Abgas-Skandal

VW-Kernmarke 2016 schwach, Vorstände treten bei Gehalt kürzer

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© Julian Stratenschulte

Im Gesamtkonzern sieht es mittlerweile „recht gut“ aus. Die wichtige Hauptmarke kommt aber noch nicht vom Fleck. Jetzt beginnt das große Sparen.

Wolfsburg – Die gewinnschwache Kernmarke bleibt das Sorgenkind von VW. Vor allem dank ertragreicherer Töchter wie Porsche und Audi gelang dem Konzern im vergangenen Jahr insgesamt wieder ein satter Gewinn - während die Autos mit dem VW-Logo noch weniger Ergebnis abwarfen als 2015. Die Folgen der Dieselkrise schlugen sich bei den Wolfsburger zudem erneut mit hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten oder Vermarktung nieder.

Der Volkswagen-Konzern hat im vierten Quartal weitere 4,4 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten im Abgasskandal beiseitegelegt. Im letzten Jahresviertel 2016 standen daher bei den Wolfsburgern rote Zahlen unter dem Strich, auch wenn im Gesamtjahr 5,1 Mrd. Euro Gewinn geschrieben wurden.

Zunkunftspakt „läuft voll an“

Auch ohne Betrachtung solcher Faktoren ging das Betriebsergebnis der Marke um Golf, Passat und Tiguan 2016 um 11,1 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro zurück, wie VW am Dienstag am Stammsitz Wolfsburg bekanntgab. Der Umsatz schrumpfte leicht um 0,6 Prozent auf 105,7 Milliarden Euro. Die Vorstandsriege um Konzernchef Matthias Müller verdiente etwas weniger: Ihre Gesamtvergütung nahm von mehr als 63 Millionen Euro (2015) auf zuletzt rund 39,5 Millionen Euro ab.

Mit dem im November 2016 beschlossenen Umbauprogramm „Zukunftspakt“, das derzeit voll anläuft, will der Konzern seine Hauptmarke rentabler machen. Die jährlichen Kosten sollen so bis 2020 um rund 3,7 Milliarden Euro sinken. Vorgesehen sind in den nächsten Jahren auch bis zu 30 000 Stellenstreichungen - allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Ertragsperle Audi unter Druck

Die Zahlen des Gesamtkonzerns sind bereits seit Ende Februar bekannt. Der Umsatz der VW-Gruppe stieg 2016 um knapp 2 Prozent auf 217,3 Milliarden Euro, unterm Strich betrug der Gewinn 5,1 Milliarden Euro - nach einem Milliardenverlust ein Jahr zuvor. Beim Absatz wurde der Rivale Toyota überholt, 10,39 Millionen Verkäufe bedeuteten Rang 1.

Bei der sonstigen Ertragsperle Audi machten sich zuletzt der harte Wettbewerb und hohe Kosten für neue Technologien bemerkbar. Sie drückten den Gewinn im laufenden Geschäft - noch vor Sondereinflüssen vor allem aus der Dieselkrise - um 5,6 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Erfolgreicher war Porsche: Der Sport- und Geländewagenbauer fuhr operativ ein Plus von 13,9 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro ein.

„Weniger“ Geld für Manager

Verglichen mit früheren Jahren, in denen Spitzenverdiener wie Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn teils mehr als 17 Millionen Euro eingestrichen hatten, fielen die Gehälter der Topmanager insgesamt geringer aus. An der Spitze der neun Vorstände lag die inzwischen ausgeschiedene Christine Hohmann-Dennhardt mit einer Summe von 10,05 Millionen Euro - bei ihr stammt ein Großteil aber aus einer Abfindung nach dem Verlassen des Unternehmens im Januar. Auf Platz zwei kam Vorstandschef Müller, der etwa 7,25 Millionen Euro erhielt.

VW hatte erst kürzlich sein System zur Bestimmung der Gehälter für Vorstände und Aufsichtsräte reformiert - nach langer Kritik an der Höhe der Bezüge. Unter anderem wurde für den Vorsitzenden des Vorstands eine Höchstgrenze von 10 Millionen Euro eingezogen.

Deutsche Umwelthilfe klagt erneut

Derweilen hat Deutsche Umwelthilfe wegen des Abgasskandals bei Dieselfahrzeugen eine weitere Klage angekündigt. Eigene und auch andere Untersuchungen des Abgasverhaltens von VW-Diesel nach dem Softwareupdate zeigten weiter stark überhöhte Stickoxidemissionen, sagte der Bundesgeschäftsführer der Umwelthilfe, Jürgen Resch, am Dienstag.Die Klage richte sich gegen eine offensichtlich rechtswidrige Rückrufanordnung des deutschen Kraftfahrtbundesamtes (KBA).VW-Chef Matthias Müller wies Kritik an den Updates der Software bei betroffenen Dieselfahrzeugen am Dienstag in Wolfsburg bei der Bilanzvorlage zurück. Das Unternehmen habe gegenüber dem KBA in vielfältigen Messungen nachgewiesen, dass die Lösungen in Ordnung seien.

Wenn Organisationen klagen wollten, müssten sie das tun. „Wir sehen dem gelassen entgegen.“Ein Sprecher des zuständigen Verwaltungsgerichts Schleswig konnte einen Eingang der Klage der Umwelthilfe noch nicht bestätigen. Dort sind bereits zwei andere Klagen der Organisation gegen das Bundesamt anhängig. „Ein Termin steht aber noch nicht fest.“

Der Umbau des Automobilgeschäfts „läuft planmäßig“

Der Konzern erklärte am Dienstag den Dieselskandal für beendet und will zu einem führenden Anbieter von Elektroautos werden. „Wir haben 2016 die Weichen gestellt für die größte Transformation in der Geschichte dieses Unternehmens - und dabei operativ besser abgeschnitten als viele uns das zugetraut hätten“, sagte Müller bei der Präsentation der Bilanz am Hauptsitz. Der Konzern sei finanziell gerüstet, um die Folgen der Dieselkrise zu tragen.

Der inzwischen weltgrößte Autokonzern plant heuer und im nächsten Jahr zehn Modelle mit Elektroantrieb und will bis 2025 mehr als 30 neue, rein batteriegetriebene Fahrzeuge auf die Straße bringen. Gleichzeitig arbeiten die Niedersachsen mit Hochdruck an der Entwicklung von selbstfahrenden Autos. Der Umbau des Automobilgeschäfts laufe planmäßig, das neue Geschäftsfeld für Mobilitätsdienste nehme Gestalt an. „Finanziell haben wir den Prozess der Neuausrichtung im Griff“, sagte Müller. (dpa, TT.com)