Zigaretten sind bei Bränden die häufigste Todesursache

Der Tod von Chryseldis Hofer-Mitterer bei einem Wohnungsbrand ist kein Einzelfall: Als Raucherin zählte die Künstlerin zur Risikogruppe.

Feuerwehrmänner in der ausgebrannten Wohnung der Haller Künstlerin Chryseldis Hofer-Mitterer.
© Zoom-Tirol

Von Thomas Hörmann

Innsbruck — Eine im Bett gerauchte Zigarette: Das war am Montag die Ursache für einen Wohnungsbrand in Hall. Und in weiterer Folge für den tragischen Tod der Künstlerin Chryseldis Hofer-Mitterer, die TT berichtete. Die 67-Jährige erlitt beim Brand in ihrer Haller Altstadt-Wohnung so schwere Verletzungen, dass sie am Dienstag in der Innsbrucker Klinik starb.

Das Schicksal der Malerin ist kein Einzelfall. Ganz im Gegenteil. „Wenn Menschen bei Bränden ums Leben kommen, sind oft Zigaretten im Spiel", sagt Bernhard Stibernitz, Leiter der Tiroler Landesstelle für Brandverhütung: „Auch wenn wir keine genauen Statistiken zum Thema Rauchen führen, steht fest, dass Zigaretten die häufigsten Auslöser für tödliche Brände sind." Besonders gefährlich wird's, wenn sich Nikotinkonsumenten eine Gutenacht-Zigarette im Bett gönnen. Wehe, sie schlafen dabei ein. „Wer schläft, riecht fast nichts", sagt Stibernitz: „Und das bedeutet, dass der Brandgeruch nicht oder nur schwach wahrgenommen werden kann." Das Gehör funktioniert im Schlaf deutlich besser. Aber wenn die Flammen knistern und den Schläfer wecken, „kann es schon zu spät sein", so Stibernitz weiter

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Bei Bränden besonders gefährdet sind ältere Menschen: „Die meisten Todesopfer kommen aus dieser Bevölkerungsgruppe", erklärt der Chef der Brandverhütung. Das Risiko, bei einem Brand ums Leben zu kommen, sei für Senioren 30- bis 40-mal höher als für jüngere Menschen. Dabei spielen die im Alter sinkende Mobilität oder auch Gehbehinderungen eine große Rolle, ebenso wie die nachlassende Sinneswahrnehmung. Ältere Raucher leben besonders gefährlich. Besonders dann, wenn sie an Demenz leiden und „vergessen", wo sie sich die letzte Zigarette angezündet haben. Ähnlich ungesund ist unabhängig vom Alter die Kombination von Zigaretten und Alkohol. Betrunkene neigen zum „Vergessen" bzw. zum plötzlichen Einschlafen. Und schon brennt das Bett.

Aber unabhängig vom Alter rät Stibernitz allen Nikotinfans, in den eigenen vier Wänden Rauchmelder zu installieren.

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„Offenes Licht" (darunter fallen auch Zigaretten) war 2015 die mit Abstand häufigste bekannte Brandursache in Tirol. 17 Prozent der Brände fielen in diese Kategorie.

Zuletzt löste ein relativ neues Phänomen vermehrt Feuerwehr-Einsätze aus, das ebenfalls mit dem Rauchen zu tun hat: der Anbau von Marihuana in den eigenen vier Wänden. „Die so genannten Grow-Boxen (Wachstumskästen, in denen die illegalen Pflanzen gezüchtet werden; Anm.) enthalten einiges an Technik", erklärt Stibernitz. Und wenn die Wärmelampen, Lüfter etc. in Eigenregie und daher möglicherweise nicht ordnungsgemäß installiert werden, kann es zu technischen Problemen und in weiterer Folge zu Bränden kommen.


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