„Machen klar, dass es nicht geht, Frauen zu berühren“

Gleichberechtigung, Demokratie, respektvoller Umgang: Wertekurse der Stadt Innsbruck sollen die Integration von Asylwerbern erleichtern.

Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer und Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler erklärten im Rahmen einer Pressekonferenz, was Asylwerber in Wertekursen alles erfahren.
© IKM/Lercher

Von Denise Daum

Innsbruck –Rund 1900 Asylwerber halten sich derzeit in Innsbruck auf – großteils Männer. Sie sind die Zielgruppe für die von der Stadt Innsbruck initiierten Wertekurse. Inhalt dieser Kurse sind die gesellschaftlichen Grundregeln – vielfach banale Dinge, wie Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler gestern im Rahmen der Projektvorstellung erklärte: „Wir machen beispielsweise klar, dass es nicht geht, Frauen zu berühren oder im Schwimmbad zu fotografieren.“ Auch die Grundfesten der Demokratie stehen auf dem Programm: Das Recht steht über religiösen Vorschriften, Religion ist Privatsache, familiäre Gewalt gegen Frauen und Kinder ist strafbar.

Gleichzeitig soll den Asylwerbern aber auch vermittelt werden, dass die Polizei nicht nur Strafen austeilt, sondern auch aufklärt. Dass einige Asylwerber aus ihrer Heimat ein befremdliches Bild der Exekutive mitgenommen haben, erklärt Stadtrat Franz X. Gruber: „Vielfach kommen sie aus einem autoritären System und sehen bei uns erstmals einen Polizisten, der nicht korrupt ist und ihnen auf Augenhöhe begegnet.“

Insgesamt zehn Kurse bietet die Stadt Innsbruck im Laufe des heurigen Jahres an, rund 40 Asylwerber können pro Termin teilnehmen. Das heißt, dass rund 400 erreicht werden. Die Kosten pro Veranstaltung belaufen sich auf rund 1000 Euro, die von der Stadt Innsbruck getragen werden. Im November fand die Pilotveranstaltung statt.

Neben der Polizei referiert auch Ursula Waibel vom Roten Kreuz bei den Kursen. Auch die Notärztin berichtet, dass zum Teil alltägliche Dinge klargelegt werden müssen. Wie beispielsweise, dass bei Rettungseinsätzen nicht zwischen weiblichen und männlichen Helfern gewählt werden kann oder dass ein Rettungswagen nicht mit gefährlichen Gegenständen oder Waffen betreten werden darf. Außerdem geht es um Basiswissen zum Gesundheitssystem: Wann soll ein niedergelassener Arzt aufgesucht werden, wann die Klinik. „Wir erklären den Asylwerbern auch, dass wir immer für sie da sind.“

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Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer verweist darauf, dass die Zuständigkeit für Integration in erster Linie bei Bund und Land liege. Die Stadt Innsbruck setze mit ihrem Engagement aber ein Zeichen an die Asylwerber sowie die einheimische Bevölkerung: „Wertschätzung gegenüber den geflüchteten Menschen, aber auch Forderung nach Akzeptanz für unsere gesellschaftlichen Bestimmungen und unsere Wertehaltung.“

Zu den Erwartungen rund um die Wertekurse erklärt Stadtpolizeikommandant Kirchler unumwunden: „Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass wir dadurch sämtliche Straftaten dieser Gruppe verhindern können.“ Trotzdem sei man von der Wichtigkeit und Wirkung der Initiative überzeugt.


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