Banken: Bei schnellem Zinsanstieg vom „Regen in die Traufe“

Die Rufe nach dem Ende der Nullzinspolitik werden lauter, doch die Notenbanker bremsen. Aber auch Banken warnen vor einem zu schnellen Ausstieg.

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Spitzmarke – Seit im Februar die Inflation in der Eurozone erstmals seit vier Jahren auf die magische Marke der Euro-Währungshüter von 2 Prozent geschossen ist, ist die Debatte um die EZB-Zinsen neu in Gang gekommen. Rufe nach dem Ende der Nullzinspolitik werden lauter. Notenbanker bremsen. Aber auch heimische Banken warnen vor zu schnellen Schüssen: Damit käme man vom Regen in die Traufe.

Es sei zu früh, um jetzt eine Entwarnung auszurufen, auch wenn man jetzt vor allem durch die Ölpreisentwicklung etwas höhere Inflationsraten sehe, sagte am Dienstag die ehemalige österreichische EZB-Direktorin Gertrude Tumpel-Gugerell bei einer Diskussion, bei der nach der Abkehr von der Nullzinspolitik gefragt wurde.

Noch nicht alles in trockenen Tüchern

Doris Ritzberger-Grünwald, Chef-Volkswirtin der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), ist etwas unglücklich, weil die Inflationsraten in der Eurozone zur Zeit ausschließlich von Energiepreisen getrieben sind. Die Effekte von OPEC-Beschlüssen hätten sich in der Vergangenheit nie so schnell auf die Inflationsraten niedergeschlagen. Die Teuerungs-Zielmarke von knapp unter 2 Prozent würde von der Europäischen Zentralbank (EZB) ja für den mittelfristigen Schnitt angepeilt. Sie stelle nicht auf ein alleiniges Touchieren der 2-Prozent-Marke in einem einzelnen Monat ab.

Die Maßnahmen der EZB - Zinspolitik, milliardenschweres Anleihe-Aufkaufsprogramm - hätten gewirkt, befand Ritzberger-Grünwald. Noch sei man aber nicht da, wo man vor der Krise war. Noch sei nicht alles in trockenen Tüchern.

Die EZB pumpt über Anleihenkäufe weiter Milliarden in die Wirtschaft, das soll den Banken die Kreditvergabe erleichtern. Das Aufkaufsprogramm soll jedenfalls bis Jahresende laufen.

„Die Niedrigzinspolitik tut weh“

Natürlich müsse man sich „auf die Zeit nach dem quantitative easing“ vorbereiten, wenn also die EZB im Anleihemarkt nicht mehr so aktiv sei, so Tumpel-Gugerell. Jetzt gehe es aber um Konsolidierung. 2017 sei ein entscheidendes Jahr, allerdings weniger von der Geldpolitik geprägt als von der politischen Debatte. Mit der US-Notenbank Fed, die zuletzt schon zweimal die Zinsen angehoben hat, will sie keinen Vergleich: „Jede Region muss für sich entscheiden.“

Die Geschäftsbanken beklagen sich seit Jahren bitter über den Ertragsdruck durch die historisch tiefen Zinsen. „Die Niedrigzinspolitik tut uns wirklich weh, auch den Versicherungen“, fasste Herta Stockbauer, Vorstandschefin der börsennotierten Bank für Kärnten und Steiermark (BKS), die Position der Finanzhäuser zusammen. Man hoffe auf höhere Zinsen, wünsche sich die dann aber auch nicht allzu zu rasant.

Das träfe Kreditnehmer in Österreich ganz besonders. Denn hier sind, anders als in Deutschland, die meisten Kredite variabel verzinst. Außerdem seien die Banken seit jeher gezwungen, in Staatsanleihen zu investieren; würden die Zinsen nach oben explodieren, gäbe es „einen ganz schönen Rumpler in der Bewertung der Instrumente“, so Stockbauer. Auch bei den Aktienkursen. „Das wünscht man sich auch nicht. Da käme man vom Regen in die Traufe.“ (APA)


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