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“Der Islam war im Mittelalter viel offener als heute“

Der Andrang auf das erst wenige Tage alte Islamportal der Universität Innsbruck ist groß. Vielen Menschen fehlt es an Grundkenntnissen über die Religion.

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Von Brigitte Warenski

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Innsbruck — „Der Andrang ist viel größer, als wir gedacht haben", sagt Zekirija Sejdini, Professor für Islamische Theologie an der Universität Innsbruck, der das Islamportal www.islamportal.at leitet.

Er und sein sechsköpfiges Team wissen, was die dringendsten Fragen rund um die Religion sind. „Es sind vorrangig nicht falsche Informationen, die wir klären können. Es zeigt sich vielmehr, dass die Menschen nicht einmal Grundkenntnisse über den Islam haben, was teilweise verständlich ist", sagt Sejdini. So wüssten viele Menschen gar nicht, dass es zahlreiche Übersetzungen des Korans gibt. Bei Nicht-Muslimen geht es vor allem auch um die Frage der Gewalt, mit der der Islam durch die jüngsten Ereignisse in Verbindung gebracht wurde. „Man will wissen, ob es im Koran Gewaltverse gibt und wenn ja, wie man im Islam damit umgeht." Sej­dini und sein Team erklären auch ausführlich, „dass es keine homogene islamische Gruppe Gläubiger gibt, weil der Islam u. a. am Balkan, in Somalia und in Indonesien anders praktiziert wird." Oft existiert zudem das Missverständnis, dass der Islam etwas Statisches sei und man den Koran nicht interpretieren dürfe, „weil darin das Wort Gottes geschrieben steht und man das nicht auslegen darf. Das stimmt natürlich nicht, denn sobald man denkt, interpretiert man ja eine Sache bereits", sagt Sejdini.

Am Herzen liegt den Islamexperten, zu zeigen, wie sich die Religion im Lauf der Geschichte verändert hat. „Der Islam verändert sich wie jede Religion und dabei sind Dinge — ausgenommen von gewissen Grundprinzipien — ständig im Wandel", so Sejdini. Wenn sich Diskussionen entwickeln, in denen es um die Frage geht, „ob der Islam mit europäischen Werten kompatibel ist, ob er eine Trennung zwischen Staat und Kirche vorsieht und wie es um die Religionsfreiheit und Menschenrechte steht, verweise ich gern darauf, dass die islamische Theologie im Mittelalter in dieser Richtung viel weiter war. Man war z. B. unter anderem viel offener gegenüber der Wissenschaft als heute."

Über die Geschichte des Islam wissen selbst viele Muslime nicht viel: „Es stimmt nicht, dass alle Muslime ihre Religion in- und auswendig kennen. Viele haben nur das Wissen, das sie von ihren Vätern übernommen haben und praktizieren die Religion in der Form, wie es ihnen am besten möglich ist", erklärt Sejdini. Diese und weitere Themen werden im Islamportal abgehandelt „und wir versprechen, dass auch heikle und kritische Fragen beantwortet werden. Wir bitten nur um Geduld, denn unser Zeitbudget ist natürlich beschränkt."

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