Bühne Baden: „Madame Pompadour“ als breite Ausstattungsrevue
Baden (APA) - Erotisches Flair in der Kurstadt: Eines der populärsten Werke der Silbernen Operettenära, „Madame Pompadour“ von Leo Fall, ist...
Baden (APA) - Erotisches Flair in der Kurstadt: Eines der populärsten Werke der Silbernen Operettenära, „Madame Pompadour“ von Leo Fall, ist am Samstagabend als vorletzte Premiere der Direktion von Sebastian Reinthaller über die Bühne des Stadttheaters der Bühne Baden gegangen.
Michaela Ronzoni und Volker Wahl haben die frivole Geschichte um die legendäre Maitresse des Königs Louis XV zum Anlass für eine eher breit angelegte Ausstattungsrevue genommen. Es ist schon ein eigener, durchaus anzüglicher Humor, der einem aus diesem Werk entgegenweht. Nummern wie „Die Pom-, Pom-, Pompadour ist eine schöne Ha-Ha-Ha“, „Ach Joseph, ach Joseph, was bist du so keusch“ oder „Heut könnt einer sein Glück bei mir machen“ sind von schlüpfriger Konsistenz, aber der sprudelnde Champagner, in den Worten der Pompadour, könnte etwas mehr Spritzigkeit vertragen. Zwar wird die optisch opulent aufbereitete Welt des 18. Jahrhunderts gelegentlich mit dezenter Ironie durchbrochen, die Entstehungszeit der Roaring Twenties wird kaum spürbar.
Somit sind es die Mitwirkenden, mit deren darstellerischen Leistungen das Stück steht und fällt. In der Titelrolle überzeugt Bea Robein, die der Intention der Regie gerecht wird, die Pompadour nicht bloß als nymphomanische Skandalnudel zu diskreditieren, sondern ihre Bedeutung als kluge, selbstbewusste und strategisch agierende Frau zu unterstreichen. Matjaz Stopinsek ist ein schmachtender Graf René, Christiane Marie Riedl legt die Kammerfrau Belotte passend soubrettenhaft an, Thomas Weinhappel ist ein selbstverliebter Dichter Calicot, Artur Ortens verleiht dem Polizeiminister ebenso eitle wie diabolische Züge.
Im Orchestergraben bringt das Orchester der Bühne Baden unter der Leitung von Oliver Ostermann Solides zuwege, die Choreografie wirkt manchmal stilistisch unentschieden. Wie sinnvoll es war, das Werk noch musikalisch anzureichern statt zu straffen, ist die Frage. Immerhin: In Baden ist zumindest auf der Operettenbühne ein Hauch von Frauenpower angesagt.
(S E R V I C E - Bühne Baden, Stadttheater: Leo Fall, „Madame Pompadour“. Regie: Michaela Ronzoni und Volker Wahl, musikalische Leitung: Oliver Ostermann, u.a. mit Bea Robein, Matjaz Stopinsek, Christiane Marie Riedl und Thomas Weinhappel. Weitere Aufführungen bis 17. März, Tickets und Information: Tel. 02252/22522, www.buehnebaden.at. Szenenfotos unter https://celum.noeku.at/pindownload/login.do?pin=DFR9E)