NÖ Prozess um Messerstecherei - Urteilsberatung
Wiener Neustadt (APA) - Im Wiener Neustädter Prozess um eine Messerstecherei in einem Lokal im Frankfurter Bahnhofsviertel sollte am Diensta...
Wiener Neustadt (APA) - Im Wiener Neustädter Prozess um eine Messerstecherei in einem Lokal im Frankfurter Bahnhofsviertel sollte am Dienstag nach einer Mittagspause die Urteilsberatung beginnen. Die Geschworenen mussten sich damit befassen, ob die Tat des Angeklagten als versuchter Mord oder aber u.a. absichtlich schwere Körperverletzung, Notwehr oder Putativnotwehr zu bewerten ist.
Auch wenn die am Dienstag gehörten Zeugenaussagen nicht wirklich brauchbar gewesen seien, sah der Staatsanwalt die Tötungsabsicht als erwiesen an und forderte in seinem Schlussvortrag eine schuldangemessene Bestrafung des 70-jährigen gebürtigen Wieners, der einem anderen Gast nach einem Streitgespräch zwei Stiche in die Brust - „nicht etwa ins Bein“ - versetzt hatte. Der Beschuldigte sei, wie das Video aus dem Bistro dokumentiere, nach seiner Rückkehr von der Toilette direkt auf sein Opfer zugegangen und habe „mit voller Wucht“ zugestochen. Es sei nicht mehr passiert, weil Zeugen einschritten.
Aus Verteidigersicht gehörte der Akt eigentlich nach Frankfurt. Dort wären zeitnah zu dem Vorfall Zeugenbefragungen und auch ein - oft sehr aufschlussreicher - Lokalaugenschein möglich gewesen. Nur weil der Angeklagte Österreicher ist und hier verhaftet wurde, sitze man nun ein Jahr später in Wiener Neustadt. Rechtsanwalt Peter Philipp, der u.a. von einer Notwehrsituation sprach, merkte zudem an, dass selbst das Opfer das Ganze nicht mehr interessiere: der Mann hatte den Behörden in Frankfurt gestern mitgeteilt, heute erst später zu seiner Aussage zu kommen - dann erschien er gar nicht.
Nach seinen letzten Worten vor der Beratung befragt, musste der Angeklagte in seinem Redefluss gebremst werden. Er habe nur zwei Zentimeter der Klinge benutzt, was aus seiner Sicht die fehlende Mordabsicht beweise. Der andere habe ihn und auch seine Familie „schwerst“ bedroht, rechtfertigte sich der 70-Jährige. „Oba i wollt eahm do net umbringen“, beteuerte der seit Jahrzehnten in Deutschland Lebende in purem Wienerisch.