Innsbruck

Mission Murmeltier: “Der Watzmann ruft“

© TLT/Larl

Ein großer Spaß, ein noch größerer Löffel und viele kleine Ideen: In den Kammerspielen ruft der „Watzmann“.

Von Joachim Leitner

Innsbruck –Es ist einigermaßen müßig, darüber zu sinnieren, ob der austropopulär aufgemotzte „Rustical“-Dauerbrenner „Der Watzmann ruft“ nun tatsächlich auch in den Kammerspielen des Tiroler Landestheaters aufgeführt werden muss. Muss er natürlich nicht. Aber sei’s drum. Der „Watzmann“ ist da – und er macht Spaß. Ziemlich viel Spaß sogar. Wobei er – vorlagengetreust – weniger durch feingeistigen Hintersinn punktet, sondern durch Hintern. Mit dem nämlich springt das Stück aus der Feder von Manfred Tauchen und Wolfgang Ambros in Verena Schoppers Inszenierung dem Zuschauer ins Gesicht. Und das bereits bevor es richtig begonnen hat. Denn eingeläutet wird die Schicksalsbergschwank-Satire schon im Foyer: Mit Kuhglockengebimmel wird das Publikum auf die Alm getrieben. Benjamin Schardt gibt den nachlässig befrackten, auf punktgenauen Beginn pochenden Einpeitscher. Was ihm an Hemd fehlt, macht ein zierliches Edelweiß als Kopfschmuck wieder gut. Zur Vorbereitung blieben dem Schauspieler nur wenige Tage. Er sprang für den erkrankten Gerhard Kasal ins bunte Getümmel – und wenig später als zur geübten Befummelung bereite Gailtalerin in Fummel.

Der „Watzmann“-Plot ist schnell erzählt: Der unheilvolle Hügel holt zunächst den „Bua“ (Christoph Schlag) und dann den „Bauer“ (Kristoffer Nowak) – Knechte (Stefan Riedl, Matthias Tuzar) und Mägde (Antje Weiser, Ulrike Lasta) üben sich derweil in krachledernen Arbeitsumgehungsstrategien. Wirklich wichtig ist das alles nicht. Dieser rote Faden ist nur dazu da, um herrlich blöde Einfälle und manchen Ohrwurm daran aufzuhängen: Der Bauer tauscht seinen Riesensuppenlöffel gegen einen Rockstar-Rechen und lässt sich zum Jimi-Hendrix-Gedenk-Gitarrensolo hinreißen, die Knechte duellieren sich um eine Blutwurst – und der Bua müht sich durch besonders „dichtes Fichtendickicht“ – kreuzfidele Gesichts- und Gelenksverrenkungen inklusive. Besagten Fichten übrigens geht es in einer massiven Martial-Arts-Einlage zum „Mission Impossible“-Score an den Kragen (Choreografien: Kathrin Eder). Ungeschoren kommt nur die Gams davon. Dafür müssen Murmeltiere zum mehrstimmigen Chor mit dem Bauern ausrücken. Die von Venelin Filipov geleitete „Watzmann“-Band firmiert dementsprechend als The Crazy Murmelen – und lässt sich schon mal ins Horn reihern. Gesanglich – auch darum geht es eigentlich nicht – ragen Nowak und Schlag aus dem wunderbar wenig zurückhaltenden Ensemble heraus.

Schoppers Inszenierung besticht durch kleine Ideen, große Freude am Detail, gehörig viel Spaß an der Freud’ – und durch die nötige Portion Selbstironie, die auch von Luis Graningers Bühnenbild unterstrichen wird. Dass nicht jeder Einfall neu ist – geschenkt. Effektiv sind sie allemal. Der überraschende Einsatz von Puppen erlaubt sogar verzücktes Staunen. Wenn schon „Watzmann“ also, dann so: mit großen Löffeln klotzen, nicht kleckern.

Für Sie im Bezirk Innsbruck unterwegs:

Renate Perktold

Renate Perktold

+4350403 3302

Verena Langegger

Verena Langegger

+4350403 2162

Michael Domanig

Michael Domanig

+4350403 2561