Tote bei Anschlag auf Flüchtlingslager an syrisch-jordanischer Grenze

Amman/Beirut (APA/AFP) - In einem Lager für Bürgerkriegsflüchtlinge an der syrisch-jordanischen Grenze sind am Samstag mindestens vier Zivil...

Amman/Beirut (APA/AFP) - In einem Lager für Bürgerkriegsflüchtlinge an der syrisch-jordanischen Grenze sind am Samstag mindestens vier Zivilisten bei einem Bombenanschlag getötet worden. Eine Autobombe sei am Rande des Lagers Rakban im Nordosten Jordaniens detoniert, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Vier Flüchtlinge seien getötet und mehrere weitere verletzt worden.

Die der syrischen Opposition nahe stehende Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen aus einem Netzwerk von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind die Angaben kaum zu überprüfen. Auch die jordanische Nachrichtenagentur Petra berichtete von dem Anschlag. Demnach wurden 14 Verletzte in jordanische Krankenhäuser eingeliefert.

Das behelfsmäßige Lager für syrische Flüchtlinge befindet sich in einer abgelegenen Wüstengegend im Nordosten Jordaniens in der Nähe des Grenzübergangs Rakban. Nach UNO-Angaben leben in dem Camp 85.000 Syrer.

Die jordanischen Behörden hatten nach einem Selbstmordanschlag im Juni, bei dem sieben jordanische Soldaten getötet wurden, die Grenzen zu Syrien und zum Irak geschlossen. Zu dem Anschlag hatte sich die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannt. Die Regierung in Amman erklärte das Grenzgebiet zu militärischem Sperrgebiet.

Die jordanischen Behörden vermuteten, dass der Attentäter aus dem Flüchtlingscamp Rakban kam, und stellten daher auch die Hilfslieferungen für das Lager ein. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte im Oktober die verheerenden Lebensbedingungen in dem Lager. Seit der Grenzschließung trafen erst zwei Hilfslieferungen der Vereinten Nationen mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Winterkleidung in dem Camp ein.

Mehr als vier Millionen Syrer verließen seit dem Beginn des Bürgerkriegs im März 2011 ihr Land. Mehr als 310.000 Menschen wurden in den Kampfhandlungen getötet.

Das kleine Königreich Jordanien mit seinen rund 7,5 Millionen Einwohnern trägt eine große Last bei der Aufnahme der Bürgerkriegsflüchtlinge. Nach Angaben der Regierung in Amman leben dort 1,4 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland, die UNO liegt mit ihrer Zahl von 600.000 deutlich darunter.

König Abdullah hatte im August gesagt, Jordanien tue sein Möglichstes, um syrischen Flüchtlingen zu helfen. „Aber wir haben unsere Grenzen erreicht“, fügte er hinzu. Es handle sich um eine internationale Krise, bei der es um internationale Verantwortung gehe. „Die Welt muss ihren Teil beitragen.“

(NEU: Zahl der Verletzten, Angaben zu Situation in dem Lager im Grenzgebiet)