Hightech-Smartphones und ein Urgestein beim Mobile World Congress

Das Smartphone ist vielen Menschen ein unverzichtbarer Begleiter im Alltag. Die Taktrate in der technischen Entwicklung der Multitalente ist enorm. Auf dem Mobile World Congress zeigen die großen Hersteller ihre neusten Ergebnisse. Manche legen aber auch eine kurze Verschnaufpause ein. Und das Kult-Handy Nokia 3310 feiert ein Comeback.

Das neue Nokia 3310 bekommt sogar ein ähnliches Design wie der Klassiker aus dem Jahr 2000 - und neben dem Spiel "Snake" auch den typischen Klingelton.
© AFP

Barcelona - Auf dem Mobile World Congress in Barcelona dreht sich heuer wie immer alles um brandneue Smartphone-Modelle und modernste Technologie rund um die mobile Nutzung des Internets. Alle großen Hersteller haben ihre aktuellen Flaggschiffe mit im Gepäck.

Beim Fast-Marktführer Samsung war allerdings Zurückhaltung angesagt. Dem südkoreanischen Konzern steckt noch sein jüngstes Debakel um das Vorzeige-Tablet Samsung Note 7 in den Knochen, das wegen Feuergefahr komplett vom Markt verschwand.

Samsung hält sich nach Debakel zurück

Wo früher viel Lametta, Pomp und Show war, präsentierte Samsung den Pressevertretern diesmal in recht nüchternem Ambiente neue Modelle - aus der Klasse der Tablets und Notebooks. Zum Start der Messe legte Samsung selbst noch einmal den Finger in die Wunde. „Die letzten sechs Monate waren die herausforderndsten in der Geschichte des Unternehmens“, sagte David Lowe von Samsung Europe. Jetzt gehe es darum, Vertrauen zurückzugewinnen. „Das geht aber nur mit Taten, nicht mit Worten.“

Ein ausführlicher Analysebericht, wie es zu dem feuergefährlichen Debakel hat kommen können, liegt inzwischen vor, erarbeitet gemeinsam mit unabhängigen Sachverständigen. Der Fehler lag demnach eindeutig bei den genutzten Lithium-Ionen-Batterien, nicht am Gerät selbst. Die Eile für einen rechtzeitigen Marktstart dürfte damals dabei mitentscheidend gewesen sein, denn Samsung wollte Apple im vergangenen Herbst eine Nasenlänge voraus sein. Inzwischen habe Samsung gemeinsam mit Forschungstreibenden ein umfangreiches Sicherungsprogramm aufgestellt. Künftig sollen nur noch Batterien verbaut werden, die ein neu geschaffenes Sicherheitslogo erhalten haben, erklärte Lowe.

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Dennoch beeilt sich Samsung, der Konkurrenz nicht allzu viel Zeit zu lassen. Für den 29. März kündigte der Konzern ein neues Smartphone an. In der Zwischenzeit belebt sich das Selbstbewusstsein mancher Rivalen weiter. So bekräftigte Huawei seine Ambitionen, die Nummer zwei im weltweiten Ranking über kurz oder lang überholen zu wollen. Das ist aktuell nicht mehr Apple, sondern Samsung. Der iPhone-Hersteller hatte mit kräftigen Verkäufen zum Weihnachtsgeschäft überrascht und verwies den vormaligen Weltrang-Ersten Samsung auf den zweiten Platz. Beobachter rechnen allerdings damit, dass sich die Südkoreaner noch in diesem Quartal den Spitzenrang zurückholen.

Huawei, LG und Sony Xperia

Die Zeiten sind vorbei, als sich chinesische Hersteller wie Huawei oder ZTE auf die Produktion von Mittelklasse-Telefonen spezialisierten, um Marktanteile zu erobern. Huawei präsentierte in Barcelona mit dem P10 und dem P10 Plus prächtige Premium-Modelle in hochwertiger Verarbeitung und Ausstattung. Bei der Vorstellung wurde Richard Yu, Chef der Consumer-Sparte, nicht müde, die Spezifikationen der Geräte mit denen von Apples iPhone zu vergleichen. Für die beste Farbgestaltung ließ sich der Konzern vom Pantone Institut beraten.

