Karten im Sporthandel werden neu gemischt - Neue Player kommen

Wien (APA) - In den heimischen Sporthandel kommt heuer Bewegung. Mehrere ausländische Händler planen in diesem Jahr den Markteintritt in Öst...

Wien (APA) - In den heimischen Sporthandel kommt heuer Bewegung. Mehrere ausländische Händler planen in diesem Jahr den Markteintritt in Österreich. Schon fix sind zwei Geschäfte der norwegischen Kette XXL, der französische Diskonter Decathlon hat konkrete Standorte im Visier, berichten Makler. Auch der britische Sportmodehändler JD Sports sowie die Schweizer Deichmann-Tochter Ochsner Sport wollen hierzulande mitmischen.

„Der Sporthandel hat turbulente Zeiten hinter sich“, sagte Sport-2000-Chef Holger Schwarting Donnerstagabend bei einem Pressegespräch in Wien. Der Markt habe sich verschoben.

Begonnen hat alles mit der Übernahme der Sporthandelsketten Eybl und Sports Experts durch den britischen Diskonter Sports Direct. Im April 2014 wanderte das vormalige Familienunternehmen vollständig in britische Hand. Die Gründerfamilie Eybl zog sich nach über 80 Jahren aus dem Unternehmen zurück.

Sports Direct stülpte den Ketten sein Konzept über, was bei den Österreichern nicht gut ankommt. Die Briten setzen hauptsächlich auf Sportbekleidung und -schuhe zu Diskontpreisen, Artikel wie Skier, Skischuhe oder Räder sind ebenso Mangelware wie Beratung. Die Folge: Das Unternehmen schreibt in Österreich hohe Verluste und verzeichnet Umsatzeinbußen. Seit der Übernahme schlossen gut ein Dutzend Standorte.

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Ans Aufgeben denkt Sports Direct dennoch nicht. International ist das Unternehmen erfolgreich, im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 machte der Konzern fast 330 Mio. Euro Gewinn. Branchenexperten erwarten jedoch, dass Sports Direct in Österreich weiter schrumpfen wird. Viel mehr als 20 Standorte dürften letztlich nicht übrig bleiben.

In eine ähnliche Schiene wie Sports Direct fällt der Franzose Decathlon. Der Diskonter hat zwar ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und ein umfassendes Sortiment, verkauft aber hauptsächlich Eigenmarken, die in Österreich (noch) niemand kennt. Schwarting sieht in Österreich noch Platz für Diskonter, vor allem in den Städten.

Ambitionierte Pläne in Österreich hegt der Norweger XXL, der bis zu 20 Geschäfte aufsperren will. Die Sportkette betreibt rund 60 Filialen in Norwegen, Schweden und Finnland. Österreich gilt als sportaffines Land. Die Pro-Kopf-Ausgaben liegen laut RegioData bei 270 Euro im Jahr. Die Deutschen etwa geben nur rund 100 Euro jährlich für Sportartikel aus.

Auch wenn viele neue Player kommen, wächst der Markt nicht, sondern verteilt sich nur. Seit gut zehn Jahren setzt die Branche 1,7 Mrd. Euro im Jahr um. Gemeinsam mit Gigasport ist Sport 2000 mit einem Marktanteil von 30 Prozent die Nummer 1 im heimischen Sportfachhandel. Dahinter folgen Intersport (25 Prozent), die Spar-Tochter Hervis (rund 20 Prozent) und Sports Direct (13 bis 15 Prozent). Den Rest teilen sich freie Fachhändler. Sie haben laut Schwarting am meisten von den Umwälzungen bei Eybl/Sports Direct profitiert.


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