Frauenpower, Fettnäpfchen, Leidenschaft und Botox

Die frühere Landeshauptmannstellvertreterin Elisabeth Zanon sorgte bei der Zeitzeugen-Serie von TT, ORF und Casino für einen übervollen Saal.

Früher war Politik für die „das Letzte“, dann gestaltete Elisabeth Zanon das land 14 Jahre lang „mit Leidenschaft“ mit.
© Thomas Boehm / TT

Von Alois Vahrner

Innsbruck –Etwa 300 Interessierte drängten sich Montagabend ins randvolle Casineum in Innsbruck, um beim Zeitzeugen-Gespräch von Moderator und Erfolgsautor Bernhard Aichner mit Elisabeth Zanon dabei zu sein.

Zanon wurde am 13. Juni 1955 geboren, als fünftes von acht Kindern von Altlandesrat Fridolin Zanon (ÖVP) und dessen Frau Elisabeth. „So viele Kinder waren damals in Osttirol völlig normal, mit sechs Kindern galt man fast als Kleinfamilie.“

Moderator und Autor Bernhard Aichner (sitzend links) und Elisabeth Zanon mit ORF-Landesdirektor Helmut Krieghofer (stehend links), Moser Holding-Vorstandschef Hermann Petz und Casino Innsbruck-Direktor Hannes Huter.
© Thomas Boehm / TT

Als Kind sei sie „extrem schüchtern und völlig unauffällig“ gewesen – und auch keine gute Schülerin. In Geografie habe sie einmal einen Vierer bekommen, weil sie wie ihr Vater nicht gegen das von der ÖVP forcierte und vom Lehrer strikt abgelehnte Dorfertal-Kraftwerk war. Und in Religion setzte es sogar einmal eine Mahnung, weil sie den Inhalt mancher der Zehn Gebote in Frage gestellt hatte. Dass der Vater Spitzenpolitiker war, habe ihr weit mehr Nach- als Vorteile gebracht, so Zanon. „Das war vielfach eine Qual, Politik war für mich daher das Letzte.“

Zunächst wollte Zanon Gartenbau-Architektin werden, da war der Vater dagegen. Und der Wunsch der Großmutter, sie solle Klosterfrau werden, „wäre keinesfalls das Richtige für mich gewesen“.

Zanon entschied sich für ein Medizinstudium in Innsbruck. Auch „fast aus Trotz“, weil ihr das einige nicht zugetraut hätten. Als Studentin bekam sie Tochter Dorothea. Zanon war Alleinerzieherin, stark unterstützt von ebenfalls in Innsbruck studierenden Geschwistern. Nach dem Turnus in Lienz begann Zanon an der Innsbrucker Klinik eine Facharztausbildung für plastische und Wiederherstellungschirurgie. 1993 eröffnete sie ihre eigene Praxis. Ein Jahr später bekam sie den Anruf aus dem Büro von LH Wendelin Weingartner, dass er sich gerne mit ihr in ihrer Praxis treffen würde. Sie dachte fast, Weingartner wolle sich verschönern lassen, aber dieser bot ihr den Posten der Gesundheitslandesrätin an. Und nach einigem Zögern nahm sie an. „Wir Frauen können uns nicht immer beklagen, dass es keine Chancen gibt, und wenn dann eine da ist, dann sagen wir ab.“ Zusammen mit Eva Lichtenberger (Grüne) war sie mit 38 die erste Landesrätin Tirols. „Anfangs bin ich immer wieder mit dem Kopf voraus in Fettnäpfchen gesprungen.“ In der Medizin habe man sofort ein Ergebnis, in der Politik sei vieles Ritual und ein Puzzlespiel. „Wenn du ein Problem löst, gibt es dadurch vielleicht 1000 neue.“ Zanon, die stets mit Top-Beliebtheitswerten glänzte, freut sich über etliche Erfolge bei der damaligen Wohnbau-Milliarde, der Gesundheitspolitik oder auch der Gender-Regelung in Tirol.

Nach herben ÖVP-Verlusten bei der Landtagswahl 2008 kündigte sie noch am Wahlabend an, dass sie sich die Nachfolge von Herwig van Staa als Landeshauptfrau zutraue. „Ich wusste, dass meine politische Karriere vorbei ist und wollte wenigstens laut abtreten.“ Sie habe immer leidenschaftlich Politik gemacht, der Abschied sei leider nicht besonders nobel verlaufen.

Zanon musste sich umorientieren und kniete sich mit großem Einsatz in die Auffrischung ihrer medizinischen Kenntnisse. „Ich habe mich wieder zurückgearbeitet.“ Heute führt sie zusammen mit zwei weiteren Ärzten (u. a. Carlo Hasenöhrl) eine sehr erfolgreiche Praxis. Auch in der plastischen und Schönheitsmedizin gehe es um moralische Maßstäbe. „Jede OP ist letztlich auch eine Körperverletzung.“ Sie mache sicher nicht alles, der Schaden (etwa durch eine Brustvergrößerung) dürfe nie größer als der Nutzen sein. Wie sie selbst zugibt, ließ sich Zanon selbst die Oberlider bereits vor Langem verschönern, auch Botox und Hyaluronsäure gegen Falten wende sie an.

Seit 2012 ist Zanon Vorsitzende der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft. „Ich wollte nach der Politik immer etwas Ehrenamtliches machen.“ Der Bau eines Kompetenzzentrums in Hall ist ein großes Projekt. „Das Hospiz-Ziel für ganz Tirol ist, dass Menschen, auch wenn es keine Heilung mehr gibt, möglichst gut leben können – und das bis zum letzten Atemzug.“

Das Zeitzeugen-Gespräch mit Elisabeth Zanon wird diesen Sonntag (5. März) ab 20 Uhr in der ORF-Radio-Tirol-Sendung „Schalldämpfer“ ausgestrahlt.


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