Ein Komiker lehrt in Serbien den Politikern das Fürchten
Belgrad (APA/dpa) - Der 24-jährige Luka Maksimovic ist über Nacht in Serbien zum Hit geworden. Der Student der Kommunikationswissenschaft is...
Belgrad (APA/dpa) - Der 24-jährige Luka Maksimovic ist über Nacht in Serbien zum Hit geworden. Der Student der Kommunikationswissenschaft ist mit seiner Spaßpartei im letzten Jahr bei der Stadtratswahl in seiner Heimatstadt Mladenovac auf Anhieb Zweitstärkster geworden. Jetzt haben ihn mehr als 12.000 Bürger-Unterschriften sogar zum Kandidaten für die bevorstehende Wahl des Staatsoberhauptes gemacht.
Die Veralberung beginnt bereits mit dem Parteinamen SPN. Das ist die Abkürzung aus einem Popsong und meint, dass der Geliebte nach der Nacht aus dem Bett verschwunden und „nicht mehr zum Frühstück geblieben“ (SNP) ist. Auch der Wahlslogan „einfach toll“ ist nicht gerade inhaltsstark. Zudem hat der Neupolitiker den Kunstnamen Preletacevic angenommen - eine Anspielung auf den häufigen Parteiwechsel von Politikern um des eigenen Vorteils und der Bereicherung willen.
„Der Weiße“ ist sein Alias-Name. Weißer Anzug, weißes Hemd, weiße Krawatte. Dann der Horror für jeden, der auch nur ein Fünkchen Modebewusstsein besitzt: Die leichte weiße Sommerhose steckt in dicken cremefarbenen Wollsocken und die enden in weißen Slippern. Darüber ein dicker brauner Winterfellmangel. Das dunkle Haar hochgesteckt - etwas zwischen Dutt und Pferdeschwanz. An der linken Hand eine Art überdimensionierter weißer Siegelring.
Ohne große TV-Werbung und Reklame auf Anzeigenwänden hat ihn sein Styling in Windeseile bekannt gemacht wie einen bunten Hund. Er fährt in einer weißen Kutsche oder kommt auf einem Schimmel daher, herzt weiße Hunde, nimmt Lämmchen auf den Arm. In dieser Woche fuhr er bei der Wahlkommission in einer weißen Stretch-Limousine vor. Und immer winkt er huldvoll wie ein König. Viele Adelige könnten von ihm lernen.
Sein Programm: „Das ist ein ernsthafter Scherz - nicht ernsthaft, kein Scherz, sondern ein ernsthafter Scherz“. Sich selbst bezeichnet er als „ausländischen Söldner und Verräter“ - und veralbert damit ein beliebtes Totschlagargument der Regierung gegenüber der Opposition. Sein Credo „Ich stamme aus dem Volk“ soll diejenigen Politiker verunsichern, die keinen Bezug mehr zur Basis besitzen.
Vor allem die Jungen und unter ihnen besonders die Gebildeten springen auf den politischen Jungstar an. Schon lange haben sie sich von den immer gleichen Parolen der etablierten Politiker abgewandt. Sie gaben ungültige Stimmzettel ab oder blieben bei Wahlen gleich zu Hause. Mit den 100.000 vorhergesagten Stimmen kann „der Weiße“ zwar nicht die Wahl gewinnen. Doch er könnte damit den für sicher gehaltenen Sieg des alles bestimmenden Regierungschefs Aleksandar Vucic schon im ersten Wahlgang verhindern.
Die Belgrader Zeitung „Danas“ wirft ihm vor ?, dass er sich „wie der Präsident von Nordkorea verhält“, weil er viele demokratische Regeln außer Kraft gesetzt hat. Das Parlament ließ er in Zwangsurlaub schicken, um der kleinen Opposition keine Plattform mehr zu bieten. Und die Medien hält er mit seinen Dauerauftritten fest im Griff.
Die turnusmäßige Wahl des neuen Staatspräsidenten in Serbien wird am 2. April stattfinden. Premier Vucic will an die Staatsspitze wechseln, aber bis zur Wahl sein Regierungsamt behalten. Er gilt in allen Umfragen als der mit weitem Abstand aussichtsreichste Kandidat. Die zerstrittene Opposition konnte sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen