Internationale Pressestimmen zur Angelobung von US-Präsident Trump
Washington (APA/dpa) - Zeitungen rund um den Globus kommentierten am Samstag die Antrittsrede des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Besonde...
Washington (APA/dpa) - Zeitungen rund um den Globus kommentierten am Samstag die Antrittsrede des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Besonders groß ist die Sorge vor einer Abschottungspolitik der USA in Europa. Zudem äußern viele Kommentatoren Zweifel an der charakterlichen Eignung des Immobilienmilliardärs. Ausgewählte Stimmen:
„El Pais“ (Madrid): „Wir wussten bereits, dass Trump nicht wie ein Präsident reden kann. Und wir bezweifeln, dass er in der Lage sein wird, wie einer zu handeln. Jetzt gilt es, innerhalb und außerhalb der USA wachsam zu bleiben.“
„La Vanguardia“ (Barcelona): „An der Hand einer Person, die impulsiv ist und überhaupt keine politische Erfahrung hat, werden die USA und der Rest der Welt in unbekanntes Territorium geführt.“
„de Volkskrant“ (Amsterdam): „Wer Trump schwadronieren hörte, bekam den Eindruck, dass die Welt aus Amerika besteht sowie aus Ländern, die Amerika ausnehmen und kaputtmachen wollen. Ein überschaubares Weltbild, das Trump nun eigenhändig korrigieren wird.“
„The Observer“ (London): „In Westeuropa, wo in diesem Jahr in kurzer Abfolge Wahlen in den Niederlanden, in Frankreich und Deutschland anstehen, könnte der Auftrieb für extrem nationalistische, fremdenfeindliche und rassistische Parteien durch den ‚Trump-Effekt‘ wie Gift wirken.“
„Guardian“ (London): „2017 hat Trump der Welt klar gemacht, dass sie sehr besorgt sein sollte. Trumps Rede war abwechselnd bitter, angeberisch und banal. Sie kochte über vor Groll und Verachtung für die Politik sowie die Gewaltenteilung im US-System.“
„Financial Times“ (London): „Wenn Trump die existierende Ordnung abschaffen will, dann ist es seine Pflicht als Führer einer Supermacht in einer unwiderruflich von gegenseitiger Abhängigkeit geprägten Welt ein ebenso starkes anderes System an ihrer Stelle zu errichten.“
„Times“ (London): „Diese Präsidentschaft kann Erfolg haben, aber nur, wenn Trump seine öffentliche Rhetorik mit Flexibilität und einem gewissen Maß an Bescheidenheit verbindet.“
„Tages-Anzeiger“ (Zürich): „In gemeinsamen Bereichen wie Freihandel, Klimawandel, Russland oder dem Iran dürften die europäischen Interessen mit jenen Washingtons kollidieren. Europa steht also vor ‚trumpulenten‘ Zeiten.“
„Neue Zürcher Zeitung“ : „Macht Trump seine Ankündigungen wahr und nimmt Kurs auf eine Selbstisolation, wird er Amerika nicht „wieder groß“ machen, sondern schwächen.“
„Neue Zürcher Zeitung am Sonntag“: „Wenn die Klimapolitiker diesseits des Atlantiks ehrlich wären, dann müssten sie auch ohne Trump eingestehen, dass sich die selbstgesteckten Ziele nicht erreichen lassen. Insofern befördert Trumps Ignoranz unfreiwillig vielleicht sogar die Erkenntnis, dass die Welt vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe steht.“
„De Tijd“ (Brüssel): „Wer glaubte, Amerika würde die alte Friedensordnung ‚Pax Americana‘ fortsetzen, der kann dies nun vergessen. Damit Amerika wieder groß wird, zieht es sich auf sich selbst zurück.“
„Le Soir“ (Brüssel): „Jene, die sich eine geglättete, besänftigte präsidiale Haltung erhofft haben, werden dies vergeblich getan haben, bis auf die eine oder andere seltene Ausnahme: Der rachsüchtige Trump des Wahlkampfs wird auch der Trump des Weißen Hauses sein. Action!“
„Politiken“ (Kopenhagen): „Donald Trump ist das Symbol eines neuen Anfangs, dessen Ende viele fürchten.“
„Jyllands-Posten“ (Aarhus): „Wenn man Trump zugehört hat, könnte man den Eindruck bekommen, die USA seien ein Entwicklungsland.“
„Kathimerini“ (Athen): „Bislang haben die amerikanischen Präsidenten bei ihrer ersten Rede die Einigkeit beschworen und versucht das Volk zu vereinigen. Trump setzte dagegen seinen spaltenden und Rache suchenden Stil fort“.
„Moskowski Komsomolez“ (Moskau): „Es hat in Washington niemand versucht, den Kongress oder das Weiße Haus zu stürmen und jemanden vom ‚alten Regime‘ an Laternenmasten zu hängen, wie es in Russland vor einem Jahrhundert der Fall war. Aber die Selbstwahrnehmung der amerikanischen Elite - oder zumindest des liberalen Teils - ist nicht viel anders. So hat sich vor 100 Jahren auch die russische Bourgeoisie gefühlt.“
„Magyar Idök“ (Budapest): „Dutzende Millionen Menschen, die gegen die bestehenden Verhältnisse revoltiert und ihr Vertrauen in Trump gesetzt haben, wollen jetzt Ergebnisse sehen.“
„Pravo“ (Prag): „Pragmatismus ist eine gute Sache. Doch Trump hat in den zehn Wochen zwischen seiner Wahl und seiner Vereidigung niemanden davon überzeugen können, dass er bereit ist, den freieren Kampagnenstil hinter sich zu lassen und zu staatsmännischer Größe zu wachsen.“
„24 Tschassa“ (Sofia): „Die Amerikaner werden seine ersten Schritte im Weißen Haus bis in das kleinste Detail verfolgen. Und werden es ihm nicht verzeihen, sollte er die USA in eine Richtung führen, die ihnen nicht gefällt.“
„Delo“ (Ljubljana):
„Wie populistisch. Es war, als ob man dem späten Hugo Chavez oder Tayyip Erdogan oder irgendeinem extrem linken Politiker zuhört. (...) Er hat nur noch vergessen zu erwähnen, dass er einen Haufen Millionäre nach Washington bringen wird.
Den am offensichtlich realistischsten Ton der Rede traf die Zeile ‚Amerika zuerst‘, die anklingen ließ, dass sich die Vereinigten Staaten dem Isolationismus zuwenden und ihre Interessen voll und ganz in den Mittelpunkt stellen werden.
Die Pax Americana kommt mit voller Geschwindigkeit. Was das für die Welt bedeutet, ist schwierig nachzuvollziehen: Wie jeder Populist und Narzisst ist Trump vollkommen unberechenbar. (...) Wir können nur hoffen, dass er schnell versteht, dass das Regieren eines Landes und die Veranstaltung einer Reality-Show nicht dasselbe ist.“
„Asahi Shimbun“ (Tokio): „Damit Trumps Amerika sich nicht in Isolationspolitik einschließt, ist es jetzt gerade die Zeit für die Alliierten und befreundeten Länder, sich einzubringen.“
„Sydney Morning Herald“: „Trump befehligt nun die größte wirtschaftliche und militärische Macht der Welt. Aber er hörte sich an, als habe er gerade Venezuela übernommen (...) Wie sagen die Flugbegleiter zu den Passagieren: ‚Bitte bleiben Sie auf ihren Plätzen. Schnallen Sie sich an. Es kommen Turbulenzen auf uns zu.‘“