Radiomacherin mit Blick auf die Bildebene

ORF-Radiodirektorin Monika Eigensperger im TT-Gespräch über Ziele, Sparmaßnahmen ohne „Tabu“ und das liebgewordene Funkhaus.

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Von Silvana Resch

Innsbruck –Die Österreicher hören nach wie vor viel Radio: 184 Minuten, drei Stunden täglich, sind es im Durchschnitt, wie der Radiotest 2016 ergab. Die ORF-Radioflotte konnte die Marktführerschaft behaupten und „ist mit 71 Prozent Marktanteil gut aufgestellt“, wie Monika Eigensperger, FM4-Chefin und seit 1. Jänner auch neue ORF-Radiodirektorin, im TT-Gespräch betont. Ö3, mit 33,2 Prozent Tagesreichweite unangefochtene Nummer eins am Markt, habe sogar einen Prozentpunkt dazugewinnen können. Und das trotz oder wegen der freiwilligen Verpflichtung, bei Ö3 mindestens 15 Prozent Österreich-Musik zu spielen. Die bereits vergangenes Jahr getroffene Vereinbarung mit heimischen Musikschaffenden freue „sie sehr“, sie habe dem Programm auch nicht geschadet, sagt Eigensperger. Der Sender FM4, den die 57-Jährige seit 21 Jahren leitet, hat Musik aus Österreich in den vergangenen Jahren mehr als 20 Prozent eingeräumt.

Dass die ORF-Radios 2017 mit einem niedrigeren Budget auskommen müssen, war bereits vor dem Amtsantritt der neuen Radiodirektorin klar. Eigensperger hatte das Budget gemeinsam mit ihrem Vorgänger Karl Amon erstellt: „Alle Bereiche und Abteilungen müssen ihren Beitrag leisten.“ Ö1 sei davon nicht stärker betroffen als die anderen Sender, versichert die Radiodirektorin. Gespart werden müsse „überall, da gibt es kein Tabu“.

Beim Kultursender steht heuer bekanntlich nicht nur eine Programmreform an, sondern auch das 50-Jahr-Jubiläum, zu dem auf Ö1 verschiedene Schwerpunkte geplant sind.

Mit den „sehr stabilen Zahlen“ der ORF-Radioflotte sieht Eigensperger insgesamt keinen Anlass für ruckartige Kursänderungen. Dass die einzelnen Sender weiterhin kreativ bleiben müssen, sei klar. Von Nachjustierungen bei Ö3 und FM4, wie sie der ehemalige ORF-Finanzdirektor Richard Grasl im Wahlkampf um den Posten des Generaldirektors gefordert hatte, hält sie wenig. Die „sehr aktiven, gut ausgebildeten Jungen“ sollen aber verstärkt über nonlineare Angebote erreicht werden. „Da werden wir unsere Bemühungen, soweit es im gesetzlichen Rahmen möglich ist, verstärken.“ Im Gegensatz zu FM4 und Ö1 fehlt bei Ö3 aber noch die Bewilligung für einen Sieben-Tage-Player. Die Beschränkungen, denen der ORF unterliegt, sind ein Nachteil für den Medien­standort Österreich, glaubt sie: „Attraktive Entwicklungen beleben den Markt.“

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Dass Musikexperten Strea­mingdienste zum neuen Radio erklärt haben, stimme zahlenmäßig jedenfalls „noch nicht“. Doch auch die erfolgreichen Streamingdienste hätten erkannt, „dass kompetente Empfehlungen in der schier endlosen musikalischen Angebotsvielfalt wichtig sind und haben deshalb eine Reihe von bekannten DJs und Radiomoderatoren abgeworben und engagiert“. Es seien die Nähe und Unmittelbarkeit, mit der Radio punkten kann.

Gegen den Verkauf des ORF-Funkhauses sind Gewerkschaft, Kunstsenat und Kulturschaffende in den vergangenen Jahren vergeblich Sturm gelaufen. „Manche Menschen mögen keine Veränderungen“, sagt Eigensperger, die Verständnis für die Bedenken der Mitarbeiter hat. Viele von ihnen, so wie sie auch, würden seit Jahren im Haus arbeiten und hätten es „liebgewonnen“. Die Überlegungen, die das Unternehmen künftig in einem anderen Workflow sehen, seien aber bereits vor ihrer Wahl zur Radiodirektorin angestellt worden.

Die geplante Zusammenführung aller Sender und „Channels“ am neu aufgestellten ORF-Zentrum am Küniglberg ist „ein Prozess, der in Entwicklung ist“. Der Stand der Dinge solle den Mitarbeitern transparent kommuniziert werden. Zu den aktuellen Verhandlungen um den Funkhaus-Verkauf wollte sich Eigensperger nicht äußern, Generaldirektor Alexander Wrabetz habe sich bereits in den letzten Wochen dazu geäußert.

In den nächsten fünf Jahren ihrer Funktionsperiode möchte die Wienerin die Radios „noch fitter für die Zukunft machen. Ich will die schon starke Crossmedialität weiter ausbauen und verstärktes Augenmerk auf die Auseinandersetzung mit der Bildebene lenken.“


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