Keine Landesbanken-Ehe, weitere Fusionen in Tirol
Raiffeisen will sich in Österreich mit neuen Strukturen zukunftsfit machen. Ein Zusammenschluss der Landesbanken soll nicht kommen.
Von Alois Vahrner
Innsbruck –Mitte März soll der Zusammenschluss von Raiffeisen Zentralbank (RZB) und der in einem Dutzend osteuropäischer Länder tätigen Raiffeisen Bank International (RBI) endgültig über die Bühne gehen – und damit dem Wunsch der EZB entsprochen werden, mit Hinblick auch auf Stresstests das Eigenkapital zu verbessern.
Der Zusammenschluss an der Giebelkreuz-Spitze bringt auch für den Sektor in Tirol Änderungen, allen voran die Raiffeisen Landesbank (RLB) Tirol. Die RLB hatte bisher etwa 5,6 Prozent an der RZB und wird künftig an der fusionierten RBI noch etwa 3,7 Prozent halten (alle acht Raiffeisen-Landesbanken zusammen 58,8 Prozent).
„Die RBI ist dadurch aber nicht automatisch unser Spitzeninstitut – zumindest nicht in der Definition, wie es die RZB war“, sagt der Vorstandschef der RLB Tirol, Johannes Ortner, gegenüber der TT. Vieles war und sei innerhalb der Gruppe neu zu regeln, so ein Syndikatsvertrag der RLBs, Regelungen mit verschiedenen Sektor-Spezialinstituten (etwa die Bausparkasse, Leasing) sowie die Neuordnung des Haftungsverbundes, zu dem künftig auch die RBI gehört. Damit haftet etwa Tirol anteilig für die RBI und umgekehrt. Ziel ist es laut Ortner, nach dem Ausfall der letzten RZB-Dividenden ab 2018 wieder Ausschüttungen der RBI zu generieren.
Innerhalb Österreichs kann sich Ortner zwar eine verstärkte funktionale Zusammenarbeit der Landesbanken vorstellen, auch um gemeinsam Kosten zu senken (Tirol ist etwa seit Langem in einem Rechenzentrumsverbund mit Oberösterreich). Einem jüngst mehrfach in Wien geforderten Zusammenschluss aller Raiffeisen-Landesbanken erteilt Ortner indes eine klare Absage. Der werde mit Sicherheit nicht kommen.
Auch in Tirol will sich der Sektor, der hier ebenso wie in Österreich die größte Bankengruppe darstellt, zukunftsfit machen, so Ortner. Hier gehe es um die Nutzung aller technischen Möglichkeiten der Digitalisierung, aber auch um die Beibehaltung der Genossenschaftsform wie auch der Kundennähe vor Ort. „Die Gründungsidee von Raiffeisen ist heute aktueller denn je.“ 125.000 Tirolerinnen und Tiroler seien Genossenschafter und damit die Eigentümer von Raiffeisen in Tirol.
Raiffeisen werde Bank-Nahversorger bleiben und dabei auch neue Konzepte angehen, sagt Ortner. Das Bedürfnis nach Sicherheit sei stark gestiegen, nicht nur fürs Geld, sondern auch für die Deponierung von Wertgegenständen („die Nachfrage für Safe-Schließfächer ist stark steigend“) und das Deponieren von sensiblen Daten. Dies sei eine von mehreren Möglichkeiten, die Bank-Infrastruktur neu zu nutzen.
Ortner geht auch davon aus, dass es wegen der Umwälzungen in der Branche und wegen der immer umfangreicheren Regularien zu weiteren Verschmelzungen von Raiffeisenbanken in Tirol kommen kann. Aktuell gibt es in Tirol 71 selbstständige Raikas – in Vorarlberg (dort war Ortner vorher RLB-Vorstand) gibt es 21 Institute mit einer durchschnittlich doppelt so großen Bilanzsumme.
Größe allein ist für Ortner nicht entscheidend, sondern vielmehr etwa die Ertragskraft des Instituts und der Marktanteil im betreuten Gebiet. Hier werde man gemeinsam im Sektor ein Programm ausarbeiten, mit dem alle Institute quasi ein Zeugnis, eine Indikation für ihre Zukunftsfitness bekommen.
Tirol sei nicht Vorarlberg, aber mit Blick auf die Landkarte und Wirtschaftsregionen kann sich Ortner in den nächsten fünf bis zehn Jahren doch eine Änderung der Tiroler Raiffeisen-Struktur vorstellen. Die Entscheidung über Selbstständigkeit oder Fusion falle vor Ort bei den Geschäftsleiterinnen und Geschäftsleitern der Raiffeisenbanken. „Und das ist auch gut so, das ist Raiffeisen.“