Merkel kontert Erdogans Attacken mit lautem Schweigen
Ankara/Berlin (APA/Reuters/dpa) - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hält im Streit über Wahlkampfauftritte türkischer Politiker i...
Ankara/Berlin (APA/Reuters/dpa) - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hält im Streit über Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Europa an seinem Konfrontationskurs fest und hat Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Solidaritätsadresse an die Niederlande attackiert.
Merkel sei nicht anders als die Niederlande, kritisierte Erdogan am Dienstag in Ankara. Sie greife die Türkei an, wie die Polizei in Rotterdam türkische Demonstranten mit Hunden und Wasserwerfern angegriffen habe.
Merkel ließ die Vorwürfe, die die Türkei immer wieder gegen Deutschland erhebt, an sich abperlen. „Die Bundeskanzlerin hat nicht die Absicht, sich am Wettlauf der Provokationen zu beteiligen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert schon am Montagabend. „Sie macht das nicht mit. Die Vorwürfe sind erkennbar abwegig.“ In einer Rede am Dienstag in Berlin ging Merkel dann auch nicht auf das Thema Türkei ein.
Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière (CDU) kritisierte die jüngsten Vorwürfe Erdogans gegen Merkel als „absurd“. Der Vorwurf der Terrorismus-Unterstützung reihe sich ein in Äußerungen der türkischen Seite, „die absurd sind, die keine reale Grundlage haben“, sagte de Maizière am Dienstag in Berlin.
Solche Angriffe hätten als einziges Ziel, in Zusammenhang mit dem türkischen Verfassungsreferendum „die Türkei in eine Opferrolle zu bringen“, fügte der Innenminister hinzu. Es sollten „Solidarisierungseffekte“ erzeugt werden bei denen, die das Vorhaben Erdogans zum Aufbau eines Präsidialsystems bisher nicht unterstützten.
Erdogan hatte Merkel am Montagabend „Unterstützung von Terroristen“ unterstellt. Erdogan warf den deutschen Behörden vor, auf Informationen der Türkei zu 4500 „Terrorverdächtigen“ nicht zu reagieren.
Es gebe eine solche Liste mit Terrorverdächtigen aus der Türkei nicht, sagte de Maizière dazu. Der Bundesregierung sei jeder gerichtsverwertbare Hinweis auf mutmaßliche Terroristen von den türkischen Behörden willkommen, sie brauche aber „keine Nachhilfe“ der Regierung in Ankara.