„Wir werden eingeschnürt“

Die Kartierung der landwirtschaftlichen Vorsorgeflächen stößt den Bürgermeistern sauer auf: In Karres etwa sieht der Dorfchef in dieser Form keine Entwicklungschancen.

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Von Alexander Paschinger

Karres –„Nein“, sagt der Bürgermeister von Karres, Willi Schatz, „das habe ich ihnen nicht unterschrieben. Ich werde mich weiterhin wehren.“ Es geht um das Regionalprogramm zur Festlegung von landwirtschaftlichen Vorsorgeflächen für die Gemeinde Karres. Dieser vom Land erarbeitete Abgrenzungsentwurf frisst sich von Osten und Westen direkt in den Ort hinein. „Da werden wir total eingeschnürt“, schüttelt Schatz den Kopf. Er brauche aber das Zugeständnis, dass die Vorsorgeflächen nicht direkt bis an die Häuser reichen – „wir müssen ja unseren jungen Leuten auch Bauland zur Verfügung stellen können“.

Es komme ihm „gerade so vor, als ob man die kleinen Gemeinden aushungern möchte“. Freilich stehen er und der Gemeinderat „zu 100 Prozent hinter der Landwirtschaft“. Aber es gebe ja auch schon Pachtflächen in Karres, die von Tarrenzern oder Imsterbergern bewirtschaftet werden. Ihm gehe es „um den Erhalt des Dorfcharakters“, dass neues Siedlungsgebiet an die bestehenden Häuser angeschlossen werden soll. Den Gegenvorschlag der Behörde, im Wald nordwestlich des Dorfkerns neue Baugründe zu erschließen, weist der Bürgermeister zurück: „Dort ist ja das versunkene Dorf in der Nähe, eine uralte Siedlung, die von einer Mure zerstört wurde.“

Seine und die Einwände von Raumplaner Andreas Mark hätten jedenfalls bei der Zusammenkunft mit Vertretern der überörtlichen Raumordnung nicht gefruchtet. Der Gemeinderat hat sich deshalb mittlerweile einstimmig gegen den Abgrenzungsentwurf ausgesprochen. „Die Möglichkeit der Schaffung eines neuen Siedlungsgebietes muss seitens des Amtes der Tiroler Landesregierung zugesichert werden“, ist im letzten Sitzungsprotokoll festgehalten.

Die Kartierung der Vorsorgeflächen bereitet nicht nur Karres Sorgen, wie Raumplaner Mark erklärt. Auch Karrösten kämpft mit den vorgelegten Grenzen. „Die Vorsorgeflächen stellen ein enges Korsett dar. Es ist schwierig.“

Das bestätigt auch der Imster Stadtchef Stefan Weirather: „Der Plan gefällt uns in dieser Form nicht. Wenn das überall so passiert, müssen wir auf die Barrikaden gehen – sonst werden wir eingekesselt.“

Die Forderung nach landwirtschaftlichen Vorsorgeflächen kommt eigentlich aus dem bäuerlichen Bereich. Der Tarrenzer Bürgermeister Rudolf Köll, zugleich auch Obmann der Bezirkslandwirtschaftskammer, sitzt zwischen zwei Stühlen: „Die Vorsorgeflächen sind aber schon hart an der Grenze, die reichen bei uns an die Hausmauern.“ Er will für Tarrenz „vier, fünf Flächen ausnehmen“, die nicht in den Schutz des Programmes fallen. „Landwirtschaftsflächen sind durch Lärm und Düngen ja auch konfliktträchtig.“


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