Kein eigenes Jugendgefängnis in Wien geplant

Wien (APA) - Wien wird kein eigenes Jugendgefängnis bekommen. Britta Tichy-Martin, Sprecherin des Justizministeriums, bestätigte am Dienstag...

Wien (APA) - Wien wird kein eigenes Jugendgefängnis bekommen. Britta Tichy-Martin, Sprecherin des Justizministeriums, bestätigte am Dienstag der APA entsprechende Medienberichte. Auch weil die in der Justizanstalt Josefstadt gesetzten Maßnahmen für jugendliche Insassen ausreichend seien, sei eine Jugendstrafanstalt in Wien nicht nötig.

„Das ist bereits relativ lange kein Thema mehr, da die Justizanstalt für Jugendliche Gerasdorf in unmittelbarer Nähe zu Wien zu einem Jugendhaft-Kompetenzzentrum umgebaut wird“, sagte Tichy-Martin. Die Justizanstalt Gerasdorf sei bereits jetzt auf die Resozialisierung von Jugendlichen spezialisiert und solle noch weiter optimiert werden.

Insbesondere würden zusätzliche Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die jugendlichen Insassen geschaffen werden. Die Finanzierung für die verschiedenen Baumaßnahmen in Gerasdorf sei gesichert, so die Ministeriumssprecherin. Die Umsetzung erfolge in Etappen und werde bis zu drei Jahre - spätestens bis ins Jahr 2020 - dauern.

Auch das „eigens eingerichtete Jugenddepartment“ der Justizanstalt Wien-Josefstadt leiste gute Arbeit, so Tichy-Martin. Der Bereich für Jugendliche sei etwa „vollkommen abgeschlossen vom Erwachsenenvollzug“. Neben speziell geschulten Justizwachebediensteten seien unter anderem externe Therapeuten, Sozialarbeiter, Lehrer und Psychologen im Einsatz.

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Scharf kritisiert wird die Entscheidung gegen ein Jugendgefängnis in Wien von SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim. Er finde sie „zutiefst bedauerlich“ und hoffe, dass dies „nicht das letzte Wort“ gewesen sei. Aus mehreren Gründen halte er ein Jugendgefängnis für wichtig. Der familiäre Ansatz etwa spiele bei der Unterbringung jugendlicher Straftäter eine bedeutende Rolle.

Insgesamt habe eine derartige Einrichtung auch positive Folgen auf die allgemeine Sicherheitslage, betonte Jarolim am Dienstag gegenüber der APA, die Qualitätssteigerung werde jedoch nicht im entsprechenden Ausmaß erkannt. „Man darf hier keine finanziellen Gründe haben, sondern muss Prioritäten setzen. Ich würde an den Justizminister appellieren, eine solche Entscheidung zu überdenken.“


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