Nach Flucht mit Häftling: Wärterin in der Schweiz verurteilt

Im Vorjahr hielt die Flucht einer Schweizer Gefängniswärterin mit einem verurteilten Vergewaltiger die Schweiz in Atem. Die Frau hatte sich in den Syrer verliebt. Jetzt wurde sie verurteilt.

(Symbolfoto)
© TT/Thomas Böhm

Dietikon – Auf einmal waren Angela M. und Hassan K. weg. Ohne Papiere, mit dem Auto des gehörnten Ehemanns der 33-Jährigen auf der Flucht: Die Gefängniswärterin und der verurteilte Häftling. Tagelang beherrschten sie die Schlagzeilen der Zeitungen in der Schweiz. Wie konnte eine Wärterin mitten in der Nacht mit einem Verbrecher einfach aus der Haftanstalt spazieren? Diese Frage musste sich nicht nur die Gefängnisdirektion gefallen lassen.

Das Pärchen blieb wochenlang verschwunden, Ermittler befürchteten, dass sie sich ihren Weg bis nach Syrien gebahnt hatten, weil der mutmaßliche Vergewaltiger von dort stammte. Am Ende brachte aber ein Video der Verliebten die entscheidende Spur. Die beiden wollten ihre Version der Geschichte erzählen und brachten damit die Polizei auf ihre Fährte. In Italien klickten schließlich die Handschellen. Angela M. und Hassan K. wurden zurück in die Heimat ausgeliefert.

100.000 Euro Strafe drohen auf Zivilrechtsweg

Nur wenige Kilometer von ihrer ehemaligen Dienststelle wurde die ehemalige Justizanstalts-Bedienstete jetzt für ihre Flucht im Februar 2016 verurteilt. Der Richter in Dietikon brummte ihr 15 Monate auf Bewährung auf. Unter Tränen nahm die 33-Jährige das Urteil hin, entschuldigte sich noch einmal für ihr Verhalten bei Familie, Freunden und Arbeitskollegen. Bislang kommt die junge Frau, die mittlerweile bei einem Lebensmittelspediteur arbeitet, gut davon. Ein Nachspiel könnte ihr allerdings wegen einer Unachtsamkeit drohen – und dieses wäre ziemlich kostspielig.

Bei ihrer Flucht behielt sie den Generalschlüssel des Untersuchungsgefängnisses Limattal in ihrer Hosentasche. Deshalb mussten alle 900 Schlösser ausgetauscht werden. Kostenpunkt laut Gefängnisdirektion: Rund 100.000 Euro. Das Gericht hatte die erste Klage gegen Angela M. in diesem Fall abgeschmettert, allerdings nur, weil das Geld auf zivilrechtlichem Weg eingefordert werden müsste.

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Laut ihrem Anwalt musste die Schweizerin für ihre Tat aber ohnehin schon schwer büßen: Von ihrem Ehemann, mit dem sie zum Zeitpunkt der Flucht noch verheiratet gewesen sei, wurde sie geschieden. Sie werde auf der Straße erkannt, fotografiert und oft beschimpft.

Und ihre große Liebe, Hassan K., sitzt wieder im Gefängnis. Das vierjährige Hafturteil wegen der Vergewaltigung einer 15-Jährigen wurde im Dezember bestätigt. Nach dieser Zeit, so der 28-Jährige, wolle er seine Angela heiraten. (TT.com)


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