Ahonen: „Man hat versäumt, sich um den Nachwuchs zu kümmern“

Im Alter von 39 Jahren gibt Skisprung-Legende Janne Ahonen nicht nur auf den Schanzen Gas. Manchmal scheint das dem Finnen selbst unheimlich. Bei der WM glaubt er auf der Heimschanze an seinen Vorteil.

Janne Ahonen geht auch mit 39 Jahren seiner Leidenschaft, dem Skispringen, nach.
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Lahti – Viel hat sich verändert im Leben von Janne Ahonen. Eines nicht: Der Rekord-Tourneesieger (fünf Mal) ist der Fan-Liebling der Finnen, auch wenn er seit 2008 kein Springen mehr gewinnen konnte. Mit der TT sprach der als Schweiger bekannte 39-Jährige über sein neuerliches Comeback, seine Chancen von der Großschanze am Donnerstag und seine Adrenalinsucht.

Warum sind Sie zum dritten Mal zurückgekehrt?

Janne Ahonen: Es ist einfach ein Traum eines jeden Athleten, Weltmeisterschaften daheim zu erleben. Es ist etwas ganz Besonderes für mich, weil ich es 2001 schon einmal erleben durfte und jetzt eine zweite Chance habe. Das Sprungzentrum ist nur zehn Kilometer von meinem Haus entfernt.

Sehen Sie das als Vorteil?

Ahonen: Wenn man in guter Form ist, dann kann man auf jedem Profil springen. Wenn man nicht auf dem hohen Level springt, auf dem man gerne wäre, dann ist es auf der Heimschanze leichter. Und die große Schanze hat noch ein altes, eigenes Profil.

Ihr Trainer Andreas Mitter aus Österreich traut Ihnen eine Überraschung zu.

Ahonen: Ich denke noch nicht zu viel darüber nach. Aber natürlich kann ich hier besser abschneiden als auf anderen Schanzen. Es wäre schön, wenn ich wieder auf dem Podium stehen könnte. Ich bin überzeugt, dass es möglich ist. Aber früher habe ich nicht das Skispringen genossen, sondern nur die Erfolge. Ich hatte durch die vielen Termine keine Zeit. Das hat sich geändert: Jetzt genieße ich das Skispringen.

Inwiefern hat Ihnen der Trainerwechsel im vergangenen Sommer geholfen?

Ahonen: Wenn man Input aus einem anderen Land bekommt, dann ist das etwas Neues. Fürs finnische Skispringen ist es sehr gut, dass Andi zu uns gekommen ist. Etwas Besseres hätte uns nicht passieren können. Jetzt befinden wir uns auf einem guten Weg.

Mitter hat ein am Boden liegendes Team übernommen ...

Ahonen: Als ich und Matti Hautamäki an der Spitze standen, hat man es versäumt, sich um den Nachwuchs zu kümmern. Wir haben die Medaillen geholt. Als wir unsere Karrieren beendeten, haben sie plötzlich festgestellt, dass sie keine Springer mehr haben. Erst jetzt kommen wieder welche nach, so wie mein Sohn Mico. Die Zukunft wird wieder gut, aber das dauert noch.

Mit ihrem 15-jährigen Sohn wären Sie gerne beim Teamspringen gestartet. Warum hat es nicht geklappt?

Ahonen: Die WM findet noch ein oder zwei Jahre zu früh statt. Er ist Vorspringer hier. Er muss sich noch ein wenig entwickeln, muss noch männlicher werden, er ist doch noch sehr kindlich. Aber ich würde schon jetzt behaupten, dass er besser wird als ich.

Wie Sie fährt Mico im Sommer Dragsterrennen (Beschleuningsrennen auf geraden Strecken, Anm.).

Ahonen: Ja, er hat sogar die Junior-Meisterschaften gewonnen. Mein zweiter Sohn fährt auch.

Was sagt Ihre Frau dazu?

Ahonen: Natürlich ist sie aufgeregt, aber sie liebt beide Sportarten.

Und Sie sind ein richtiger Adrenalinjunkie?

Ahonen: Es sieht so aus. Das ist verrückt. Meine persönliche Höchstgeschwindigkeit liegt bei 500 km/h. Dragsterrennen sind gefährlicher als Skispringen.

Sie stehen inzwischen seit zwei Jahrzehnten im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Mehr Fluch als Segen oder wie gehen Sie mit Ihrer Popularität um?

Ahonen: Mit dem Alter ist es für mich leichter geworden. Als 20-Jähriger hat es mich nervös gemacht, dass mich jeder erkannt hat und ein Foto mit mir machen wollte. Mittlerweile gehört das eben dazu. Es macht mir nichts mehr aus. Ich stehe auch bei der Heim-WM mehr im Fokus und mehr unter Druck, aber ich versuche einfach, es als positive Herausforderung anzunehmen und positive Energie daraus zu ziehen.

Das Gespräch führte Susann Frank


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