Falscher Film als Sieger verkündet: Mega-Panne überschattet Oscars

Über Trump redet am Ende niemand mehr: Mit einer Verwechslung der Umschläge endet die Oscar-Verleihung im Chaos. Der Gewinner des Abends gerät dabei fast in den Hintergrund.

Das Coming-of-Age-Drama "Moonlight" von Barry Jenkins wurde zum besten Film gekürt.
© REUTERS/Lucy Nicholson

Los Angeles — So etwas hat es bei den Oscars noch nie gegeben: Das Team des Musicals „La La Land" steht in Hollywood bereits jubelnd auf der Bühne und feiert seinen Oscar für den besten Film. Doch dann bricht der Jubel jäh ab - denn nicht „La La Land", sondern das Schwarzen-Drama „Moonlight" hat den wichtigsten Preis des Abends gewonnen. Schuld an dem Durcheinander ist eine Riesenpanne mit verwechselten Umschlägen, in denen die Karten mit den Gewinnern stecken.

Die Hollywood-Legenden Warren Beatty und Faye Dunaway hatten den falschen Umschlag in den Händen und verkündeten daher zunächst auch den falschen Gewinner. Damit wird diese Oscar-Gala nicht - wie erwartet - mit Kritik an US-Präsident Donald Trump in Erinnerung bleiben, sondern mit dem Chaos der letzten Showminuten.

Er habe sich gewundert, dass auf dem Zettel „Emma Stone" und „La La Land" gestanden habe, sagte ein sichtlich geknickter Beatty (79) kurz nach der Panne. Deswegen zögerte er auf der Bühne wohl auch einige Momente, einen Gewinner zu verkünden. Die neben ihm stehende Dunaway (76) hingegen las dann einfach den Filmtitel ab: „La La Land". Offenbar hielten die Beiden aber noch den Umschlag der vorausgegangenen Kategorie in den Händen, bei der Emma Stone als beste Hauptdarstellerin gewonnen hatte.

Favorit erhielt sechs Oscars

Die Aufregung nach gut dreieinhalb Stunden Show verhinderte zunächst auch, dass der eigentliche Gewinner des Abends gebührend gefeiert wurde: Schließlich ist es durchaus eine kleine Sensation, dass „Moonlight" am Ende in der Königskategorie über „La La Land" triumphierte. Das Musical war zwar mit 14 Nominierungen als großer Favorit ins Rennen gegangen und wurde auch mit immerhin sechs Oscars ausgezeichnet - darunter auch Filmemacher Damien Chazelle für die beste Regie.

Verwirrung auf der Bühne: Nachdem "La La Land" als Gewinner des Oscars für den besten Film verkündet worden war, stellte sich heraus, dass ein Fehler passiert war. "Moonlight" bekam daraufhin den Oscar zugesprochen.
© AFP

Während „La La Land" aber ein charmantes, nostalgisches Werk mit einem gewissen Hang zur Realitätsflucht ist, kommt „Moonlight" deutlich realistischer und sozialkritischer daher. Das Werk des schwarzen Regisseurs Barry Jenkins erzählt vom Heranwachsen eines jungen schwulen Schwarzen in prekären Verhältnissen in Miami. Basierend auf wahren Erlebnissen spiegelt das Drama die sozialen Missstände in benachteiligten Vierteln von US-Städten - und ist gleichzeitig ein Meilenstein für das schwarze Kino, erzählt es doch wunderbar einfühlsam und berührend von seinem schwarzen Helden am Rande der Gesellschaft.

Die Oscars waren in diesem Jahr damit so schwarz wie selten zuvor: Auch die Preise für die besten Nebendarsteller gingen an Afroamerikaner (Viola Davis für „Fences" und Mahershala Ali für „Moonlight"), ebenso die Trophäe für das beste adaptierte Drehbuch („Moonlight"). Das ist ein wichtiges Signal aus Hollywood. Gerade auch, weil die Oscars im vergangenen Jahr so heftig kritisiert worden waren, nachdem in den vier begehrten Schauspielerkategorien keine Schwarzen nominiert worden waren.