Huawei stellte seine neuen Smartphones P10 und P10 Plus vor.
© AFP

Während so manche Branchenbeobachter inzwischen die Meinung vertreten, dass das Smartphone mit leistungsfähiger Ausstattung und zahlreichen Features eigentlich zu Ende entwickelt ist, legen die Hersteller immer noch eines drauf. LG experimentiert mit seinem G6 etwa mit einem ungewöhnlichen Format, das die Bilder im 18:9 Format wiedergibt. Sony überraschte am Montag mit seinem Flaggschiff Xperia XZ, das erstmals Bilder in Ultra-HD-Auflösung (4K) und der Bildoptimierungs-Technik HDR wiedergibt.

Einfach-Handy Nokia 3310 kommt zurück

Unterdessen taucht ein Urgestein, das heute nahezu vom Markt verschwunden ist, aus der Versenkung wieder auf. Nokia zeigte auf dem Mobile World Congress neben drei Mittelklasse-Smartphonemodellen auch die Neuauflage eines alten einfachen Telefons, die bei vielen Nokia-Fans alte Erinnerungen wachrufen dürfte. Als hätte es die Entwicklung des Smartphones nie gegeben, kommt eine Neuauflage des Kult-Telefons Nokia 3310 auf den Markt.

Produziert wird es von dem finnischen Hersteller HMD, der die Namensrechte des Handy-Pioniers erworben hat. Das 3310 sieht ganz ähnlich aus, wie es viele Nutzer noch in Erinnerung haben dürften. Neben dem schlichten Telefonieren bietet das Handy auch eine aufgefrischte Version des legendären Spiels „Snake“ und den Nokia-typischen Klingelton. Und der Akku soll fast einen Monat lang im Standby durchhalten.

Fünf Fachbegriffe zum Mobile World Congress

- 5G: In Zeiten des explosiv steigenden Datenumschlags in den Netzen soll die Netzwerk-Technik der nächsten Generation die Lösung bringen. An den Standards wird noch gearbeitet - und darum gerungen, unter anderem zwischen westlichen und chinesischen Netzausrüstern. Aber klar ist schon mal, dass die Netze extrem flexibel gestaltet und auch Ausschläge beim Datenvolumen verdauen sollen. Zudem sollen die Reaktionszeiten extrem kurz sein, so dass selbst ein Auto per Funk gesteuert werden könnte. Die 5G-Netze dürften zum Jahr 2020 breit installiert werden.

- eSIM: Bis heute braucht man beim Wechsel des Mobilfunk-Anbieters auch eine neue Plastik-SIM-Karte. Mit der eSIM ändert sich das: Es ist ein fest im Gerät verbauter Chip, bei dem Netzbetreiber und Telefonnummer einfach per Funk geändert werden können. Das könnte Verbraucher dazu verleiten, beim Anbieter-Wechsel entschlossener als heute zu handeln. Bisher kommen eSIM vor allem in Autos und Industriemaschinen zum Einsatz, mit einer Ausbreitung in Smartphones wird erst in einigen Jahren gerechnet.

- NFC: Die Abkürzung steht für die Funktechnik „Near Field Communication“. Sie wurde bereits 2002 entwickelt. Beim Einsatz von NFC in der Praxis wird ein Chip an ein Lesegerät gehalten. NFC-Chips finden sich unter anderem in Bank- oder Zutrittskarten sowie in diversen Smartphones. Die Energie für die Übertragung erhält der Chip vom elektromagnetischen Feld des Lesegeräts. Auf Basis der Technik werden aktuell unter anderem Smartphone-Bezahldienste aufgebaut.

- OLED: Es ist eine Display-Technik mit organischen Elementen, die große Vorteile gegenüber den heute dominierenden LCD-Bildschirmen bietet. Das Bild ist kontrastreicher, zudem sind OLED-Displays nur wenige Millimeter dünn. Das hat allerdings auch seinen Preis: Obwohl die Hersteller die Kosten in den vergangenen Jahren deutlich senken konnten, sind OLED-Fernseher immer noch deutlich teurer. Dafür kommen sie in Smartphones und Computer-Uhren zum Einsatz.

- HDR: Die als „High Dynamic Range“ bekannte Technologie kannte man zunächst vor allem aus der Fotografie. Es geht darum kontrastreichere Bilder zu bekommen, die sowohl helle als auch dunkle Details gleichmäßig gut darstellen. Inzwischen wird die Technologie auch bei Fernsehgeräten eingesetzt - und kommt nun auch auf Smartphone-Bildschirme, zum Beispiel im neuen LG-Flaggschiff G6.


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