Deutsche Börse will umtriebig bleiben - Auch ohne LSE

London/Frankfurt (APA/Reuters) - Die Deutsche Börse will trotz des absehbaren Scheiterns der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) kein...

London/Frankfurt (APA/Reuters) - Die Deutsche Börse will trotz des absehbaren Scheiterns der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) keinen Gang zurückschalten. „Stehenbleiben ist keine Option – das hat nicht nur die Geschichte der Börse, sondern auch die Geschichte Frankfurts immer wieder gezeigt“, sagte Vorstandschef Carsten Kengeter am Mittwoch in Frankfurt. „Unser Blick richtet sich natürlich nach vorne.“

Sein Ziel bleibe es, das Unternehmen in die internationale Spitzengruppe zurückzuführen. „Denn da gehört die Deutsche Börse hin.“

Bei der Marktkapitalisierung ist die Deutsche Börse in den vergangenen Jahren vom ersten auf den vierten Platz zurückgefallen - hinter die US-Konkurrenten CME und ICE sowie die Hongkong Exchanges. Kengeter hatte im vergangenen Jahr mehrfach gewarnt, der Konzern werde in dem Ranking weiter abrutschen - und müsse deshalb eine Verbindung mit der LSE und der Finanzmetropole London eingehen. „Wenn wir diese Brücke nicht bauen, werden wir abgehängt.“

Doch die Fusion mit der LSE ist seit Sonntagabend so gut wie tot. Die Londoner wollen eine Auflage der EU-Kommission zur Freigabe der deutsch-britischen Börsenhochzeit nicht erfüllen. In der Folge werden die Wettbewerbshüter den gut 25 Mrd. Euro schweren Zusammenschluss aller Wahrscheinlichkeit nach untersagen. „Es ist für mich müßig, darüber zu spekulieren, was die Gründe für die Entscheidung unseres Fusionspartners sind“, sagte Kengeter am Mittwoch. Aber ein Abschluss der Transaktion werde nun natürlich unwahrscheinlicher. „Wir bedauern die Entscheidung.“ In Frankfurt und Brüssel gehen viele davon aus, dass die LSE die Fusion zu Fall bringt, weil sie keine Diskussion darüber führen will, ob der Holdingsitz der Megabörse wegen des Brexit von London nach Frankfurt verlagert werden muss.

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Auch ohne die LSE sieht Kengeter die Deutsche Börse auf Kurs. „Wir fühlen uns als Unternehmen selbst für die Zukunft sehr gut gerüstet.“ Bereits an den Geschäftszahlen 2016 habe man ablesen können, dass Deutschlands größter Börsenbetreiber Fortschritte mache.

Zudem deutete Kengeter an, dass er keinen Anlass sieht, wegen der gescheiterten LSE-Fusion abzutreten. Mit seinem im Sommer 2015 vorgelegten Umbauprogramm „Accelerate“ sei das Unternehmen auf einem guten Weg, sagte der 49-Jährige. „Wir arbeiten weiter mit Hochdruck an dieser Strategie – da wird sich nichts dran ändern.“ Das Wachstumssegment Scale, das die Deutsche Börse am Mittwoch eröffnete, sei ein gutes Beispiel für die Weiterentwicklung des Konzerns.

Auch innerhalb des Unternehmens gehen die meisten von einem Verbleib Kengeters aus, sofern sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen ihn wegen des Verdachts auf Insiderhandel nicht erhärten. Ansonsten müsse man nun abwarten, bis die Fusion von der EU-Kommission im März oder April offiziell untersagt werde, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Person. Anschließend werde sich das Unternehmen sicher wieder mit Zukaufsmöglichkeiten beschäftigen.

~ ISIN DE0005810055 WEB http://deutsche-boerse.com ~ APA364 2017-03-01/14:08


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