Die Gewinner der 89. Oscar-Verleihung

  • Bester Film: „Moonlight" (Regie: Barry Jenkins)
  • Regie: Damien Chazelle für „La La Land"
  • Hauptdarsteller: Casey Affleck für „Manchester by the Sea"
  • Hauptdarstellerin: Emma Stone für „La La Land"
  • Nebendarstellerin: Viola Davis für „Fences"
  • Nebendarsteller: Mahershala Ali für „Moonlight"
  • Nicht-englischsprachiger Film: „The Salesman" (Regie: Asghar Farhadi, Iran)
  • Kamera: Linus Sandgren für „La La Land"
  • Original-Drehbuch: Kenneth Lonergan für „Manchester by the Sea"
  • Adaptiertes Drehbuch: Barry Jenkins für „Moonlight" nach einer Geschichte von Tarell Alvin McCraney
  • Schnitt: John Gilbert für „Hacksaw Ridge"
  • Filmmusik: „La La Land" von Justin Hurwitz
  • Filmsong: „City of Stars" aus dem Film „La La Land" von Justin Hurwitz, Benj Pasek und Justin Paul
  • Produktionsdesign: David Wasco und Sandy Reynolds-Wasco für „La La Land"
  • Tonschnitt: Sylvain Bellemare für „Arrival"
  • Tonmischung: Kevin O'Connell, Andy Wright, Robert Mackenzie und Peter Grace für „Hacksaw Ridge"
  • Spezialeffekte: Robert Legato, Adam Valdez, Andrew R. Jones und Dan Lemmon für „The Jungle Book"
  • Animationsfilm: „Zoomania" von Byron Howard, Rich Moore und Clark Spencer
  • Animations-Kurzfilm: „Piper" von Alan Barillaro und Marc Sondheimer
  • Dokumentarfilm: „O.J.: Made in America" von Ezra Edelman und Caroline Waterlow
  • Dokumentar-Kurzfilm: „The White Helmets" von Orlando von Einsiedel und Joanna Natasegara
  • Make-up/Frisur: Alessandro Bertolazzi, Giorgio Gregorini und Christopher Nelson für „Suicide Squad"
  • Kostümdesign: Colleen Atwood für „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind"
  • Kurzfilm: „Sing" von Kristof Deák und Anna Udvardy

Hiebe und Spitzen gegen Trump

Möglicherweise können die Preise dieses Jahres nun auch als Zeichen in Richtung Washington gewertet werden. Immerhin war es die erste Oscar-Show in der Ära Trump. Der große Schlag gegen dessen Politik blieb in dieser Nacht aber aus. Anders als bei den Golden Globes, wo Schauspielerin Meryl Streep im Januar klare Worte gegen Trump gefunden hatte, gab es bei den Oscars nur Hiebe und Spitzen gegen den Präsidenten - die hatten es teilweise jedoch durchaus in sich.

Moderator Jimmy Kimmel etwa witzelte, die Oscars hätten keine Toleranz für „fake news", nur für „fake tans", also künstliche Bräune. Außerdem bedankte er sich bei Trump: „Erinnert ihr euch noch an letztes Jahr, als alle meinten, die Oscars seien rassistisch?". Zwischen den Zeilen meinte er wohl: Gegen Trump waren selbst die vorigen Oscars harmlos.

„Toni Erdmann" geht leer aus

Politisch wurde es auch bei der Verleihung des Auslands-Oscars. Der Iraner Asghar Farhadi, der aus Protest gegen Trumps Einreisestopp nicht nach Hollywood gekommen war, gewann mit seinem Drama „The Salesman" den Preis und stach damit die deutsch-österreichische Koproduktion „Toni Erdmann" von Maren Ade aus. Farhadi, der 2012 für „Nader und Simin" bereits einen Oscar gewonnen hatte, ließ eine Erklärung verlesen. Darin hieß es: „Wer die Welt in Kategorien von 'Wir' und 'unsere Feinde' einteilt, schafft Angst." Filmemacher könnten Stereotype über verschiedene Nationalitäten und Religionen aufbrechen. „Sie erzeugen Empathie zwischen uns und anderen. Eine Empathie, die wir heute mehr brauchen denn je."

Oscar-Gewinner unter sich: Die Schauspieler Mahershala Ali, Emma Stone, Viola Davis und Casey Affleck mit ihren Statuen.
© REUTERS/Lucas Jackson

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Verwirrung auf der Bühne: Nachdem "La La Land" als Gewinner des Oscars für den besten Film verkündet worden war, stellte sich heraus, dass ein Fehler passiert war. "Moonlight" bekam daraufhin den Oscar zugesprochen.

© AFP/Mark Ralston

Umarmung: "La La Land"-Produzent Jordon Horowitz gratuliert Barry Jenkins zum Oscar für den besten Film, während Warren Beaty versucht, die Panne zu erklären.

© Reuters/Lucy Nicholson

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