Tennis:Federer und Nadal: Aus Krankenstand ins Australian-Open-Finale

Melbourne (APA/dpa/Reuters) - Vor Beginn der Australian Open hätte dieses Herren-Endspiel wohl niemand für möglich gehalten: Zwar handelt es...

Melbourne (APA/dpa/Reuters) - Vor Beginn der Australian Open hätte dieses Herren-Endspiel wohl niemand für möglich gehalten: Zwar handelt es sich bei Roger Federer und Rafael Nadal um zwei Superstars dieses Sports, doch beide Spieler kamen nach langen Pausen wieder auf die Tour zurück. Der 35-jährige Federer hatte sogar mehr als ein halbes Jahr kein Tour-Match bestritten. Am Sonntag geht es für Federer um Major-Titel 18.

Als Federer erst im vergangenen Oktober zu einer Einweihung der Tennis-Akademie von Nadal auf Mallorca zu Gast war, konnten sie nicht das erhoffte Schaumatch spielen. Sehnsüchtig gestand Federer seinem Rivalen damals ein, wie gern er noch einmal in einem richtig großen Match gegen ihn antreten würde - an diesem Sonntag (09.30 Uhr/Eurosport) ist es in Melbourne so weit, im mit Spannung erwarteten Endspiel der Australian Open.

„Niemand von uns beiden hat sicher in diesem Moment daran gedacht, dass wir noch einmal in einem Endspiel sein würden, besonders nicht im ersten des Jahres. Es ist passiert“, sagte Nadal ein wenig verwundert nach seinem schwer erarbeiteten Halbfinal-Erfolg über den Bulgaren Grigor Dimitrow.

Federer hatte die Episode aus der Jugendakademie nach seinem nicht minder mühsamen Halbfinal-Sieg über seinen Schweizer Landsmann Stan Wawrinka ausgeplaudert und vom „epischen Duell mit Rafa“ gesprochen, als dessen größten Fan er sich selbst bezeichnete. „Es ist großartig, dass wir die Chance haben, so einen Moment zu genießen. Ich bin einfach glücklich für mich selbst und für ihn“, sagte Nadal.

Und fast alle Tennis-Fans, nicht nur in Melbourne, sind es vermutlich auch. Sowohl Federer, als auch Nadal zählen von jeher zu den absoluten Publikumslieblingen. Auch Nadal hat einen Leidensweg hinter sich, der mit einem Rückzug im Tableau-Ast von Dominic Thiem bei den French Open 2016 ausgerechnet bei seinem Lieblingsturnier passen musste. Geweint hatte Nadal damals nach eigenen Worten. Zwar quälte er sich dann später noch durch die Olympischen Spiele, weil er in Rio unbedingt dabei sein wollte, und belohnte sich nach Einzel-Gold 2008 mit dem Olympiasieg im Doppel.

Federer hatte da schon seine Saison beendet, die in Australien unglücklich begonnen hatte. Nach dem Halbfinal-Aus gegen Novak Djokovic erlitt er tags darauf beim Baden seiner Töchter einen Meniskusriss im linken Knie und kam nach der Operation zu früh wieder zurück. Nach Wimbledon ging es nicht mehr weiter.

Das eigene Auftreten in Melbourne sowie das frühe Aus des Titelverteidigers Novak Djokovic und des Weltranglisten-Ersten Andy Murray dürften bei Federer und Nadal ungeahnte Kräfte freigesetzt haben. Dazu unterstützte das Publikum die immer bescheiden auftretenden einstigen Tennis-Herrscher, deren unterschiedliche Spielweisen für so viele unvergessene Duelle gesorgt haben.

Auch am Sonntag steht noch einmal eine Menge auf dem Spiel. Grand-Slam-Rekordsieger Federer kann mit 35 Jahren seinen 18. Titel und den fünften in Australien holen. Nadal wäre mit dem 15. Titel in der Rangliste die alleinige Nummer zwei vor Pete Sampras und der erst der dritte Spieler nach den Australiern Roy Emerson und Rod Laver, der alle vier Grand-Slam-Turniere mindestens zweimal gewonnen hat. Federer wäre der erste Spieler, der bei drei von vier Majors fünf oder mehr Titel gewonnen hat.

Der Blick auf die Statistik favorisiert Nadal, denn der Linkshänder führt im direkten Vergleich 23:11 und gewann sechs von acht Grand-Slam-Finali gegen Federer, darunter das Endspiel 2009 in Melbourne. Zuletzt spielten beide 2011 bei den French Open auf Sand um einen der vier großen Titel, wie immer dort gewann Nadal.

„Jetzt ist eine andere Zeit“, sagte Federer. Auf dem Hartplatz der Rod-Laver-Arena könne er anders spielen als auf dem Court Philippe Chatrier in Paris. Bei allem Verständnis für die allgemeine Vorfreude auf das unverhoffte Traumfinale betonte er: „Alles, was mich interessiert, ist, dass ich am Sonntag gewinnen kann.“ Federer ist übrigens der älteste Major-Finalist seit Ken Rosewall, der 1974 im US-Open-Finale im Alter von 39 verlor.

Durch die Entwicklungen des Turniers steht übrigens fest, dass Achtelfinalist Dominic Thiem Weltranglisten-Achter bleibt. Nadal wird sich im Falle eines Titels vom neunten auf den vierten Platz schieben, allerdings fällt Gael Monfils hinter Thiem zurück. Und Federer könnte sich mit seinem fünften Melbourne-Titel auf Platz 10 verbessern.


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