GPA-Katzian zu „abgesandelt“-Sager: „Der Schmäh is net einigonga“

Wien (APA) - Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) wirft den Arbeitgebervertretern vor, die wirtschaftliche Lage bewusst schlecht zu...

Wien (APA) - Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) wirft den Arbeitgebervertretern vor, die wirtschaftliche Lage bewusst schlecht zu reden, damit die Arbeitnehmer Verschlechterungen für sich widerstandslos hinnehmen. Aber diese „scheinbare Sachzwanglogik“ habe sich selbst entlarvt.

In Richtung von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl und dessen „abgesandelt“-Sager aus dem Jahr 2013 meinte heute GPA-Chef Wolgang Katzian vor Journalisten: „Der Schmäh is net einigonga“. Vielmehr ist der Wirtschaftsstandort Österreich „ein guter“.

Allerdings würden die Arbeitnehmer weniger von dem Kuchen bekommen, kritisiert die GPA-Spitzenfunktionärin Agnes Streissler-Führer. Es gehe darum, den Profit fairer zu verteilen.

Die Anhebung des Mindestlohnes auf 1.500 Euro brutto - und in weiterer Folge auf 1.700 Euro - sei ein wichtiges Ziel der heurigen Frühjahreslohnrunde, die vorige Woche von den 50.000 Beschäftigten der Elektro- und Elektronikindustrie eingeläutet wurde, betonte Katzian.

Dass die Kollektivvertrags-Abschlüsse heuer alle deutlich unter der aktuellen Inflationsrate von zwei Prozent geblieben sind, begründete Katzian heute damit, dass traditionell die Teuerungsrate der vergangenen zwölf Monate als Verhandlungsbasis herangezogen wird - und da war die Inflation niedriger. Aber er gehe davon aus, dass die weiteren Abschlüsse heuer höher sein werden. „Es ist schon auch die Zeit gekommen, in der die Arbeitgeber richtig zugreifen sollen“, so Katzian.

Für Empörung bei der Gewerkschaft vida hat heute die Forderung mehrerer Innungsmeister im Niedriglohnbereich gesorgt, die 1.500 Euro brutto Mindestlohn erst schrittweise bis zum Jahr 2025 einzuführen. „Es ist schon wirklich dreist und letztklassig, mit welchem Gesudere die Friseur-Innung versucht, ein Leben in Würde mit einem Mindestlohn von 1.500 Euro ihrer Beschäftigten zu torpedieren“, ärgert sich Elisabeth Vondrasek, Frauenvorsitzende der vida.

Sie rechnete in einer Stellungnahme gegenüber der APA vor: „Eine Anhebung des Mindestlohns von 1.300 auf 1.500 Euro kostet die Arbeitgeber gut 16 Euro mehr pro Arbeitstag für ihre Beschäftigten. Umgelegt auf die Leistungen der Friseurinnen und Friseure heißt das, dass sich ein Haarschnitt für einen Unternehmer im Schnitt um rund einen Euro verteuert.“

Zur laufenden Diskussion über Arbeitszeit und Mindestlohn hat heute die Job-Plattform willhaben.at eine Umfrage (Sample: 1.000 Personen) präsentiert: Für 55,7 Prozent ist die Aussicht auf eine Gehaltserhöhung verlockender als mehr Freizeit. Bei der Auswahlmöglichkeit - statt einer Gehaltserhöhung die Arbeitszeit in vergleichbarem Ausmaß zu reduzieren - driften die Meinungen zwischen Land und Stadt spürbar auseinander. Weniger Wochenstunden werden am häufigsten in größeren Städten ab 60.000 Einwohnern bevorzugt.

Von jungen Menschen und Berufseinsteigern wird eine Gehaltserhöhung stark bevorzugt. Ab 50 Jahren wendet sich das Blatt, hier gibt es eine klare Präferenz hin zu mehr Freizeit, so das Umfrageergebnis.

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