Immobilienverwalter Patrizia plant Expansion außerhalb Deutschlands
München (APA/dpa-AFX/Reuters) - Der deutsche Immobilienverwalter Patrizia will sich künftig verstärkt um Kunden aus Nordamerika und Asien be...
München (APA/dpa-AFX/Reuters) - Der deutsche Immobilienverwalter Patrizia will sich künftig verstärkt um Kunden aus Nordamerika und Asien bemühen. Zudem will das Augsburger Unternehmen mehr Gebäudekomplexe im europäischen Ausland kaufen. Bisher habe Patrizia erst ein Drittel der Immobilien außerhalb Deutschlands erworben, sagte Finanzvorstand Karim Bohn. „Wir sehen im europäischen Ausland enormes Potenzial.“
Nach seinen Angaben prüft Patrizia auch den Kauf eines Investmentunternehmens außerhalb Deutschlands. Dafür stünden 400 Mio. Euro Eigenkapital bereit. Konkrete Pläne nannte Bohn aber noch nicht.
Um weiterhin eine starke Kapitalbasis zu haben, will die Patrizia Immobilien AG auch heuer keine Dividende ausschütten.
Das im SDax notierte Unternehmen gehört zu mehr als 51 Prozent immer noch dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Egger. Er will Patrizia „zu einem globalen Anbieter für europäische Immobilieninvestments weiterentwickeln“, wie das Unternehmen am Dienstag berichtete.
Patrizia hat rund 800 Mitarbeiter und für die Expansion zuletzt ein Büro in New York eröffnet. „Wir wollen dieses Jahr auch ein oder zwei Büros in Asien aufmachen“, sagte Bohn. Patrizia betreut für Banken, Versicherungen und Pensionsfonds Immobilien und bietet seine Dienstleistungen inzwischen auch Privatanlegern an.
Zu den betreuten Immobilien gehören Wohnungen, Büros und Shopping-Center. Der Wert der betreuten Gebäude, der bei Patrizia quasi dem Umsatzwert bei anderen Unternehmen entspricht, soll auch 2017 wieder wie in den vergangenen beiden Jahren um 2 Mrd. auf dann 20,6 Mrd. Euro steigen. Im Jahr 2021 will Patrizia Immobilien im Wert von etwa 30 Mrd. Euro verwalten.
Beim Gewinn traut sich der Immobilien-Investor operativ - also auch ohne einen Verkauf des großen GBW-Wohnungsportfolios - 2017 mehr zu. Das Unternehmen rechnet mit einem operativen Gewinn von 60 bis 75 (2016 bereinigt: 72,2) Mio. Euro, zuletzt hatte Patrizia mindestens 55 Mio. Euro in Aussicht gestellt.
Die Aktie gehörte am Dienstag mit einem Plus von 1,6 Prozent zu den größten Gewinnern im Kleinwerteindex SDax. Die Analysten von Berenberg halten die neue Prognose nun für „vernünftig“, bisher sei sie extrem konservativ gewesen.
Viele Branchenexperten erwarten, dass Patrizia in diesem Jahr die ehemaligen BayernLB-Wohnungen der Münchener GBW zum Verkauf stellt. Vorstandschef Egger hat sich dazu bisher aber bedeckt gehalten. In den beiden vergangenen Jahren hatten die Verkäufe zweier großer Wohnungsbestände (Südewo und Harald) die Gewinne von Patrizia jeweils nach oben getrieben. Die GBW ist eines der wenigen großen Wohnungsportfolien in Deutschland, das in nächster Zeit auf den Markt kommen dürfte, und wäre entsprechend heiß begehrt.
Die Aktionäre von Patrizia sollen für 2016 einmal mehr Gratisaktien statt einer Dividende erhalten. Für je zehn Papiere erhalten sie eine neue Aktie. Dafür werden Kapitalrücklagen in Grundkapital umgewandelt.