Kein Entrinnen aus dem Stau

Fahrverbote auf den Gemeindestraßen sollen den lärmgeplagten Anrainern in Schlitters und Fügen Erleichterung bringen und den B 169-Ausweichverkehr einbremsen.

Im Sommer wie im Winter staut sich der Ausweichverkehr von der Zillertalstraße auf der Fügener Gemeindestraße in Gagering, weil die Autofahrer in Höhe Camping Hell zurück in den Stau auf der B 169 müssen.
© Dähling

Von J. Lackner und A. Dähling

Fügen –Auf der einen Seite die B 169 Zillertalstraße, auf der anderen die besonders zu Stauzeiten viel befahrene Gemeindestraße in Schlitters und Fügen als Ausweichroute: Das bedeutet für viele Anrainer gesundheitsgefährdenden Lärm, gegen den sie schon jahrelang ankämpfen. Jetzt fanden sie doch Gehör in der Gemeindestube und bei den Behörden.

Nach der Genehmigung der noch in Fügen zu errichtenden Lärmschutzwand an der Bundesstraße im Vorjahr, die TT berichtete, wurde nun auch das Verkehrsproblem auf der Gemeindestraße erneut angegangen. Der Fügener Bürgermeister Dominik Mainusch konnte in der jüngsten Gemeinderatssitzung die „taufrische“ Verordnung der Bezirkshauptmannschaft Schwaz präsentieren, die dem angestrebten Einfahrtsverbot in die Gageringerstraße gesetzliche Gültigkeit verleiht. „Nach mehreren Versuchen, wie Straßenverengungen oder Geschwindigkeitsbeschränkungen, ist es dieser neuerliche Versuch einer Verkehrsberuhigung wert“, meinte der Ortschef.

Demnach gilt das Einfahrtsverbot nach der Abfahrt von der Bundesstraße vom Norden kommend ab Gewerbeweg Nr. 10. Ausgenommen sind Anrainer, Linienbusse, landwirtschaftliche Fahrzeuge und einspurige Fahrzeuge. Die Anrainer können innerhalb des Ortsgebietes in beiden Richtungen fahren. Die Polizei soll ein Auge auf die Einhaltung des Verbots werfen. Für die Aufstellung und Erhalt des Verkehrszeichens und der Zusatztafel ist die Gemeinde zuständig.

Besonders hob Mainusch die gute Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Schlitters hervor, die ein ähnliches, aber temporäres Einfahrverbot erwirken konnte. Der Ausweichverkehr beginnt nämlich schon in Schlitters und zieht sich dann über die dortige Gemeindestraße bis zum Fügener Ortsteil Gagering. So ist auch in Schlitters ein Zufahren auf die Gemeindestraße in Richtung Süden ab Haus Nr. 101 verboten. Dies gilt zu Verkehrsspitzenzeiten in den Wintermonaten und wird durch ein auf- und zuklappbares Verkehrsschild verordnet. Die Ausnahmen sind die gleichen, wie sie für Gagering gelten.

Die neue Verkehrsregelung hat sich vergangenes Wochenende bereits in Bruck und Hart bemerkbar gemacht. Denn die meist einspurig geführte Straße am Ziller ist nun die einzig verbleibende Ausweichstrecke. Bezirkshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Löderle weiß um das Problem: „Ich habe im letzten Winter mit dem damaligen Brucker Bürgermeister Max Wasserer geredet und eine situationsbedingte Verkehrsregelung vereinbart.“ Ein Polizist regelt nun etwa im Bedarfsfall bei der Kreuzung nach Hart und Schlitters den Verkehr.

„Weil die meisten nach Navi fahren, versuchen wir mit der Verkehrsabteilung der Polizei zu erwirken, dass die Ausweichroute über Bruck und Hart dort als nicht empfehlenswert aufscheint“, sagt Löderle. Auf der B 169 habe sich der Verkehr bisher zusätzlich durch den Ausweichverkehr über Schlitters und Gagering gestaut. „Beispielsweise dann, wenn die taleinwärts fahrenden Autofahrer in Höhe Camping Hell von der Gageringer Gemeindestraße wieder zurück auf die B 169 müssen“, erklärt der Verkehrsreferent der Bezirkshauptmannschaft.

Das derzeitige Verkehrskonzept rund um die Eindämmung des Ausweichverkehrs im Zillertal sei allerdings immer wieder zu evaluieren. Man müsse sich die Entwicklung anschauen. Geplant sei, entlang der B 169 aufklappbare Verkehrsschilder anzubringen, die im Staufall Fahrverbote auf niedergeordneten Straßen ankündigen. „Vor 35 Jahren war die B 169 eine Umfahrungsstraße. Weil die Gemeinden dann dort überall Grund widmeten, wirkt sie jetzt wie eine Gemeindestraße“, sagt Löderle.


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