute Zeit rauszuholen. Man hat gesehen, viele waren schnell und haben es unten verspielt, manche oben schon.“ In den vergangenen fünf Jahren ging die prestigeträchtigste Abfahrt der Welt nur zweimal über die Originalstrecke - und beide Male siegte Paris. „Um die richtige Streif zu gewinnen, muss es von ganz oben gehen.“
Nach drei Saisonrennen führt er nun die Disziplinwertung an, eines seiner größten Ziele ist es auch, eine Kristallkugel zu gewinnen. „Ich möchte gerne einmal am Ende der Saison der Beste sein. Aber das steht noch alles in den Sternen. Abrechnen tust am Schluss. Jetzt geht es mal weiter nach Garmisch, dann kommen wir zur WM.“
Doch zuerst wird in Kitzbühel noch Party gemacht. „So legendär wie beim ersten Mal wird das nicht werden“, kündigte der Mann aus dem Ultental an. „Ich heb‘ das nicht mehr so leicht, das Kopfweh wird größer, und mal schauen, was sich ergibt“, meinte er lachend und im Dialekt. Aufpassen wird da wohl auch die Mutter, die erst nach dem Sieg anreiste. „Sie hat das Rennen zu Hause angeschaut. Sie fiebert da immer so mit, macht sich Sorgen um den Sohn. Wie halt Mütter so sind.“ Der Vater sah den Erfolg live am Hahnenkamm, die Eltern leben schon lange getrennt.