Viel Lärm um nichts: Die Comedy der Irrungen im Burgtheater

Wien (APA) - Am Ende schwebt der Guglhupf tatsächlich über dem Publikum, bevor der Schlussapplaus aufbrandet. Der Posaunenbaum trötet. Die D...

Wien (APA) - Am Ende schwebt der Guglhupf tatsächlich über dem Publikum, bevor der Schlussapplaus aufbrandet. Der Posaunenbaum trötet. Die Darsteller verbeugen sich, immer noch mit Grimasse im Gesicht. Herbert Fritsch hat am Wiener Burgtheater gestern, Mittwoch, seine „Komödie der Irrungen“ präsentiert: Eine Comedy, deren Irrungen zahlreich, aber substanzlos sind.

Es wird um Kopf und Kragen grimassiert und funny gewalkt und die Stimme verstellt und in Kostümierung der Shakespeare Ära die perfekt sitzende Lächerlichkeit artikuliert. Die Choreografie der Gesten ist hochartifiziell und strikt getimt. Ein Slapstick-Zirkus, irgendwo zwischen Monty Python und Löwingerbühne, der viel zu kichern, aber wenig zu lachen bietet. Im Zentrum des Orkans ist es still, heißt es. Shakespeare würde sagen: Viel Lärm um nichts.

Das hat auch mit den Hauptakteuren zu tun, so sehr sie für ihren schweißtreibenden Einsatz zurecht bejubelt wurden. Die Geschichte rund um zwei Zwillingspärchen, die in frühester Kindheit voneinander getrennt wurden und schließlich in den Straßen von Ephesus per Verwechslungsparcours jede Menge Verwirrung stiften, zeitigt unter all den Grimassen Erstickungserscheinungen und ist eigentlich nicht mehr zu dechiffrieren.

Sebastian Blomberg als doppelter Antipholus und Simon Jensen als doppelter Dromio führen ihre dadaistische Körpersprache mit Virtuosität aus. Aber sie beantworten die zentrale Frage des Stückes nicht einmal bis unter die Schminke: Wer ist wer?

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Auch dem agilen Spiel der Damenrunde, angeführt von Dorothee Hartinger als Antipholus‘ Frau Adriana, wohnt unter wuchtigen Frisuren zwar viel Geschick, aber kein Charakter inne und so wird an diesem Abend viel geregt, aber nicht gerührt. Wird etwas aufwendig übersteigert und abstrahiert, was in dieser Shakespeare-Persiflage gar nicht mehr da ist: Menschliches.

Sinnbild dafür ist der Posaunenbaum, ein echtes Kleinod, das eine Soloperformance verdient hätte und immerhin von Komponist Bernhard Gander programmiert wurde. Das Gerät ähnelt einer Skulptur von Constantin Luser, ein Baum aus in sich verschlungenen, selbst spielenden Posaunen, die das Geschehen trötend kommentieren und dabei mehr Zwischentöne zu Gehör bringen, als alle Figuren zusammen. Für Herbert Fritsch, dem auch die Ehre des Ausstatters gebührt, hatte das Publikum viel Beifall und einige Buhs parat. Und über allem schwebte der Guglhupf. Einfach so.

(S E R V I C E - „Die Komödie der Irrungen“ von William Shakespeare, Regie: Herbert Frisch, mit Sebastian Blomberg, Simon Jensen, Dorothee Hartinger, Stefanie Dvorak u.a. Weitere Termine: 27. Jänner sowie 4., 15., 22. und 26. Februar; www.burgtheater.at)


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