Goma im Kongo - Die Stadt auf dem Höllenfeuer

Goma (APA/dpa) - Im Kessel des Vulkans Nyiragongo brodelt unaufhaltsam der größte Lava-See der Welt, direkt über der Millionenstadt Goma im ...

Goma (APA/dpa) - Im Kessel des Vulkans Nyiragongo brodelt unaufhaltsam der größte Lava-See der Welt, direkt über der Millionenstadt Goma im Osten Kongos. Die rund 1.100 Grad Celsius heiße Lava spritzt immer wieder viele Meter hoch. Die rohe Gewalt der Natur ist beeindruckend schön - aber beim nächsten Ausbruch könnte der Vulkan Tausende oder sogar Zehntausende Bewohner Gomas in den Tod reißen.

„Es würde bei der nächsten Eruption wahrscheinlich nur Minuten dauern, bis die Lava Goma erreicht“, erklärt der italienische Vulkanologe Dario Tedesco, der den Vulkan seit vielen Jahren erforscht. Der Nyiragongo ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Aber den Bewohnern Gomas macht so schnell nichts Angst. Die Stadt wurde seit der Jahrtausendwende schon zwei mal von Rebellen übernommen, im Umland treiben zahlreiche Milizen ihr Unwesen, auch Cholera-Epidemien sind hier nicht fremd.

Bei der letzten Eruption im Jänner 2002 konnten rund 400.000 Menschen noch vor den Lava-Massen fliehen. Doch die Lava hat etwa ein Drittel der Stadt plattgemacht. Es gab mehr als 100 Tote, rund 120.000 Bewohner waren plötzlich obdachlos. Doch seither hat sich die Einwohnerzahl auf heute etwa 1,2 Millionen mehr als verdoppelt.

„Die nächste Eruption könnte auch mitten in der Stadt passieren“, warnt Tedesco. Der Unterbau des Vulkans - sozusagen die mit Magma gefüllten Rohrleitungen unter dem Krater - reicht bis weit unter Goma. Tedesco steht vor dem Vulkan-Observatorium von Goma (OVG), etwa 18 Kilometer vom Krater entfernt. Er stampft mit dem Fuß auf den Boden: „Stellen sie sich vor, Sie hätten eine Eruption genau hier!“

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Sollte es dazu kommen, wird es für viele kein Entrinnen mehr geben. „Die Lava des Nyiragongo ist wegen des geringen Silikat-Anteils sehr flüssig. Sie fließt extrem schnell“, erklärt Nicole Bobrowski, eine Vulkanologin am Max-Planck-Institut Mainz. Bei einer Eruption 1977 maßen Forscher an den Flanken des Vulkans den schnellsten bekannten Lavafluss mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde.

Schwarzes Lava-Gestein ist aus dem Stadtbild Gomas spätestens seit der vernichtenden Eruption von 2002 nicht mehr wegzudenken. In unbefestigten Seitenstraßen stolpert man über Lava-Schotter, an vielen Ecken liegen Lava-Steine aufgetürmt, mit denen in den besseren Vierteln zum Beispiel Außenmauern von Grundstücken gebaut werden.

„Der Vulkan hat unser Haus komplett zerstört“, erinnert sich Saturnin Kambale Mwanamolo, ein Bewohner Gomas. „Unser ganzes Hab und Gut war von einem Moment auf den anderen vernichtet.“ Als die Eruption begann, flüchtete er noch im letzten Moment über die Grenze ins nahe Ruanda. Doch wie die meisten, die der Vulkan obdachlos machte, kam der heute 52-jährige Beamte schnell nach Goma zurück.

Die Menschen haben ihr Leben einfach wieder neu begonnen. „Wegmachen konnte man die erkaltete Lava nicht, es war viel zu viel. Deswegen haben wir das Haus einfach oben drauf gebaut“, sagt Kambale. Für den zweifachen Vater war nach dem Vulkanausbruch stets klar, dass er schnell zurückkehren würde. „Wohin sollten wir denn sonst gehen?“

Goma hätte im Grunde nie am Fuß des Vulkans errichtet werden sollen: Kaum eine Stadt der Welt könnte so leicht Opfer einer fatalen Naturkatastrophe werden. Doch Goma wächst unaufhaltsam. Die ärmsten Neuankömmlinge errichten sich am Stadtrand einfach aus Holz und Wellblech einen Verschlag auf der erkalteten Lava der letzten Eruptionen - die Stadt kriecht immer näher an den Vulkan.

Die Regierung erklärt, dass es für den Notfall einen Evakuierungsplan gebe. Doch die Behörden im Ost-Kongo sind schon im Normalzustand überfordert. Zudem sitzt Goma praktisch in der Falle: Im Norden thront der Vulkan, im Osten liegt die Grenze zu Ruanda, im Süden der Kivusee. Nach Westen gibt es nur eine unbefestigte Straße.

Forscher können nicht voraussagen, wann der Nyiragongo wieder ausbrechen wird und wie schlimm es sein wird. Das sicherste Zeichen einer bevorstehenden Eruption sind Erdbeben im Afrikanischen Grabenbruch, zu dem auch der Vulkan gehört. Dann kann es Tedesco zufolge sehr schnell gehen: „Wenn wir die Bevölkerung 24 Stunden vorher warnen können, dann wäre das schon nicht schlecht.“


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