Neue Projekte und Politik lockten in Gemeindesaal
Dorfführung und Bürger trafen sich erstmals seit 1990 wieder zu einer Gemeindeversammlung. Es scheint im Dorf aufwärtszugehen.
Von Hubert Daum
Nassereith — Der „Fearewind" (Fernpasswind) ist eine unangenehme Eigenheit des Nassereither Mikroklimas. Bildlich gesehen war er in den letzten Jahren eher ein Fallwind, weil die Bevölkerung das Gefühl hatte, dass es mit der Gemeinde stetig bergab geht: Brachliegen des Hotels Post, Schließung des Postamtes, des Hallenbades, der Raika-Filiale — ein klassisches Opfer der ländlichen Ausdünnung. Seit einiger Zeit hat sich allerdings in der Empfindung der Dorfbewohner die Brise zum Aufwind gedreht. Das war auch in der Gemeindeversammlung am Samstag zu spüren.
Seit 1990 hat man sich zur „Lage des Dorfes" nicht mehr getroffen, obwohl die Gemeindeordnung eine Gemeindeversammlung jährlich vorschreibt. Das Interesse war enorm. In der Kinobestuhlung blieben nur einige wenige Sitze frei. „In elf Gemeinderatssitzungen wurden 154 Beschlüsse gefasst, 110 davon einstimmig", resümierte BM Herbert Kröll das erste Amtsjahr des neuen Dorfparlaments, dem er großes Lob aussprach. Mit einer Verschuldung von 41 Prozent (2.303.000 Euro) stehe man im Vergleich zu anderen gut da, mit 49 Bauverfahren sei so viel gebaut worden wie noch nie. Auch die „Neue Heimat" habe Interesse angemeldet, in Nassereith neue Wohnobjekte zu bauen. Apropos: Die Pläne für das neue Gemeindezentrum — das Raika-Areal wurde schon um 271.000 Euro angekauft — seien fertig, für den Um- und Neubau sind rund 500.000 Euro budgetiert. Während das neue Musikhaus im Juni eröffnet wird — im jetzigen Probelokal entstehe noch heuer ein „Haus der Generationen" —, muss man sich mit dem Folgeprojekt auf dem Hallenbadareal gedulden. Kröll: „Wir suchen nun intensiv nach Investoren, die Variante eines Rehazentrums wäre unser Favorit."
2018 starte die Tigas damit, Nassereith mit Erdgas zu versorgen, die Leitungen für schnelles Internet werden mitverlegt. Bereits heuer werde die Revitalisierung des Gurglbaches zur Hochwasservermeidung Nähe Dollinger angegangen. Hier werde auch ein Naherholungsgebiet entstehen, die Kosten von 1,2 Mio. Euro werden zur Gänze vom Land Tirol getragen. Auch das örtliche Raumordnungskonzept müsse nun weitergeführt werden. Hier hofft man auf neue Baugründe für die Zukunft. Die Siedlungserweiterung im Ortsteil St. Wendelin um elf Bauplätze sei praktisch durch, noch heuer soll gerodet werden.
Stolz sei man auf die Ansiedelung der Firma „Geo Alpinbau" mit Tochterunternehmen, das dem Dorf mindestens 60 neue Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bringen werde. Herbert Kröll möchte weiterhin um den Tschirganttunnel kämpfen: „Wir haben die Unterschriften fast aller Bürgermeister, auch der Landeshauptmann und sogar Minister Andrä Rupprechter stehen dahinter." Ziel sei die Wiederaufnahme in den Rahmenplan der Asfinag.