Verstappen: „Lasst mich Rennen fahren, wie ich will“
Im Vorjahr besuchte Max Verstappen die Hahnenkamm-Rennen mit seinem Formel-1-Auto, heuer tauchte der Niederländer mit Skiern in Kitzbühel auf. Dabei nahm sich der 19-Jährige Zeit für ein launiges Gespräch.
Wussten Sie, dass Marcel Hirscher zur Hälfte Niederländer ist?
Max Verstappen: Ja, und das Talent kommt von der Mutter (lacht/Papa Ferdinand ist Österreicher). Ich hab’ noch nicht mit ihm gesprochen, aber ich sah ihn schon Ski fahren.
Wie gut fahren Sie Ski?
Verstappen: Durchschnittlich, nicht außergewöhnlich.
Aber Sie würden sich zutrauen, die Streif runterzufahren?
Verstappen: Nicht mit der Geschwindigkeit der Rennfahrer. Wenn ich es gemütlich angehe, schaffe ich es.
Wie gefällt es Ihnen in Kitzbühel?
Verstappen: Die Atmosphäre und die Begeisterung für das Rennen sind beeindruckend. Ich genieße es, wieder (zum zweiten Mal, Anm.) hier zu sein.
Was machen Sie sonst um diese Zeit? Testen, trainieren? Worum geht es gerade?
Verstappen: Ich trainiere gerade viel im physischen Bereich, dazu kommt die Arbeit am Simulator, das Einstellen auf den neuen Wagen, das Kennenlernen und Checken der neuen Systeme.
Wie sieht der Wagen aus?
Verstappen: Aggressiv! Mehr darf ich dazu nicht sagen.
Der neue Wagen ist breiter und stärker. Können Sie nun mehr Risiko nehmen?
Verstappen: Ich denke, die Kurvengeschwindigkeit wird um einiges höher sein. Es wird für Nacken und Oberkörper eine größere Herausforderung. Wegen der höheren Belastung trainieren wir nun viel härter. Wir müssen noch herausfinden, wie sich die Neuerungen dann konkret auswirken. Mehr Anpressdruck bedeutet, dass es viel schwerer wird zu überholen. Deshalb haben sie die Form des Frontflügels etwas v-förmiger gemacht.
Sie werden oft als Rowdy, als aggressiver Fahrer bezeichnet. Gefällt Ihnen dieses Image oder wird das ohnehin nur von den Medien hochgespielt?
Verstappen: Das kümmert mich nicht. Ich versuche, immer das bestmögliche Rennen abzuliefern, egal, ob ich meine Position verteidigen oder angreifen muss. Für mich ist das ein ganz normaler Prozess.
Sie sind kein durchschnittlicher junger Mann. Feiern Sie auch einmal eine Party, wenn Sie zuhause sind, oder konzentrieren Sie sich nur auf den Sport?
Verstappen: Generell und speziell zu diesem Zeitpunkt ist es sehr wichtig, fit zu sein, und daher kann man nicht Partys feiern. Während der Saison fährt man so viele Rennen und ist so viel unterwegs, dass man entspannen will, wenn man einmal zuhause ist, um Zeit mit seiner Familie zu verbringen.
Sie vermissen also nicht das Leben von anderen Gleichaltrigen?
Verstappen: Absolut nicht, ich liebe es, Rennwagen zu fahren. Ich vermisse überhaupt nichts.
Sind Sie ein Fußballfan?
Verstappen: Sicher! Ich mag Fußball, er ist schön anzuschauen. Mein Lieblingsverein ist PSV Eindhoven. Ich versuche, die Spiele im Fernsehen mitzuverfolgen, was aber wegen der Reisen oftmals schwierig ist.
Spielen Sie selbst auch?
Verstappen: Als ich jünger war schon, aber ich habe schnell realisiert, dass ich kein Talent dazu habe.
Früher gab es in der Formel 1 mehr Typen wie zum Beispiel Nigel Mansell. Sehen Sie sich auf dem Weg zu einem solchen Typen?
Verstappen: Ich versuche einfach, ich selbst zu sein. Es ist toll, was die Legenden der Formel 1 erreicht haben. Aber alle sind verschieden, und es macht keinen Sinn, auf die Karriere eines anderen zu schauen und zu versuchen, dasselbe zu tun. Man soll versuchen, sein möglichst Bestes für sich selbst zu geben.
Haben Sie eine Idee, die Formel 1 interessanter zu machen?
Verstappen: Lasst mich Rennen fahren, wie ich Rennen fahren will, dann wird es interessant. Keine Regeln!
Formel-1-Legende Niki Lauda hat Sie schon öfter kritisiert – Sie seien zu aggressiv. Was ist Ihrer Meinung nach dran?
Verstappen: Er sieht meine Fahrweise genauso oft positiv. Das ist eine ganz normale Sache, wenn Teams gegeneinander kämpfen.
Hier auf der Streif spielt Angst eine Rolle. Gibt es Angst auch in Ihrem Leben?
Verstappen: Nein, absolut nicht. Nicht in einem Rennwagen. Ich fahre seit jungen Jahren Rennen, bin damit groß geworden und fühle mich dabei sehr wohl, weil ich ganz genau weiß, was zu tun ist. Das verhält sich bei den Skifahrern nicht anders. Natürlich kann auch etwas schiefgehen, wenn man ans Limit geht.
Sie würden sich aber nicht beschweren, dass die Piste hier zu brutal ist?
Verstappen: Im Skisport ist das ein wenig anders. Wenn ein Läufer verunfallt, dann kracht da eine Person ins Netz. Der Sicherheitsstandard, den wir in der Formel 1 haben, ist hoch. Diskussionen gehören dazu – ob man zum Beispiel Curbs höher oder niedriger machen soll.
Haben Sie so viel im Kartsport gelernt?
Verstappen: Ja, gemeinsam mit meinem Vater.
Haben Sie den coolsten Vater auf der Welt? Ist er mehr ein Freund?
Verstappen: Er ist mein Vater, mein Freund, wir verbringen sehr viel Zeit zusammen.
Ängstigt er sich manchmal um Sie?
Verstappen: Ich glaube nicht, er ist eher nervös. Er vertraut mir in dem, was ich tue.
Gibt es irgendetwas Höheres in Ihrem Leben, an das Sie glauben?
Verstappen: Nein, absolut nicht. Ich bin nicht religiös. Das, woran ich glaube, bin ich selbst.
Sie glauben an Max Verstappen?
Verstappen: Du musst an dich glauben, das ist das Wichtigste. Ich glaube nicht daran, dass mich Gott beim Rennfahren unterstützt.
Das Gespräch führte Florian Madl