Innsbrucker Anatomie: Leichen identifiziert

Innsbruck – Das hochkarätig besetzte Expertenteam, das die Rolle des Anatomischen Instituts in Innsbruck in der NS-Zeit lückenlos aufarbeite...

Leicheneingangsbücher liegen auch in Innsbruck detailliert vor. Im Anatomie-Museum sollen keine NS-Opfer ausgestellt sein.
© thomas boehm

Innsbruck –Das hochkarätig besetzte Expertenteam, das die Rolle des Anatomischen Instituts in Innsbruck in der NS-Zeit lückenlos aufarbeiten soll, ist mitten in den Recher­chearbeiten. Wie berichtet, hatte ein Erlass der Nationalsozialisten geregelt, dass anatomische Institute Anspruch auf die Leichen Hingerichteter für die Ausbildung von Medizinstudenten hatten. Zudem wurde die Anatomie in Innsbruck mit Toten aus Arbeits- und Kriegsgefangenenlagern versorgt. Bei der Identitätsfeststellung von Kriegsgefangenen gab es bereits erste Ergebnisse, erzählt Erich Brenner, Direktor der Anatomie und Projektkoordinator. „Leichenbücher und Beerdigungsakten wurden mit Namen in Moskauer Archiven abgeglichen. Das hat dazu geführt, dass einige bislang anonyme Kriegsgefangene, von denen nur die Lagernummer bei uns bekannt war, identifiziert werden konnten.“ Derzeit werden laut Brenner auch österreichische Archive durchforstet „und ganz aktuell wird nun ein Fokus auf deutsche Archive gelegt. Diese Recherchen sind noch im Gang.“ Zudem sollen in diversen Archiven die Biographien der damaligen Mitarbeiter des In­stituts durchleuchtet und verfeinert werden. Das Expertenteam, dem u. a. die bekannte Medizinhistorikerin und Anatomin Sabine Hildebrandt angehört, plant, erste Teilergebnisse im Herbst zu publizieren. (wa)


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