Studie: Gasmarkt-Integration mit Italien brächte mehr Liquidität

Wien (APA) - Österreichs Gas-Großhandelsmarkt erfüllt die Liquiditätsziele der europäischen Energieregulierungsbehörde ACER nur unzureichend...

Wien (APA) - Österreichs Gas-Großhandelsmarkt erfüllt die Liquiditätsziele der europäischen Energieregulierungsbehörde ACER nur unzureichend, und es gibt eine hohe Marktkonzentration auf Anbieterseite durch die Dominanz Russlands. Diese Defizite könnten durch eine bessere Verbindung mit Nachbarmärkten behoben werden - wobei der Nutzen einer Marktintegration mit Italien am größten wäre, so eine Studie.

„Es gibt, von ACER 2014 entwickelt, das European Gas Target Model“, erklärte Markus Krug von der Gasabteilung der E-Control am Dienstag bei einer Gasmarkt-Fachtagung in Wien. Dieses Gas Target Model habe für den Großhandel Kriterien definiert, mit denen man das Funktionieren des Gashandelsmarktes messen kann. Mit Hilfe dieses Modells habe die E-Control den Großhandelsmarkt für Österreich untersucht und dabei festgestellt, dass man zwar im kurzfristigen Spotmarkt (Day Ahead) „einigermaßen“ an die von ACER definierten Schwellenwerte herankommt, „man sieht auf jeden Fall eine positive Entwicklung über die Jahre“. Am Prompt-Markt (alles, was über Day Ahead hinausgeht, bis zum letzten Liefertag des Folgemonats, Anm.) und insbesondere am Forward-Markt (mehrere Monate, Quartale, Jahreszeiten oder Kalenderjahre in die Zukunft) gebe es jedoch nahezu keine Liquidität“.

Dazu kommt laut Krug, dass es zwar mit den Quellen Eigenproduktion, Norwegen und Russland eine ausreichende Diversität gebe, aber eine hohe Marktkonzentration durch die dominante Marktstellung Russlands. „Diese Defizite vor allem im Prompt- und im Forward-Bereich zu beseitigen ist mit der aktuellen Markstruktur nicht realistisch.“

Deshalb hat die E-Control gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen WECO (Wagner, Elbling & Company) verschiedene Varianten für eine Integration mit den Nachbarmärkten untersucht. „Wir haben uns angesehen Varianten mit dem süddeutschen NCG-Marktgebiet (NetConnect Germany, Anm.), also Österreich und NCG, die Variante Österreich-Italien, eine erweiterte Variante Österreich-Slowenien-Italien-Kroatien, eine Variante Österreich und Tschechien, eine Variante Österreich-Gaspool (Norddeutschland, Anm.) plus Tschechien sowie eine Variante Österreich-NCG plus Tschechien“, sagte WECOM-Geschäftsführer und Studienautor Oliver Elbling.

Das Ergebnis der Studie war, dass im Hinblick auf die Versorgungssicherheit allein jede dieser Kombinationen möglich wäre. Im Hinblick darauf, wo sich Österreich neue Quellen erschließen kann, „scheinen die Varianten mit Italien prioritär zu betrachten zu sein“, sagte Elbling. Hier wäre der Nutzen einer Marktintegration am höchsten, weil üblicherweise bei der Integration von Märkten mit unterschiedlichen Preisniveaus der resultierende Marktpreis niedriger wäre als am ursprünglich teureren Markt. „Je höher die Preis-Spreads zwischen den Märkten vorher sind, desto höher ist der erwartbare Nutzen.“

Dabei geht es aber um den Gesamtnutzen - wie die Verteilung des Nutzens etwa zwischen Italien und Österreich wäre, wurde in der Studie nicht untersucht. Bevor man die Studie also als konkrete Arbeitsvorgabe verstehe, sollte man nachrechnen, ob eine Integration mit Italien wirklich so viel bringen würde und wie realistisch sie wäre, sagte der Geschäftsführer des Central European Gas Hub (CEGH), Gottfried Steiner.

„Die Studie zeigt nicht, dass es jetzt in Richtung Rom gehen muss“, meinte auch Bernhard Painz, Leiter der Gasabteilung bei der E-Control. „Wir werden noch viel diskutieren müssen, sowohl mit den österreichischen Stakeholdern als auch mit jenen in den Nachbarländern, die bei solchen Initiativen mitmachen müssten.“ Mit der Diskussion darüber habe man im Februar begonnen, und die Konsultation sei noch bis 31. März offen, sagte Painz. Jedenfalls müsse auch ein Nutzen beim Endkunden ankommen. „Nur weil‘s lustig ist viel zu ändern kann kein Selbstzweck sein.“

~ WEB http://www.e-control.at ~ APA445 2017-03-14/15:41