Wenn die Wut mitfährt: Todesopfer durch Aggressionen im Verkehr
Der Streit zwischen Autofahrern in Niederösterreich hatte ein Todesopfer zu Folge. Auch auf Tirols Straßen kam es jüngst vermehrt zu brutalen Zwischenfällen.
Korneuburg, Innsbruck – Die beiden Autos rasen nachts über die Donauuferautobahn und überholen sich gegenseitig. Der 24-jährige Beifahrer des einen und der 18-jährige Lenker des anderen Autos beschimpfen sich dabei gegenseitig. Schließlich bremsen sie ab und steigen bei der Abfahrt Stockerau_Nord mit den weiteren Insassen aus. Es folgt eine wüste Schlägerei.
Plötzlich kommt ein Auto. Der Fahrer bemerkt die Menge auf der Fahrbahn zu spät. Noch bevor er bremsen kann, erfasst er zwei Männer aus der Gruppe. Für den 24-jährigen Mann endet das tödlich, der 18-Jährige wird schwer verletzt. Dass Autofahrer, wie am Wochenende in Niederösterreich immer wieder massiv aneinandergeraten, hat sich zuletzt auch bei mehreren Fällen in Tirol gezeigt. Binnen weniger Wochen wurden bei der Polizei mehrere Fälle angezeigt.
Immer aggressivere Vorfälle in Tirol
So wurde im Bezirk Kitzbühel ein Familienvater von zwei Unbekannten verprügelt, die ihm zuvor immer wieder dicht aufgefahren waren. Ein wütender Wiener hatte einem Pensionisten in Völs gedroht, weil er offenbar mit dessen Fahrweise nicht einverstanden war. Und in Innsbruck bedrohte ein 22-Jähriger einen anderen Lenker mit einer Waffe, weil sie sich offenbar gegenseitig über die Fahrweise des anderen ärgerten.
„Für Aggressionen im Straßenverkehr gibt es verschiedenste Gründe“, erklärt der Tiroler Verkehrspsychologe Elmar Huber vom Verein zur Förderung von Arbeits- und Verkehrssicherheit. Vor allem tagesaktuelle Befindlichkeiten der Lenker würden oft im Straßenverkehr ausgelebt. „Das kann Müdigkeit, Gereiztheit, Krankheit oder auch Angst sein. Wenn ich zum Beispiel durch einen Drängler in Angst versetzt werde, kann es sein, dass sich diese in einer späteren Verkehrssituation in Aggression umschlägt“, so Huber.
Man müsse solche Fälle immer isoliert betrachten, betont der Experte. „Es zeigt sich aber schon, dass der Druck, der generell auf der Gesellschaft lastet – also etwa im Arbeitsleben oder im Bereich ihrer Finanzen – sich auch auf das Verhalten auswirkt. Manche explodieren dann im Straßenverkehr.“
Laut einer Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit nimmt die Aggression im Straßenverkehr zu, bei einer ÖAMTC-Umfrage Anfang des Jahres zeigten sich demnach auch die meisten Autofahrer von diesem Verhalten im Verkehr gestört. (rena)